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03.01.2005

09:47 Uhr

Dienstleister für Video-Konferenzen startet in Hamburg

Online-Kongresse sollen salonfähig werden

VonChris Löwer (Handelsblatt)

Statt auf verspätete Flüge zu warten, könnten sich die Zuhörer vor dem Vortrag noch einen Kaffee holen. Statt am Eingang anzustehen, würde sich jeder im Stuhl zurücklehnen. Neue Dienstleister wie die Bayern Innovativ GmbH oder der Videokonferenz-Anbieter Conference-TV wollen Online-Konferenzen und -Kongresse endlich zum festen Bestandteil des Geschäftslebens machen. Beide haben ganz unterschiedliche Motive.

HB BERLIN. Bayern Innovativ, vom Land Bayern Mitte der neunziger Jahre gegründet und teilweise durch öffentliche Mittel finanziert, hat ohnehin die Aufgabe, für die Verbreitung neuer Technologien zu sorgen. Die wichtigsten Beiträge ausgewählter Treffen und Symposien können Interessierte daher im Internet herunterladen. Unter der Rubrik „Kongress TV“ der Webseite www.bayern-innovativ.de finden sich auch Fernsehsendungen, die im Anschluss an die Veranstaltungen des Forums erschienen sind.

„Bisher konnten sich nur Teilnehmer anhand des Tagungsbandes in Ruhe mit einzelnen Beiträgen beschäftigen“, sagt Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH. Nun sind die Inhalte einer breiten Masse zugänglich – die Gesellschaft wird ihrer Aufgabe, Technologien zu verbreiten, sehr viel besser gerecht.

Anbieter Nummer Zwei, Conference-TV, hat dagegen handfeste Geschäftsinteressen. Der nach eigenen Angaben „erste Provider für professionelle Videokonferenzen in Deutschland“ ist seit einigen Wochen online und veranstaltet Video- Konferenzen als Dienstleister.

Das heißt: Die gesamte Technik, von den Leitungen über Hard- und Software bis zum Support, wird zur Verfügung gestellt. Abnehmer zahlen eine Anschluss- und eine Grundgebühr sowie einen Minutenpreis von derzeit 69 Cent.

Technisch sind beide Angebote unproblematisch. Bereits mit einem ISDN-Anschluss lässt sich eine gute Bildqualität erreichen. Mit einer DSL-Verbindung haben die Inhalte im Großbild Fernsehqualität. Um besseren Schutz gegen Hacker und Viren zu bieten, will Conference- TV überdies bei den Kunden einen eigenen ISDN-Anschluss verlegen.

„Mit Conference-TV eröffnen wir kleinen und mittelständischen Unternehmen die Vorteile der Videokommunikation“, wirbt Geschäftsführer Daniel Debes. Bis zu sechs Teilnehmer können in einer Konferenz miteinander verbunden werden. Bei Bedarf erscheinen zudem Charts oder Details von Werkstücken. Das Interesse sei groß, heißt es bei dem Hamburger Unternehmen. Konkrete Nutzerzahlen nennt Conference-TV jedoch nicht.

Das Angebot „Kongress-TV“ haben nach Angaben von Bayern Innovativ in zwei Jahren mehr als 300 000 Interessierte genutzt. Dabei werden nur jene User erfasst, die den kostenlosen Dienst mindestens eine Viertelstunde gebrauchen. Besonders begehrt sind Inhalte rund um die Automobilbranche und den Maschinenbau, sagt Bayern- Innovativ-Geschäftsführer Nassauer. Künftig will er sein Angebot auf naturwissenschaftliche Inhalte aus dem englischsprachigen Raum erweitern. Neben dem besseren Zugang zu Konferenz-Inhalten hat er mit der Zeit einen weiteren Vorteil der Online-Kongresse ausgemacht: „Die Referenten bereiten sich besser vor, weil sie wissen, dass ihre Beiträge mindestens ein Jahr im Netz stehen.“

Vom Sparkurs profitieren Hohe Kosten: Klassische Videokonferenzsysteme von Herstellern wie Polycom oder Tandberg können je nach Ausstattung mit Lautsprecherboxen, Fernbedienung und Kameras mehrere zehntausend Euro kosten. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen schrecken vor der Investition zurück.
Großes Potenzial: Nach Angaben von Umweltschützern können Unternehmen bis zu 20 Prozent ihrer Reisekosten sparen, wenn Mitarbeiter sich verstärkt virtuell treffen. Die Beratung Frost & Sullivan erwartet, dass die Umsätze mit Videokonferenzlösungen in Europa bis zum Jahr 2008 auf 125,4 Mill. Dollar steigen.

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