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25.04.2012

15:43 Uhr

Crysis 2

Union uneins über Ego-Shooter-Auszeichnung

Der deutsche Computerspielpreis für den deutschen Ego-Shooter Crysis 2 stößt bei der Union auf Kritik. Bei der Entscheidung hätten technische Aspekte im Vordergrund gestanden.

Auch der dritte Teil von Crysis, der Anfang 2013 erscheinen soll, will wieder mit starker 3D-Grafik aufwarten. (Symbolbild) dapd

Auch der dritte Teil von Crysis, der Anfang 2013 erscheinen soll, will wieder mit starker 3D-Grafik aufwarten. (Symbolbild)

BerlinDie Unionsfraktion im Bundestag hat die Auszeichnung des Computerspiels Crysis zwei als bestes deutsches Computerspiel scharf kritisiert. „Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind“, erklärte der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, am Mittwoch in Berlin. Die Computerspielpreise werden am Donnerstag vergeben.

„Wir tolerieren nach unserem Freiheits- und Demokratieverständnis durchaus jeden Erwachsenen, der diese Art von Spielen in der Freizeit spielt“, schrieb Börnsen in einer Erklärung. Unter dem Aspekt des Jugendschutzes werde es aber jetzt vielen Eltern noch schwerer gemacht, sich für alternative, sinnvolle Spiele einzusetzen. Börnsen brachte eine Neubesetzung der Jury für die Vergabe der Computerspielpreise ins Gespräch. Grundlage für die Preisvergabe sei ein Bundestagsbeschluss von 2007, wonach inhaltliche Kriterien höher bewertet werden müssten als die technische Qualität einer Spielsoftware. Bei der Entscheidung für Crysis zwei habe der rein technisch-innovative Aspekt im Vordergrund gestanden.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek widersprach seinem Fraktionskollegen: „Crysis 2 ist nun mal das beste deutsche Spiel“ sagte er Handelsblatt Online. „Die Schärfe des Kommentars halte ich für überflüssig“. Die Diskussion darüber, ob eher inhaltliche oder technische Aspekte beim dem Preis eine Rollen spielen sollte, laufe schon seit Jahren. Jarzombek schlägt daher vor, die Kriterien technische Aspekte und Erfolg im Markt auf der einen und inhaltliche Aspekte auf der anderen Seite stärker zu trennen. „Dann brauchen wir künftig zwei Preise: Das beste deutsche Computerspiel braucht eine gewisse Akzeptanz im Markt und muss auch technisch überzeugen. Ein anderer Preis wäre das schönste Spiel im Sinne von pädagogisch wertvoll.“

Kommentare (2)

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25.04.2012, 21:37 Uhr

Die Aussagen von Wolfgang Börnsen sind aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Es ist ja keineswegs das erste Mal, dass ein Spiel mit einer Altersfreigabe ab 18 nominiert wurde (Dragon Age im Jahr 2010). Mit dem Deutschen Computerspielpreis sollen Spiele gefördert werden, die innovativ, kulturell und pädagogisch wertvoll und darüber hinaus unterhaltsam sind. Es sind also unterschiedliche Aspekte in den Blick zu nehmen. Genau wie bei Buch, Film oder anderen Medien auch, setzen Spiele-Entwickler unterschiedliche Stilmittel ein, um bei den Spielern eine Emotion zu erzeugen. Wie alle anderen Medien greifen Computer- und Videospiele das auf, was sich in der Welt ereignet. Sie sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Liebe, Freundschaft, Natur, aber genauso auch Gewalt, Krieg und Aggression finden den Weg ins Computerspiel. Im Medium Computerspiel werden die Geschichten, die uns bewegen, auf moderne Art erzählt. Und genau wie beim Film sollte die Altersfreigabe keine Rolle bei der Frage nach der Preiswürdigkeit eines Mediums spielen, wenn es um den besten Film oder das beste Spiel geht, sonst wäre es der Kinder- und Jugendspielpreis. Übrigens hat die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär, in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass bei dem Deutschen Computerspielpreis auch Spiele mit einer Altersfreigabe ab 18 berücksichtigt werden sollten.

Die anderen Parteien reagieren mit Unverständnis auf die Stellungnahme der CDU/CSU: siehe dazu http://spielkultur.ea.de/kategorien/jugendschutz/wieder-killerspieldebatte-bei-nominierungen-zum-deutschen-computerspielpreis.

Martin Lorber
Pressesprecher EA und Autor von www.spielkultur.ea.de

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26.04.2012, 11:27 Uhr

Richtig Herr Lorber, diese Aussagen sind einfach nicht zu fassen und reiner Populismus.
Die deutsche Videospielindustrie hat es eh schon schwer genug und die Firma Crytek ist quasi ein kleines Wunder. Wie ein zartes Pflänzlein, was trotz einer lebensfeindlichen Umgebung zu einem stattlichen Baum gewachsen ist.

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