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08.01.2010

11:14 Uhr

Digitale Bibliothek

Samsung kooperiert mit Google künftig bei E-Büchern

VonHans-Peter Siebenhaar

Samsung und Google wollen gemeinsam den digitalen Buchmarkt revolutionieren. Mit neuen E-Book-Readern sollen Nutzer künftig gratis auf Inhalte aus der digitalen Bibliothek des US-Internetkonzerns zugreifen können. Die europäische Buchbranche ist empört.

Konkurrenz für Kindle&Co: Samsung und Google wollen den E-Book-Markt erobern. ap

Konkurrenz für Kindle&Co: Samsung und Google wollen den E-Book-Markt erobern.

DÜSSELDORF. Der Unterhaltungselektronikkonzern Samsung greift zusammen mit dem Internetkonzern Google den wachsenden Markt der elektronischen Bücher an. Samsung stellte auf der Branchenmesse CES in Las Vegas zwei Lesegeräte vor, eines mit einem Bildschirm von sechs und eines mit einem von zehn Zoll Bilddiagonale. Mit diesen E-Books kann der Nutzer auf die Internetbibliothek von Google Books zugreifen und sich kostenlos Bücher und Texte herunterladen.

In der deutschen Buchbranche ruft die Google-Kooperation Empörung hervor. "Das ist ein Wortbruch", sagt Boris Langendorf, langjähriger Branchenexperte. "Das ist die Abkehr vom Versprechen, den Verlagen nicht ins Handwerk zu pfuschen." Die deutschen Verlage stehen dem Digitalisieren von "verwaisten" Büchern durch Google fast ausnahmslos ablehnend gegenüber.

Im monatelangen Streit über das Einscannen vergriffener Bücher hatte der Internetkonzern einen Vergleich gefunden, der nur für amerikanische, kanadische und britische Bücher gilt. Google Books sucht derzeit das Gespräch mit den Verlagen in Europa. Der US-Konzern verteidigt das Einscannen von Büchern mit dem Hinweis, das Wissen der Welt jedermann zugänglich zu machen. Google war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mit den neuen E-Books will Samsung den Konkurrenten Marktanteile abjagen. Der Internethändler Amazon mit seinem Kindle sowie der Unterhaltungskonzern Sony dominieren den Markt der elektronischen Bücher. Ähnlich wie beim Kindle und dem Sony-Reader arbeitet Samsung mit der "E-Ink"-Technik. Mit den Geräten kann der Nutzer über Bluetooth und WLan online gehen.

Amazon verkaufte nach Unternehmensangaben den sechs Zoll großen Kindle seit Oktober 2009 in über 130 Länder. Der weltgrößte Interneteinzelhändler bietet ab 19. Januar die größere Variante seines elektronischen Lesegeräts auch außerhalb der USA an. Das Gerät ist mit einem Bildschirmdurchmesser von fast zehn Zoll deutlich größer als das alte.

Im März wird der Computerhersteller Apple einen mit Spannung erwarteten Tablet-Computer namens iSlate (Schiefertafel) anbieten. Die Verlage von Zeitschriften und Zeitungen erhoffen sich durch den handlichen Computer neue Vermarktungsmöglichkeiten für ihre Inhalte.

Noch aber ist der Markt der E-Books überschaubar. Branchenexperte Langendorf rechnet in drei bis vier Jahren mit einem Marktanteil von fünf bis zehn Prozent. Der amerikanische Online-Wirtschaftsdienst "Daily Finance" legte jüngst ein Beispiel vor: Ein Bestseller-Autor verkaufte im ersten Halbjahr 2009 von seinem neuesten Buch als gebundene Ausgabe 76 000 Stück. Im gleichen Zeitraum wurden nur 4 764 E-Books verkauft.

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