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03.03.2006

09:00 Uhr

Digitale Funktechnik

Wimax soll die Lücken schließen

VonMarkus Göbel
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Funktechnik Wimax soll schnelles Internet in jeden Winkel Deutschlands bringen. Die Lösung für ein drängendes Standortproblem?

Wimax soll schnelles Internet in jeden Winkel Deutschlands bringen.

Wimax soll schnelles Internet in jeden Winkel Deutschlands bringen.

DÜSSELDORF. Wenn Daniel Prusseit einen schnellen Internetanschluss braucht, muss er sich eine halbe Stunde in die U-Bahn setzen. Der 26-jährige Java-Programmierer packt seinen Laptop und fährt mit der Linie 2 von seiner Wohnung in Berlins größtem Stadtbezirk Pankow zum Sony Center auf dem Potsdamer Platz, wo hunderte Touristen täglich am kostenlosen WLAN-Hotspot ihre E-Mails checken. Manchmal muss er auch mehrmals am Tag fahren, weil die Deutsche Telekom ihm zu Hause keinen schnellen Internetzugang per DSL installieren kann. Bereits fünfmal hat er den Anschluss beantragt, doch er wird immer wieder vertröstet.

Auf die unfreiwilligen Bahnfahrten kann Prusseit bald verzichten. Noch in diesem Jahr will der Funkspezialist Maxxtelekom den bislang nicht mit schnellen Internetanschlüssen versorgten Stadtteil in der Hauptstadt per Funk erschließen. "Pankow ist Internet-Notstandsgebiet", sagt Bastian Bausenhardt, Vertriebsleiter des Netzwerk-Unternehmens Systemhaus Fischer.

Im Auftrag von Maxxtelekom installiert das Unternehmen drahtlose Internetzugänge mit der neuen Funktechnik Wimax und markiert jedes versorgte Haus durch ein Schild "Internet über Funk ist hier verfügbar".

Möglicher Ersatz für klassischen DSL-Anschluss

Maxxtelekom setzt auf eine neue Technik, die schon bald den klassischen DSL-Anschluss ersetzen kann. Wimax, das Kürzel steht für Worldwide Interoperability for Microwave Access, überbrückt die letzte Meile drahtlos. "Wimax ist Luft gewordenes Kupfer", schwärmt Harald Stöber, Vorstandschef des Telefon- und Internetanbieters Arcor, der die neue Übertragungstechnik in einem Pilotprojekt in Kaiserslautern testet. Sogar die Deutsche Telekom tastet sich an die neue Funktechnik heran. 100 Haushalte im Großraum Bonn testen bis Ende März, ob Wimax eine Alternative zum DSL-Anschluss sein kann.

Wimax könnte das größte Infrastrukturproblem des Digitalzeitalters lösen.

Über drei Millionen Haushalten in Deutschland fehlt derzeit der Anschluss an das schnelle Internet. Der Grund: Nach 1990 modernisierte die Deutsche Telekom einige Ortsnetze mit Glasfaserkabeln. Was damals als hochmodern galt, erweist sich heute als schwerer Nachteil. Denn DSL funktioniert nur auf Kupferkabeln. Wie im Berliner Stadtbezirk Pankow: Während in den Nachbarbezirken die Berliner mit bis zu 20 Megabit pro Sekunde per DSL durch das Internet rasen, kriecht in Pankow die Mehrheit der Haushalte mit ihren Modems fast 400 mal langsamer bei 56 Kilobit pro Sekunde.

Unternehmen entsteht daraus ein echter Wettbewerbsnachteil. "Wir zahlten bisher jeden Monat bis zu 300 Euro für den Internetzugang per Telefon", sagt Marco Knoblauch, Geschäftsführer der Maklerfirma Eurix Immobilienservice und des Finanzdienstleisters Versix. Seit fünf Jahren ruft er regelmäßig bei der Telekom an und fragt, wann er endlich angeschlossen werden kann. Jeden Freitag lag sein Server acht Stunden lang lahm, weil er Updates für seine Finanz-Software herunterladen musste.

Knoblauch hatte sich deswegen schon entschieden, die Firma mit elf Angestellten nach Berlin-Mitte zu verlegen.

Die Umzugspläne sind wieder in der Schublade verschwunden. Seit Dezember funkt Wimax, und Knoblauch unterschrieb einen neuen Mietvertrag. Fürs Internet zahlt er jetzt nur noch eine Flatrate zu 43,99 Euro - und spürt kaum einen Unterschied zum schnellen DSL-Anschluss.

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