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31.01.2009

09:03 Uhr

Darüber spricht das Netz

Die große Internet-Video-Lüge

VonJens Schröder

Millionär Mark Cuban meint, dass das Netz bei Live-Events keine Konkurrenz zu Kabel- und Satellitenübertragungen ist. RTL meint, YouTube-Videos löschen zu müssen. Und Google meint, seinen E-Mail-Dienst müsse man nun auch online nutzen. - „Darüber spricht das Netz“ – jede Woche bei „Handelsblatt.com“.

Glaubt nicht daran, dass das Internet dem Fernsehen bei Großereignissen wie Sportübertragungen den Rang ablaufen kann : Mark Cuban (l.) ap

Glaubt nicht daran, dass das Internet dem Fernsehen bei Großereignissen wie Sportübertragungen den Rang ablaufen kann : Mark Cuban (l.)

Mit der „großen Internet-Video-Lüge“ sorgt Multimillionär und Blogger-Enfant-Terrible Mark Cuban für Schlagzeilen und Diskussionen. In einem lesenswerten Beitrag behauptet er, dass das Internet als Medium für die Live-Übertragung großer Events auf absehbare Zeit nicht mit dem Fernsehen mithalten kann. Grund: technische Beschränkungen und zu hohe Kosten. Cuban erklärt, dass es keinen einzigen Dienstleister gibt, der zwei große Live-Events, z.B. ein Rock-Festival und ein Sportereignis parallel an mehr als eine Million Zuschauer senden kann. Ohnehin gäbe es nur drei oder vier Dienstleister wie Akamai und Limelight, die überhaupt mehr als 500 000 parallele Nutzer für einen Stream verarbeiten können.

Gerade bei Events wie der Amtseinführung von Barack Obama stellen sich mittlerweile durchaus die Fragen, die Cuban aufwirft. Es sei billiger, ein Live-Programm über Kabel oder Satellit zu senden, als über das Internet, so Cuban. Die wenigen Dienstleister diktieren die Preise, können trotzdem keine gigantischen Zuschauermengen bedienen und dabei bleibe es auf absehbare Zeit. Echte Gegenargumente zu Cuban gab es von Seiten anderer Blogger nicht wirklich. Als Gegenbeispiel wird zwar der neue TV-Sender Epix genannt, ein Joint Venture von Viacom, MGM und Lionsgate, der zunächst nur im Netz startet. Doch er wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch kein Millionenpublikum haben, das parallel zuschauen will. Zudem geht es Cuban ja nicht um Plattformen wie YouTube oder Abrufvideos im Allgemeinen, sondern nur um die Live-Streams. Und da wird er wohl in der Tat noch einige Zeit recht behalten, bis sich bessere Technologien durchsetzen.

Internet-Links

blog maverick (Mark Cuban): The Great Internet Video Lie

Silicon Alley Insider: Why Web Video Will Never Beat TV

NewTeeVee: On Mark Cuban’s ‘Video Lie’

Fernsehkonzern RTL zieht das Urheberrecht kostenloser Promotion vor und hat zahlreiche YouTube-Videos mit Ausschnitten aus der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ löschen lassen. Der wahre Grund für diese Aktion dürfte aber gar nicht die Sorge um die eigenen Rechte sein, sondern die Sorge um die eigene Videoplattform Clipfish. Der YouTube-Konkurrent leidet seit Anfang 2008 unter rückläufigen Nutzerzahlen – aus 12,26 Mio. Visits im Januar 2008 wurden laut der Internet-Vermesser der IVW im Dezember nur noch 6,77 Mio. Mit der exklusiven Verwertung der „DSDS“-Videos sollen diese Zahlen gepusht werden. Ob die verärgerten YouTube-Nutzer, die sich mit einem lustigen Protestvideo gegen RTL wehren, allerdings allesamt zu Clipfish wandern, ist wohl fraglich. Und dass ein Einsperren von Inhalten auf der eigenen Plattform nichts bringt – damit mussten schon ganze Industrien Erfahrungen machen.

Internet-Links

Basic Thinking: DSDS-Videos bei YouTube - RTL schwingt Zensur-Keule

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