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14.09.2011

11:12 Uhr

Cyber-Attacken

Wird der Hacker zum Co-Pilot?

Smartphone-Vernetzung, Internet am Steuer, Elektronik ersetzt Mechanik – das elektronische Auto wird zunehmend Realität. Doch Sicherheitsexperten warnen bereits vor Gefahren.

Das Cockpit des Konzeptautos Smart Forvision. Autos werden mit zunehmend mehr Technik ausgestattet. dpa

Das Cockpit des Konzeptautos Smart Forvision. Autos werden mit zunehmend mehr Technik ausgestattet.

DüsseldorfAuf der IAA in Frankfurt ist der Trend unübersehbar: Immer mehr Elektronik zieht in die modernen Fahrzeuge ein. Dabei folgt die Automobilindustrie nicht nur den Trends, Apps und Internet in die Fahrzeuge zu bringen. Auch die mechanische Übertragung von Gas und Bremse ist längst durch eine elektronische Übertragung ersetzt. Drive-by-Wire heißt die Technologie. Durch seine große Übertragungsgeschwindigkeit sind die Drive-by-Wire-Systeme schneller als die mechanischen und verschaffen dem Fahrer einen geringen Zeitvorteil. Sie gelten allerdings durch die komplizierte Technik auch als störanfälliger. Bei starken Bremsmanövern unterstützt ist das EBD (Electronic Brake Distribution) den Fahrer, weil es das Fahrzeug durch die elektronisch geregelte Bremskraftverteilung in der Spur hält.

„Streng genommen gibt es Autos ohne diese Technologie gar nicht mehr“, so Toyota-Sprecher Dirk Breuer. „Es gibt meines Wissens keinen Hersteller mehr, der auf eine mechanische Steuerung der Autos setzt – außer vielleicht Tata in Indien“. Die Technologie habe Vorteile, beispielsweise um ein Durchdrehen der Räder beim Start zu verhindern. Drückt der Fahrer beim Anfahren zu stark auf das Pedal, nimmt die automatische Motorsteuerung Gas weg. Auch ein Tempomat sei mit dem System leichter umzusetzen.

Allerdings sieht der IT-Sicherheitsexperte Sandro Gaycken von der TU Berlin auch große Gefahren. „Es gab schon Fälle, in denen Autos aus dem Stand maximal beschleunigten“, berichtet Gaycken. Eine externe Sicherheitsüberprüfung der Drive-by-Wire-Systeme beispielsweise durch den Tüv, wie Gaycken sie der Bundesregierung empfohlen habe, gäbe es derzeit nicht. „Die Software könnte so manipuliert werden, dass es nach einem Unfall aussieht“, fürchtet der Informatiker.

Toyota-Sprecher Breuer bestreitet solche Vorfälle. Die Serie von Unfällen mit Toyota-Fahrzeugen sei am Ende sogar von Nasa-Wissenschaftlern in den USA untersucht worden. Das Ergebnis: In keinem Fall sei nachgewiesen worden, dass technische Fehler die Ursache der Unfälle waren. Die Systeme seien autonom und redundant ausgelegt. „Was will ein Hacker da machen?“, fragt der Toyota-Sprecher. „Die Systeme sind nicht mit den Außenwelt oder dem Internet vernetzt. Wenn es einen Fehler bei der Signalübertragung gibt, geht die Drosselklappe dank einer Feder in die Nulllage zurück – sprich: das Auto bleibt einfach stehen.“ Am Ende des Tages sei die Software simpel und sicher, das habe auch die Nasa-Untersuchung gezeigt.

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