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01.02.2012

14:40 Uhr

Digitalradio DAB+

Herausforderer mit Entwicklungspotenzial

VonCaroline Lindekamp

Vor einem halben Jahr ging der Digitalradiostandard DAB+ an den Start. Zwar wurden die Erwartungen der Veranstalter übertroffen, von einer Reichweite vergleichbar mit der von UKW ist DAB+ aber noch weit entfernt.

Das Digitalradio verspricht bessere Tonqualität. dpa

Das Digitalradio verspricht bessere Tonqualität.

KölnAufbruch zu neuen Ufern: Vor einem halben Jahr startete der neue Digitalradiostandard DAB+ (Digital Audio Broadcasting) in Deutschland - angepriesen als "Radio der Zukunft". Die neue Technologie verspricht gute Klangqualität ähnlich wie von einer CD. Anders als im UKW-Netz sind die einzelnen Programmfrequenzen nicht nebeneinander angeordnet, sondern liegen gebündelt auf einer Frequenz. Lästiges Rauschen, wenn sich die Sender gegenseitig stören, soll dem Hörer so erspart bleiben.

Verlässliche Daten, wie die Nutzer die neue Radiotechnologie bewerten, gibt es noch nicht. Der Nachfrage nach Radios ist die Einführung von DAB+ am 1. August jedenfalls bekommen, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) festgestellt hat. Innerhalb kürzester Zeit schoss die Nachfrage nach oben - auch, weil die Industrie das Angebot an entsprechenden Endgeräten rasch ausbaute: vom Winzling im Hosentaschenformat über Autoradios, portable Geräte bis hin zu HiFi-Anlagen und Radioweckern. Laut GfK bieten inzwischen über 65 Prozent der Elektrogeschäfte Digitalradios an.

„Für uns lief die Einführung viel positiver als wir es uns erträumt hätten“, sagt Christoph Homberg, Inhaber und Geschäftsführer des Unterhaltungselektronik-Spezialisten Dual. Das erste Kontingent an DAB+-Radios sei so schnell ausverkauft gewesen, dass der Hersteller  von Unterhaltungselektronik Geräte einfliegen ließ, um das Weihnachtsgeschäft zu bestücken. Zwar sei er mit Prognosen vorsichtig, so Homberg. Aber nach über 30.000 verkauften Radios 2011 rechnet er in diesem Jahr mit einer Planmenge von 100.000.

Insgesamt werden den Prognosen von Konsumforschern zufolge 2012 mindestens eine Million Digitalradios über die Ladentische gehen, so Roland M. Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik. Im Vergleich zu den UKW-Radios ist das verschwindend wenig: Deren Zahl beläuft sich in Deutschland auf 300 Millionen.

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Doch der Erfolg von DAB+ lasse sich nach so kurzer Zeit nicht an dem Endgeräteabsatz messen, meint Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Digitalradio GmbH Helmut G. Bauer. Auch die Umstellung von Mittelwelle auf UKW ging nicht von einem auf den anderen Tag vonstatten und der UKW-Markt in Deutschland sei stark. Bauer ist überzeugt: „Das Radio braucht die digitale Weiterentwicklung und kann nicht die letzte analoge Insel bleiben.“

Kommentare (4)

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Freiburger

03.02.2012, 19:48 Uhr

In diesem Artikel kommen ausschließlich Personen zu Wort, die in irgend einer Form an DAB verdienen. Entsprechend positiv gefärbt ist der Artikel.
Unerträglich ist jedoch die Forderung von DAB Lobbyist Bauer, dass "in Brüssel für die Verbreitung von hybriden Endgeräten einzutreten. Ähnlich wie Fernseher eine digitale Schnittstelle haben müssen, sollen Radios sowohl DAB+ als auch UKW und andere Standards empfangen können."
Das heißt auf deutsch übersetzt, dass nicht die Kunden entscheiden, welchen Gerätetyp sie kaufen, sondern die Kunden sollen gezwungen werden, sich ein teures DAB Gerät zu kaufen, auch wenn sie mit UKW völlig zufrieden sind oder die große Vielfalt eben nicht per DAB (denn da gibt es keine) sondern per Webradio empfangen wollen.
Beim Fernseher geht es darum, dass die Kunden über den HDMI Anschluss beliebige Geräte (Receiver, Blueray etc.) anschließen können. Ein DAB Einbauzwang wäre daher nicht vergleichbar sondern genau das Gegenteil vom TV Bereich.
Wer DAB will, soll sich das zulegen, wer nicht, soll auch nicht dazu gezwungen werden. Das wäre keine Marktwirtschaft mehr sondern Zwangsbeglückung! Dass das der DAB Lobbyist will, ist klar. Hiervon sollte sich das Handelsblatt aber distanzieren!

TiLa

07.02.2012, 17:37 Uhr

Für Baden-Württemberg und andere Bundesländer könnte das mit der Vielfalt im UKW-Band noch gelten. Hier im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen empfängt man allerdings neben den Sendern des WDR bloß eine private Lokalwelle. Selbst der Deutschlandfunk kommt hier nicht flächendeckend störungsfrei in die UKW-Radios. Im Raum Aachen gilt das gleiche für Deutschlandradio Kultur.

wurzel

10.02.2012, 16:11 Uhr

Erfolg oder Misserfolg des - technisch gegenüber analogem UKW in jeder Hinsicht überlegenen - neuen Sendestandards hängt vor allem von der Bereitschaft des Senderbetreibers Mediabroadcast ab, einen nennenswerten Teil des enormen Betriebskostenvorteils an die Programmanbieter weiter zu reichen. Spätestens dann werden die Geschäftsführer der jetzt noch zögernden regionalen und lokalen Sender die Ohren spitzen. Und was die 300 Millionen analogen UKW-Radios in Deutschland angeht: Davon sind geschätzte 250 Millionen, wenn nicht mehr, ungenutzte (oft minderwertige) Tuner in Ghettoblastern, Kompaktanlagen, Hifi-Türmen, Weckern und Küchenuhren. Kann man getrost vergessen. Insofern ist 1 Mio Endgeräte für die aktive Radiohörergemeinde in einem Jahr durchaus eine beachtliche Ziffer.

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