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16.08.2012

12:33 Uhr

Crowdfunding

Konsolen-Fans finanzieren Playstation-Konkurrenz

VonStephan Dörner

Weil sich in der Konsolen-Welt nichts tut, finanzieren Gamer ein Konsolen-Projekt namens Ouya, das Hacker willkommen heißt. Es ist nicht das einzige aktuelle Beispiel, bei dem frustrierte Kunden das Regiment übernehmen.

Bei Ouya heißt es „Hackers welcom“. Das Projekt verspricht eine wirklich offene Spiele-Plattform für den Fernseher.

Bei Ouya heißt es „Hackers welcom“. Das Projekt verspricht eine wirklich offene Spiele-Plattform für den Fernseher.

DüsseldorfNun muss das Ouya-Projekt liefern: 8,6 Millionen Dollar von Fans hat die Crowdfunding-Kampagne zum Bau einer eigenen Spiele-Konsole eingesammelt – und damit hohe Erwartungen geweckt. Mit dem Betrag ist Ouya das zweiterfolgreichste Crowdfunding-Projekt aller Zeiten – nur das Projekt Pebble, das Uhren entwickelt, die mit Smartphones kommunizieren, hat mehr Geld eingesammelt. 950.000 Dollar hatten die Projekt-Initiatoren als Ziel auf der Finanzierungsplattform Kickstarter angegeben.

Der Erfolg von Ouya hat Gründe: Das Projekt begeistert Gamer, weil es eine Konsole verspricht, die anders seins soll als alles Dagewesene. Spielekonsolen wurden bislang günstig – sogar mit Verlust – verkauft, damit sich das System verbreitet. Verdient haben Microsoft, Sony und Nintendo an den Lizenzen für die Spiele. Das hat die Spiele teuer gemacht. Dasselbe Spiel für die Xbox 360 von Microsoft oder die Playstation 3 von Sony kostete im Handel daher deutlich mehr als die PC-Version – denn für die offenen Systeme Windows, Mac OS X oder Linux kann jeder entwickeln, ohne dafür eine Lizenz erwerben zu müssen.

Das hat den häufig totgesagten PC als Spieleplattform am Leben gehalten – auch wenn die Anschaffungskosten höher sind als bei einer Konsole mit Spezial-Hardware. Das Ziel von Ouya lautet daher laut Projekt-Website, „die letzte geschlossene Plattform zu knacken – den Fernseher“. Während Sony den Playstation-Hacker George Hotz verklagte und damit die Szene der Hobby-Spiele-Entwickler angriff, heißt es bei Ouya: „Hackers welcome“. Das offene System soll für jeden frei veränderbar sein. Unter anderem das freie Mediencenter XMBC wird daher für Ouya verfügbar sein.

Ouya basiert auf dem offenen Smartphone-System Android, Spiele soll jeder dafür entwickeln können, ohne Lizenzgebühren zu bezahlen. Dennoch ist die Konsole extrem billig: Wer bei Kickstarter mindestens 95 Dollar für das Projekte spendete, dem versprach Ouya eine Konsole.

Geschäftsmodelle der Spielebranche

Verkauf

Ein Entwickler arbeitet Monate oder Jahre an einem Spiel. Wenn es fertig ist, wird es zu einem festen Preis auf den Markt gebracht. Nach wie vor setzen viele Anbieter auf den klassischen Verkauf, ob Einzelkämpfer, die eine iPhone-App programmieren, oder große Studios mit Produktionen im Hollywood-Stil. Ob die Nutzer ins Geschäft gehen oder sich den Titel herunterladen, spielt dabei keine Rolle.

Abo-Modelle

Jede Stunde oder jeder Monat kostet – nach diesem Prinzip rechnen die Anbieter von Abo-Spielen ab. Wenn sie einen treuen Stamm von Spielern an sich binden können, schaffen sie einen stetigen Umsatzstrom. Dafür müssen sie allerdings auch ständig etwas Neues bieten, sonst sind die zahlenden Kunden weg. „World of Warcraft“ ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.

Free To Play

Das Spiel an sich ist gratis, aber die Extras kosten. Die Anbieter von Free-to-play-Spielen verdienen ihr Geld mit virtuellen Zauberstäben, Raumschiffen oder Rüstungen. Obwohl nur ein Bruchteil der Nutzer zahlt, kann das lukrativ sein. Da die Einstiegshürde niedrig ist, gewinnen die Anbieter viele Gelegenheitsspieler. Vorreiter sind Unternehmen wie Zynga und Bigpoint, doch auch viele Branchen-Dinos setzen inzwischen auf dieses Modell.

Werbung

Bandenwerbung im Fußballstadion, Aufkleber auf Rennwagen, gesponsorte Figuren: Computerspiele sind eine Plattform für Reklame. Der Anteil am Gesamtumsatz der Branche ist allerdings noch klein.

Crowdfunding

Wer keinen großen Geldgeber findet, fragt einfach viele Kleininvestoren. Beim Crowdfunding – der Schwarmfinanzierung – versorgen sich Unternehmen über Plattformen wie Kickstarter mit Kapital; Nutzer können kleine Beträge zur Verfügung stellen und bekommen im Gegenzug das fertige Produkt oder Extras.

Das alles hört sich sehr gut an – für manche zu gut. PCmag.com vermutete gar einen Betrug hinter dem Projekt. Auch andere Branchenbeobachter reagierten mit Kritik. Viele äußerten sich skeptisch, ob eine 99-Dollar-Konsole es tatsächlich mit der teuren Spezial-Hardware von Playstation 3 und Xbox 360 aufnehmen kann. Zudem sei ein offenes System auch offen für illegale Schwarzkopien von Spielen – das zeigt auch der PC. Fraglich ist daher, ob Ouya mehr wird als eine Plattform für Hobby-Spiele-Entwickler.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

16.08.2012, 13:31 Uhr

Finde es gut dass sich da endlich mal was tut. PS und Xbox schon zu lange im Oligopol, da tut sich ja nichts mehr. Ein bisschen Wettbewerb könnte den Markt schon beleben und neue Innovationen bringen.

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