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27.08.2012

14:30 Uhr

De-Mail und E-Postbrief

Wann haben Stift und Brief ausgedient?

Neue Onlinebriefe sollen vertrauliche Kommunikation erlauben. Für Verbraucher sind die Angebote bislang nur wenig interessant. Anders sieht es bei Unternehmen aus, die Geld sparen können.

Werbung der Deutschen Post für den E-Postbrief. Die Konkurrent De-Mail startet zur IFA. dapd

Werbung der Deutschen Post für den E-Postbrief. Die Konkurrent De-Mail startet zur IFA.

BerlinDas Internet ist für die Mehrzahl der Menschen aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und dennoch kommen sie häufig um Stift, Briefmarke und den Gang zur Post nicht herum. Was in Zeiten von E-Mail und Facebook-Nachrichten fast anachronistisch wirken mag, ist in vielen Fällen notwendig. Abhilfe schaffen sollen Onlinebriefe: Nach langem Hin und Her starten zur Elektronikmesse IFA in Berlin nun die ersten Anbieter die sogenannte De-Mail für Privatkunden. Doch der Start dürfte weiter schleppend verlaufen - denn wirkliche Vorteile für Verbraucher bringt das System kaum.

"De-Mail ist verbindlich, bequem, sicher, Zeit und Kosten sparend", werben die Deutsche Telekom und der Internetanbieter 1&1, der wie GMX und web.de eine Tochter von United Internet ist, für ihren staatlich zertifizierten Onlinebrief. "De-Mail kombiniert die Vorteile des Internets mit denen schriftlicher Kommunikation", sagt Telekom-Chef René Obermann. Einen anderen Weg geht bislang die Deutsche Post: Sie bietet seit längerem den E-Postbrief an, der mit der De-Mail nicht kompatibel ist. Der Konzern wirbt damit, dass das eigene Angebot dafür viel mehr Funktionen habe. Trotzdem will die Post ab Ende des Jahres auch De-Mail anbieten.

De-Mail und E-Postbrief

Wer bietet Onlinebriefe an?

Zu unterscheiden sind derzeit zwei Modelle. Die Deutsche Post bietet bereits seit längerem den E-Postbrief an. Eine ganze Reihe anderer Anbieter startet nun mit der De-Mail. Die ist durch ein Gesetz geregelt, die Anbieter müssen bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen. Sie lassen sich beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizieren und werden von diesem überwacht. Bei beiden Modellen müssen sich die Kunden bei ihrer Registrierung identifizieren, beispielsweise per Postident-Verfahren bei der Deutschen Post oder mit dem Ausweis im Telekom-Laden.

Worin unterscheidet sich den Onlinebrief von der E-Mail?

Der Onlinebrief gibt etwas mehr Sicherheit als die einfache E-Mail. Durch die Identifizierung der Nutzer ist klar, von wem Onlinebriefe wirklich stammen. Zudem werden Onlinebriefe verschlüsselt durch das Internet geschickt. Auch sind De-Mails im Vergleich zu E-Mail zusätzlich geschützt, da häufiger Passwörter und - wie beim Onlinebanking - auf das Handy geschickte Transaktionsnummern (TAN) eingegeben werden müssen. Das Postfach und die Bedienung ist bei E-Mail und Onlinebrief aber sehr ähnlich.

Was sind die Vorteile eines Onlinebriefes?

Aufgrund der Verschlüsselung können per De-Mail behördliche wie geschäftliche Dokumente verschickt werden. Dazu zählen etwa amtliche, termingebundene Schreiben, bei denen bisher das Datum des Poststempels relevant ist. Auch die Korrespondenz etwa mit Bank und Versicherung ist per De-Mail möglich. Gegen Aufpreis gibt es De-Mail-Einschreiben, bei denen der Absender eine Zustellbestätigung erhält.

Kann ich anstelle von Briefen immer De-Mails schicken?

Nein. Die Sicherheitseinstellungen bei der De-Mail ersetzen keine eigenhändige Unterschrift - die sogenannte Schriftform. Und diese ist zum Beispiel noch zum Kündigen eines Mietvertrages notwendig. In vielen Fällen hingegen kann auf eine Unterschrift verzichtet werden. In diesen Fällen würde zwar auch eine E-Mail reichen. Um wirklich sicher zu sein, kann der Verbraucher hier aber ein De-Mail-Einschreiben verschicken: Damit kann er im Gegensatz zur E-Mail sicher sein, dass das Schreiben den Empfänger erreicht hat.

Wo liegen noch Schwierigkeiten?

Behörden und Unternehmen können ihre Post nun elektronisch an die Bürger schicken und Schreiben empfangen - ob sie es auch tun, bleibt ihnen aber freigestellt. Ein neues Gesetz soll aber zumindest Bundesbehörden künftig verpflichten, De-Mails anzunehmen. In diesen Fällen gilt der Onlinebrief dann sogar ohne Unterschrift. Für Verbraucher ein wenig undurchsichtig ist die Situation, weil E-Postbrief und De-Mail nicht kompatibel sind - die Deutsche Post will künftig aber auch den Versand von De-Mails anbieten.

Kostet das Versenden von De-Mails etwas?

Wie beim normalen Brief fällt auch bei der De-Mail Porto an. Bekannt sind bislang die Preise der Telekom: Bei ihr kostet eine De-Mail für Verbraucher 39 Cent. Die ersten drei Schreiben pro Monat sind kostenlos. Andere Anbieter dürften ähnliche Preismodelle vorlegen. Bei der Post hingegen kostet ein E-Postbrief genauso wie ein normaler Brief: 55 Cent. Sparen können Verbraucher aber allein deshalb zwischen acht und 15 Cent pro Schreiben, weil sie etwa kein Briefpapier, keinen Umschlag und keine Tinte verbrauchen.

E-Postbrief und De-Mail bieten den Kunden tatsächlich etwas mehr Sicherheit als E-Mails. Die Nutzer müssen sich bei der Einrichtung ihres Postfachs identifizieren - der Empfänger kann im Gegensatz zur leicht zu fälschenden E-Mail also relativ sicher sein, von wem ein Schreiben stammt.

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Trotzdem lohnten sich die neuen Angebote vor allem für Unternehmen und Behörden, die Briefe in großem Maß verschicken - wo also die Kosten für Papier, Briefumschläge und Druck neben dem Porto ins Gewicht fallen. "Für den privaten Nutzer ist das mit wenig Nutzen verbunden", sagt Michael Bobrowski vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Kommentare (3)

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Senegambia

27.08.2012, 16:17 Uhr

Ohne echte Ende-zu-Ende Verschlüsselung kann man den ganzen Kram in die Tonne treten, am besten mal [...] anschauen. Innovativ, aus Deutschland und sicher. Darüber sollten Sie mal schreiben und nicht immer wieder den DE-Müll aufwärmen. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Senegambia

28.08.2012, 10:05 Uhr

Aha, Werbung also, Aber dass Sie Monatelang über die DE-Mail berichten, das ist dann keine Werbung für ein Produkt, welches nur in Deutschland funktioniert, nicht sicher ist und nicht dem Postgeheimnis unterliegt? Schöne Doppelmoral.

J.Vogler

28.08.2012, 11:08 Uhr

Die De-Mail wird es nicht erst ab der ifa geben. Dies ist lediglich der Zeitpunkt, an dem die Telekom plant, ihre Dienst zur Verfügung zu stellen. Die FP-Tochter Mentana-Claimsoft bietet seinen Kunden die De-Mail Dienste bereits seit einem halben Jahr an. De-Mail-Kunden können entscheiden, ob sie ihre De-Mail Ende-zu-Ende verschlüsselt haben möchten oder nicht. Zudem sind die De-Mail und der ePostbrief nicht miteinander vergleichbar. Der ePostbrief ist kein rechtssicheres Mailverfahren. Er ist, im Gegensatz zur De-Mail, weder zum De-Mail Gesetz konform, noch ist eine Zertifizierung durch das BSI erfolgt. Jürgen Vogler, Produktmanager E-Business, Francotyp-Postalia


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