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12.03.2014

09:48 Uhr

Deep Web – ein Besuch

In den Abgründen des Internets

VonCharlotte Potts

Das Internet, das wir kennen, ist nur ein winziger Teil. Dahinter boomt das riesige Deep Web. Dort gibt es Waffen, Drogen oder Kinderpornos – anonym und ohne Kontrolle. Vor zwei Jahren wagte unsere Autorin einen Rundgang.

Anonym und oft illegal sind die Benutzer des DeepWebs unterwegs.

Anonym und oft illegal sind die Benutzer des DeepWebs unterwegs.

WashingtonEin Auftragsmörder kann jetzt per Mausklick angeheuert werden. In den USA ist die Dienstleistung mit 10.000 Dollar etwas günstiger als in Europa. Präzise und anonym soll es ablaufen, damit wirbt die Internetseite. Eine andere Plattform bietet Kokain und Crystal Meth an, so selbstverständlich wie Amazon Bücher. Alle Einkäufe können bequem vom Sofa aus bestellt werden, und mit nur wenigen Klicks landet die Ware im Briefkasten.

Das Deep Web macht möglich, was das uns bekannte Internet längst zensiert hat. Suchmaschinen zeigen uns nur einen winzigen Teil des World Wide Web, das sogenannte „Surface Web.“ Als Deep Web wird der Teil des Internets bezeichnet, der nicht von Google, Yahoo oder Bing erfasst wird.

Seriöse Zahlen über die Größe dieser digitalen Parallelwelt gibt es bislang keine. Experten schätzen die Ausmaße auf ein Tausendfaches des Inhalts an der Oberfläche. Den Großteil des unsichtbaren Netzes machen riesige Datenbanken wie etwa die der NASA, von Regierungen oder Museen aus. Ein anderer Teil sind kostenpflichtige Inhalte von Internetseiten wie Kataloge von Bibliotheken.

„Viele Firmen generieren ihre eigenen Inhalte für ihre Angestellten und Kunden und wollen diese Inhalte nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Diese Inhalte sind durch Passwörter geschützt, liegen irgendwo auf Servern und sind somit im weitesten Sinne Teil des Internets“, erklärt Software-Entwickler und Technologie-Experte Ben Hood. „Diese Inhalte sind für den normalen Nutzer unerreichbar.“

Andere Teile des unsichtbaren Netzes sind erstaunlich schnell erreichbar. Dafür muss der Nutzer kein Hacker oder Entwickler sein. Das „Tor“ zu diesen Teilen des Deep Web ist der gleichnamige Browser, der sich in nur wenigen Klicks ähnlich wie Mozilla oder Google Chrome auf dem Computer installieren lässt.

Tor ist die Abkürzung für „The Onion Router“ und die Zwiebel steht stellvertretend für die vielen Verschleierungsebenen, durch die alle Informationen permanent laufen. Während andere Suchmaschinen den direkten und effizientesten Weg durchs Internet wählen, durchlaufen die Informationen in Tor verschiedene Server-Verbindungsknoten auf der ganzen Welt. Statt .com oder .de öffnen Internetseiten in Tor sich auf die Endung .onion.

„Free Shipping“: Qualitativ hochwertige Passfälschungen bietet diese Website an. Screenshot

„Free Shipping“: Qualitativ hochwertige Passfälschungen bietet diese Website an.

Die ständig wechselnde IP-Adresse macht eine Identifikation der Nutzer nahezu unmöglich und garantiert ein hohes Maß an Anonymität. In geheimen NSA-Dokumenten, die durch den Whistleblower Edward Snowden im vergangenen Jahr ans Licht kamen, heißt es sogar: „Tor ist der König der Hochsicherheitsanonymität, und bislang gibt es keine weiteren Anwärter auf den Thron.“

Kommentare (6)

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12.03.2014, 09:59 Uhr

Überlegen wir mal was ein Advocatus diaboli dazu bemerken würde:
Will man, wie bei Google,lediglich ein paar Infos, will man auch nicht wissen, ob da 10 oder 20 Severfarmen eingesetzt werden, um die Info verfügbar zu machen.

Und: seit der NSA, so soll gelernt werden, ist garnichts mehr anonym.

Irgendwann wird sich HB-Online vor die Frage gestellt sehen was es eigtl will.

Immerhin: zur Antithese scheint man es bereits gebracht zu haben.

Umso interessanter, wie die Synthese da aussehehn könnte.

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12.03.2014, 11:11 Uhr

Schade. Da hat HB-online eine große Chance verpatzt.

TOR ist eine der wenigen Möglichkeiten, noch relativ privat zu surfen. All die Diskussionen über die kollektive Ausspähung im Hinterkopf hätte sich hier die Möglichkeit geboten, mal eine positiv ausgerichtete Werbung für die breitere Nutzung von TOR zu machen und Hilfe anzubieten, wie man es einfach anwendet. Denn TOR ist ein Beitrag zu unserer Privatspäre, wie ihn kein Anti-Spy-Abkommen je leisten kann. Wir brauchen keine solche Abkommen, sondern noch sicherere, leistungsfähigere und vor allem schneller TORs.

Wenn man den Tenor des Artikels auf unsere Briefpost übertragen würde, würde man wohl lesen, dass auch Briefe vor allem dazu genutzt würden, Illegales zu tun. Und damit eine Diskussion zur Abschaffung des Briefgeheimnisses anstoßen: Privatbriefe verbieten oder nur noch als behördlich abgespeicherten E-Brief zulassen.

Dann endlich wären wir völlig gläsern, überwachbar und manipulierbar.

Schöne neue Welt.



Account gelöscht!

12.03.2014, 11:30 Uhr

Also was wir brauchen ist mehr staatliche Kontrolle? Je lückenloser die Kontrolle, desto sicherererer sind wir alle? Ein starker Staat kann uns fürsorglich und liebevoll vor uns selber schützen? Schliesslich ist das christliche Abendland bedroht, wenn einer ein paar Pilze isst!

Wieviele Auftragsmorde sind denn *tatsächlich* ausgeführt worden? Wiviele Leben sind durch Drogen zerstört worden und wieviele durch den Krieg gegen Drogen?

Ich glaube es ist mal wieder an der Zeit, dass wir praktische Erfahrungen damit sammeln, was ein starker Staat bedeutet. Wir hatten im 20. Jahrhundert ja 3 starke Staaten auf deutschem Boden. Aber das ist wohl zu lange her.

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