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13.04.2006

12:44 Uhr

Digitale Immobilienspekulanten

Online-Spieler kassieren reale Euro

VonAxel Postinett

Wenn Spielewelten und reales Wirtschaftsleben verschmelzen, schlägt die Stunde der virtuellen Grundstücks-Spekulanten.

DÜSSELDORF. Es war offenbar ein gutes Geschäft. In nur einem Jahr konnte der Investor "Deathifier" die rund 14 000 britischen Pfund, die er in den Kauf einer Insel investiert hatte, durch erste Grundstücksverkäufe und die Vergabe von Schürfrechten und Pachten wieder hereinholen. Ab jetzt wird verdient. Sein paradiesisches Eiland liegt jedoch nicht in der Karibik, sondern existiert auf einem Server irgendwo im World Wide Web, auf dem "Entropia Universe" läuft (http://www.entropiauniverse.com), ein digitales Spieler-Universum mit realer Geld-Wirtschaft.

Die bislang gut 300 000 Teilnehmer haben 2005 laut Betreiber rund 160 Millionen Dollar in ihrem zweiten Leben umgesetzt - mit Möbelkäufen, Geschäftseinrichtungen oder Immobilienspekulationen.

Entropia ist ein "Massive Multiplayer Online Game" (MMOG), bei dem die Teilnehmer eine virtuelle Persönlichkeit im Internet aufbauen und über Jahre "leben". Sie bauen Häuser, erlernen einen Beruf, finden Freunde und verteidigen ihre Welt gegen Angreifer, egal ob aus dem All oder aus der Nachbarstadt.

Eine der bekanntesten Lebens-Simulationen ist "Sims Online". Die Spieler leben in einer Stadt, gründen Familien, Unternehmen, treffen Entscheidungen, die sie glücklich und reich oder arm und krank machen können. Wie im echten Leben. In der Regel werden für die Mitgliedschaft in einer solchen Online-Gemeinschaft monatliche Abonnement-Gebühren von ca. 5 bis 15 Euro fällig. Wer nicht mehr zahlt, "stirbt" den digitalen Tod. Je stärker sich ein Spieler um seine Figur kümmert, desto größer die Chancen, ein glückliches digitales Leben zu führen. Bei Spielen wie "Sims" basieren die Charaktäre auf einer menschlichen Gesellschaften. Andere Universen sind reine Phantasiewelten mit Elfen, Monstern und Kriegern.

Dieses Spielegenre wird nach Meinung von Spiele-Managern wie Christoph Gerlinger von Frogster Interactive "eine völlig neue Form von Entertainment" schaffen und dem Fernsehen Konkurrenz machen. "Egal ob 'Big Brother' oder 'Sex in the City'", so Gerlinger, "jedes TV-Format lässt sich auf diese Spiele übertragen." Frogster hat sich eigens an der OnlineWelten GmbH beteiligt, die eine Internetseite (http://www.onlinewelten.com) nur mit Informationen für Onlinerollenspieler bereithält, um eine Expansion in den Markt zu testen.

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