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02.06.2014

08:28 Uhr

Datenschutz

Wachstumsschub durch Gütesiegel

VonManuel Heckel

Deutschland gilt als relativ sicherer Datenhafen. Das kommt hiesigen Unternehmen nun zugute: Start-ups mit Cloud-Fokus haben plötzlich Anfragen von Firmen aus dem Ausland. Der Datenschutz wird so zum Standortvorteil.

Unternehmen aus der ganzen Welt wollen Daten nach Deutschland auslagern. dpa

Unternehmen aus der ganzen Welt wollen Daten nach Deutschland auslagern.

KölnAlles war auf den deutschen Mittelstand ausgerichtet - doch plötzlich kamen Anfragen von Firmen aus dem Ausland. „Wir haben nicht mal eine englische Website“, wundert sich Tim Schütte, Vertriebschef des Start-ups Cloudpartner. Die strikte Fokussierung auf Server in Deutschland sollte besonders heimische Firmen überzeugen, die ihre Daten nicht außer Landes geben wollen oder dürfen. „Jetzt kommen aber Unternehmen aus der ganzen Welt, die sagen: Wenn ich schon Daten auslagere, dann nach Deutschland.“

Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden hinterfragen immer mehr Unternehmen, wo die Server von Cloud-Diensten stehen. Weil Deutschland als relativ sicherer Datenhafen gilt, dürfen Gründer hierzulande auf einen Standortvorteil gegenüber den dominanten US-Anbietern hoffen. „In der Nische IT-Sicherheit und für B2B-Cloud-Produkte kann ein Siegel ‚Made in Germany’ ein Vorteil für Start-ups aus Deutschland sein“, bestätigt Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Start-ups (BVDS). „Wir sehen einige vielversprechende Start-ups in diesem Umfeld.“

Meine Daten und ich

Die Internetgiganten und die NSA-Affäre

Aus jüngst veröffentlichten Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden geht hervor, dass US-Internetfirmen wie Google, Facebook, Yahoo und Microsoft für die Weitergabe von Daten an den amerikanischen Geheimdienst NSA offenbar Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Um an Nutzerdaten zu kommen, muss die NSA nicht auf die Server zugreifen: Datenpakete mit Bezug zu Facebook oder Google können auch an anderer Stelle abgefangen werden.

Datenschutzrichtlinien

Gmail-Nutzer dürften keine „vernünftigen Erwartungen an die Privatsphäre auf dem Server“ stellen, teilte Google vor Kurzem einer US-Verbraucherschutzorganisation mit. Was bedrohlich klingt, ist in den Datenschutzbestimmungen geregelt, die jeder Nutzer bei Kontoeröffnung bestätigt. "Wir erfassen (...) Informationen über die von Ihnen genutzten Dienste und die Art und Weise, wie Sie diese nutzen". Die Daten werden mit dem Gmail-Account verknüpft, lassen sich also auf eine Person beziehen.  

Meine Persönlichkeit ist Gold wert

Laut den Marktanalysten von eMarketer liegt Googles weltweiter Anteil an Online-Werbung im Jahr 2012 bereits bei über 50 Prozent – Tendenz steigend. Google scannt den Inhalt von E-Mails, verfolgt und identifiziert die Nutzer seines Suchmaschinenangebots über Cookies und personalisiert  die Ergebnislisten von Suchanfragen. Zwei Personen können so bei gleichem Suchbegriff völlig unterschiedliche Ergebnisse erhalten – mit individuell auf sie abgestimmten Werbeanzeigen.

Big Data: Auch ich bin vorhersagbar

Laut IT-Branchenverband Bitkom geht es bei der Technik Big Data darum, große unstrukturierte Datenmengen, wie Tweets, Blogs, Texte und Fotos in eine „sinnvolle“ Form zu bringen. Echtzeit und die Berücksichtigung vieler verschiedener Formate ermöglichen das „Erkennen von Zusammenhängen, Bedeutungen, Mustern, Vorhersagen“. Wie genau die Internetkonzerne damit arbeiten, bleibt unklar. „Apple oder Google nutzen diese Möglichkeiten virtuos“, steht in einer Bitkom-Publikation.

Cloudpartner konnte mit seiner Strategie kürzlich einen Investor überzeugen, der etwa 1,5 Millionen Euro Wachstumskapital zur Verfügung gestellt hat. Zum „Start-up des Jahres 2013“ wurde Protonet gewählt. Die Hamburger Firma vertreibt einen kompakten Server, der auf Knopfdruck zur privaten Cloud für kleine Unternehmen wird.

Branchenvertreter warnen davor, sich auf dem derzeitigen Hoch auszuruhen. Konkurrenz droht etwa aus dem Nachbarland: Die Schweiz verfolge die gleiche Strategie, sagt Nöll. „Da gilt es, schnell zu sein.“ Der BVDS fordert, dass Hochschulen mit diesem Forschungsfokus ihre Expertise teilen und in Ausgründungen einbringen. Außerdem müssten Behörden und Mittelständler mutiger werden und bei innovativen Start-ups entsprechende Lösungen einkaufen, bemerkt Nöll.

Mehr Initiative von der Politik fordert der IT-Sicherheitsverband Teletrust. „Die jetzige Legislaturperiode bietet die Chance, verlorenes Terrain in der IT-Sicherheitstechnologie wiederzugewinnen und Deutschland im internationalen Kontext wegweisend aufzustellen“, schreibt der Verband. Dazu gehöre die Entwicklung einer vertrauenswürdigen Netzinfrastruktur, die wichtig sei für die Schaffung von sicheren Cloud-Technologien.

Dass das Interesse zunimmt, mit heimischen Standards zu werben, spürt der Verband deutlich: Um zwölf Prozent auf mittlerweile 86 Firmen ist die Zahl gestiegen, die das Zeichen „IT Security made in Germany“ tragen. Zu den Kriterien des Siegels gehören unter anderem eine Entwicklung der IT-Sicherheitslösung allein in Deutschland und die Verpflichtung, deutsche Datenschutzgesetze einzuhalten.

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