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10.01.2008

17:02 Uhr

Datenaustausch im Web

Google und Facebook setzen auf Standards

VonThomas Knüwer

Zusammen mit anderen Internetkonzernen arbeiten die Web-Riesen in der sogenannten Data-Portability-Gruppe an einheitlichen Regeln zum Austausch von Daten im Web. Die Frage bleibt, ob Nutzerfreundlichkeit wirklich über Rivalität siegen wird.

Google will mit Konkurrenten über gemeinsame Standards beraten. Foto: ap Quelle: ap

Google will mit Konkurrenten über gemeinsame Standards beraten. Foto: ap

DÜSSELDORF. Die Bemühungen der großen Internet-Unternehmen, den Transfer von Nutzerdaten zwischen einzelnen Angeboten zu standardisieren, nehmen immer mehr Form an. Am Montag gab die Data Portability Workgroup bekannt, dass Google und die Netzwerke Facebook und Plaxo künftig zu ihren Mitgliedern zählen. Facebook ist neben Myspace mit fast 60 Millionen Mitgliedern das größte soziale Netzwerk, Plaxo zählt rund 16 Millionen Nutzer.

Und noch eine ähnlich gelagerte Initiative darf sich wohl bald über prominenten Zuwachs freuen: Gestern meldete der Branchendienst Techcrunch unter Berufung auf „hochrangige Quellen“, dass Google, IBM und der Sicherheits- und Kommunikationssoftwarehersteller Verisign Gespräche über einen Beitritt zur Open-ID-Initiative führten, die an einer Vereinheitlichung und Sicherung von Nutzerdaten arbeitet.

Die Data-Portability-Gruppe arbeitet daran, Netz-Nutzern die Neuanmeldung und die Verwaltung ihrer Daten auf einzelnen Seiten zu erleichtern. So müssten sie nicht mehr alle Informationen neu eintippen, wenn sie Mitglied bei einem Dienst werden, sondern könnten diese leicht übertragen. Eventuell könnten sich wechselnde Informationen, zum Beispiel eine neue E-Mail-Adresse, sogar automatisch über alle Dienste aktualisieren.

Mit dem Beitritt von Google, Facebook und Plaxo erhält die Arbeitsgruppe eine neue Bedeutung. Als „Bombe“ wertet der Web-Branchendienst Read/Write-Net die Nachricht: „Die Nicht-Teilnahme von Google und Facebook, zwei Firmen, die mehr Nutzerdaten besitzen und mehr damit machen als praktisch jeder andere verbraucherorientierte Dienst auf dem Markt, war bisher der größte Stolperstein für das Projekt.“ Nun werde sich entscheiden, ob die neuen Mitglieder künftig als „hinter Mauern verschlossene Datensammler“ arbeiten oder als „offene Plattformen, die eingebunden sind in ein größeres Öko-System der Innovation, das Nutzer-Daten respektiert und sensible Regeln für den Umgang mit diesen Informationen entwirft.“ Offen sei aber, ob die Branchenrivalität nicht über den Willen zur Zusammenarbeit siege.

Während der Schwerpunkt bei der Data-Portability-Gruppe eher auf der leichteren Datenpflege liegt, sorgt sich Open-ID um die Sicherheit von Nutzerdaten. Wer bei OpenID angemeldet ist, kann sich bei kooperierenden Web-Seiten einloggen, ohne dass ein neuer Nutzername oder ein neues Passwort nötig sind. Der Vorteil: Die persönlichen Daten liegen allein bei Open-ID – und die Initiative ist kein gewinnorientiertes Unternehmen, sondern eine gemeinnützige Stiftung. Wer ihr vertraut, muss sich dann keine Sorgen mehr über Datenverkauf machen. Bewahrheitet sich eine Zusammenarbeit mit IBM, Verisign und Google, würde dies für Open-ID einen enormen Schub bedeuten.

Die Aktivitäten passen in den aktuellen Drang zur Standardisierung bei den großen Web-Firmen. Ausgelöst wurde er vor allem durch Google– die Firma will mit ihrer Initiative Open Social die Schnittstellen zwischen Sozial-Netzwerken vereinheitlichen. In dieser Woche gab aber auch Yahoo bekannt, seine Mobilplattform für Googles Handy-Betriebssystem zu öffnen.

Wie groß dieser Drang ist, zeigt die schnelle Reaktion von Facebook in Sachen Data Portability Workgroup. Mitglied der Arbeitsgruppe ist der bekannte US-Blogger Robert Scoble. Der saugte mit einem Programm seine Daten aus Facebook ab, um sie für den Konkurrenzdienst Plaxo zu verwenden. Facebook reagierte mit einem zeitweiligen Löschen von Scobles Profil. „Hey, ich wollte nur meine Daten und Kontakte in ein anderes Netzwerk übertragen. Das sollte doch wohl erlaubt sein“, beschwerte sich der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter und sorgte für ein Welle zustimmender Artikel in anderen Blogs. Auf sein Bestreben hin lud die Arbeitsgruppe Facebook ein, mit ihnen zu kooperieren. Das war am 4. Januar – drei Tage später sagte Facebook zu.

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