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18.07.2011

20:04 Uhr

Datendiebstahl

Hacker gesteht Angriff auf Polizei

Computerhacker erbeuten geheimste Daten der Polizei: Das Horrorszenario für jeden Fahnder wurde Wirklichkeit. Jetzt hat der Datendieb gestanden - doch der Countdown für den nächsten Angriff läuft bereits.

Die anonyme Gruppe „no name crew“ droht bereits mit der nächsten Attacke auf Computer des Bundes.  Quelle: dpa

Die anonyme Gruppe „no name crew“ droht bereits mit der nächsten Attacke auf Computer des Bundes. 

Düsseldorf/Köln/BonnDer wegen Angriffen auf Polizeicomputer festgenommene 23 Jahre alte Hacker hat gestanden. Das teilte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen am Montagabend mit. Ein Richter in Köln erließ Haftbefehl wegen des Verdachts der „Computersabotage in einem besonders schweren Fall“. Hinter Gitter muss der Hacker aber nicht. Wegen seines „umfassenden Geständnisses“ und seiner Zusammenarbeit mit der Polizei kam er unter Auflagen wieder frei. Was genau er gestanden hat, wollte eine LKA-Sprecherin auch auf Nachfrage nicht sagen.

Bereits am Sonntag wurde der Hacker in Nordrhein-Westfalen wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten, der Datenveränderung und der Computersabotage festgenommen. Die anonyme Gruppe „no name crew“, auf deren Konto der Hackerangriff offensichtlich geht, droht bereits mit der nächsten Attacke auf Computer des Bundes. 

Ob der festgenommene Mann etwas mit dieser Gruppe zu tun hat, wollte eine LKA-Sprecherin nicht sagen. Der Mitteilung zufolge wird er für einen Hackerangriff auf das Peil- und Ortungssystem „Patras“ der Polizei verantwortlich gemacht. In seiner Wohnung seien Beweismittel gefunden worden, teilten die Fahndungsbehörden mit. In die Analyse sind auch das Cyber-Abwehrzentrum und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet. Das Landeskriminalamt hat eine Task Force aus zehn Computer-Spezialisten und Ermittlern gebildet.

Es sei sehr schwierig festzustellen, welche Daten ausgespäht und welche veröffentlicht wurden, betonte ein BSI-Sprecher. Ob die Ermittlungsbehörden das „Patras“-System weiter nutzten, müssten sie selbst entscheiden. Der „Focus“ berichtete unter Berufung auf einen BSI-Report, dass möglicherweise alle „Patras“-Computer mit eingeschleusten Spionageprogrammen, sogenannten Trojanern, verseucht worden seien. Der BSI-Sprecher sagte dazu, er wolle dem „Focus“ nicht widersprechen. 

Unter anderem waren Telefonnummern und Namen von der Zollfahndung ins Internet gestellt worden, die auf einem Computer bei der Bundespolizei gespeichert waren. Die Bundespolizei hatte nach Bekanntwerden des Hackerangriffs betont, ihre Ermittlungsdaten seien nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Die „Bild am Sonntag“ berichtete, Computer der Bundespolizei seien schon seit September 2010 mit Trojanern infiziert. In Sicherheitskreisen wird befürchtet, dass doch Ermittlungsdetails im Internet auftauchen könnten. 

Eine Gruppe namens „no name crew“, die offensichtlich hinter dem Datendiebstahl steckt, kündigt im Internet bereits den nächsten Angriff an. Unter dem Motto „Jetzt erst recht“ seien „neue Ziele auf Bundesebene ausgesucht“ worden - der Angriff beginne in gut neun Tagen. Auf der Homepage der Gruppe läuft ein Countdown für die Attacke. Der BSI-Sprecher sagte lediglich, man beobachte dies. Er betonte, dass die Computer, mit denen die Angriffe gesteuert werden, nicht einfach unschädlich gemacht werden können.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Vollbit

18.07.2011, 14:31 Uhr

>>Das Landeskriminalamt hat eine Task Force aus zehn Computer-Spezialisten und Ermittlern gebildet.<<

Sind das die selben Experten die XAMPP installierten, sich um die Sicherheit der betroffenen Server kümmerten und denen der Trojanerbefall seit Herbst letzten Jahres nicht aufgefallen ist?
Wenn die Zustände in allen Behörden unseres Landes so sind wie beim Zoll/Bundespolizei dann wundert mich absolut gar nichts mehr.

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