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02.03.2004

18:56 Uhr

Die meisten Adressen werden weiterverkauft

Viele Laute um nichts

VonTanja Kewes

Die deutsche Registrierungsstelle für Internet-Adressen, Denic, war dem Ansturm auf die neuen Domain-Adressen trotz zusätzlicher Kapazitäten nicht gewachsen. Nur wenige Minuten nach dem Start der neuen Umlaut-Adressen brach am Montag die Technik zusammen.

DÜSSELDORF. Denn unabhängig davon, wie viele Schröders es gibt und wie wichtig ein einzelner ist, im Internet kann es die Adresse www.schröder.de nur einmal geben. Seit Montag, 10 Uhr MEZ, gingen bei Denic rund 600 000 Anfragen ein. Nach dem Fehlstart läuft die Arbeit bei den Frankfurter Registratoren jetzt wie am Schnürchen - mehr als 50 000 Seiten wurden innerhalb der ersten 24 Stunden registriert.

In der Praxis werden die neuen Domains vorerst kaum eine Rolle spielen. Der mit mehr als 90 Prozent Marktanteil wichtigste Browser, der "Internet Explorer" von Microsoft, kann die neuen Adressen noch nicht darstellen. Nur "Netscape", "Mozilla", "Opera" und andere weniger weit verbreitete Browser können mit Umlauten in Domainnamen umgehen. Auch E-Mails mit Umlaut-Adressen können zum Problem werden.

Einen weiteren Haken hat der neue Standard IDN (Internationalized Domain Names), der auch nationale Sonderzeichen ermöglichen soll: Außerhalb des deutschsprachigen Raums existieren kaum Tastaturen mit den Buchstaben "ä", "ö" und "ü".

Das Wettrennen um die begehrtesten Namen wie "schröder.de" und "börse.de" gewannen die professionellen Anbieter. Mehr als 70 % der gerade erst eingeführten Umlaut-Adressen wurden von ihren Besitzern nicht für eigene Zwecke gebucht, sondern sollen weiterverkauft werden. Das hat der Domainspezialist Sedo.de in einer Ad-hoc-Studie ermittelt. Schon Wochen vor dem Stichtag 1. März hat die Erweiterung der Internet-Zeichen zu einem Boom bei den deutschen Webseiten-Providern geführt. Allein beim Berliner Unternehmen Strato lagen weit mehr als 100 000 Vorbestellungen vor.

Bislang waren für Internet-Domains ausschließlich Zeichen aus der so genannten ASCII-Tabelle erlaubt. Im American Standard Code for Information Interchange werden englische Buchstaben als Zahlen dargestellt. Für Deutschland und Österreich kommen dank IDN 92 Buchstaben hinzu, für die Schweiz 31. Auf das "ß" müssen die Deutschen weiter verzichten. In Deutschland und der Schweiz sind die IDNs am 1. März gestartet, in Österreich ist der 31. März 2004 Registrierbeginn. Auch Franzosen, Schweden und Dänen profitieren von der Erweiterung, da die 92 zusätzlichen Zeichen auch die Betonungsstriche im Französischen und die Umlaute der skandinavischen Sprachen berücksichtigen.

Verisign bietet im Internet ein Update an, welches den Internet Explorer fit für die neuen Umlaut-Domains macht: www.idnnow.de.

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