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29.07.2014

10:36 Uhr

Doom

Ein bisschen wie Alice Cooper

VonRoland Austinat
Quelle:Handelsblatt Live

ID Software hat den neuesten Teil der Doom-Serie vorgestellt. Wie die Vorgänger setzt das Spiel auf schicke Grafik, schnelle Action und eine kräftige Prise Gewalt - und ist dabei herrlich altmodisch.

Doom (2015): Haushohe Dämonen, Mutanten und kybernetische Kreaturen lauern in der neuen Doom-Episode. Handelsblatt Live

Doom (2015): Haushohe Dämonen, Mutanten und kybernetische Kreaturen lauern in der neuen Doom-Episode.

San FranciscoVor 20 Jahren schob die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien - kurz: BPjM - Dämonenkillern einen Riegel vor: Der kurz vor Weihnachten 1993 erschienene 3D-Shooter „Doom“ vom texanischen Entwickler ID Software landete auf dem Index. Von nun an durfte er weder beworben noch an Personen unter 18 Jahren verkauft werden. Der Grund: „Das Spiel setzt mit seiner spekulativen, effektheischenden Aufbereitung blutiger Metzel-Szenen im Wesentlichen auf ein beim potentiellen Nutzer vermutetes voyeuristisches bzw. sadistisches Interesse“, so die BPjM.

Jeder Doom-Spieler hätte da widersprochen - ging es doch im auf vier 3,5-Zoll-Disketten ausgelieferten Spiel primär darum, heranstürmende Gegner in einer Raumstation auf dem Mars so schnell wie möglich auszuschalten. Für ein voyeuristisch-genüssliches Niedermetzeln blieb da gar keine Zeit.

Obendrein richteten sich die Entwickler bewusst an Erwachsene, was damals auch Redakteur Heinrich Lenhardt in der Fachzeitschrift PC Player betonte: „Doom ist kein Kinderspiel und für sensible Naturen definitiv zu deftig.“

Neben schneller Action mit Schrotflinte, Kettensäge und Co. setzte Doom auch technisch neue Maßstäbe. So pries Lenhardts Kollege Boris Schneider den „intelligenten Levelaufbau“, die "beeindruckende Grafik" und den „genialen Netzwerk-Modus“. Zur Erinnerung: Seinerzeit gab es noch keine dedizierten Grafikchips, die heute selbst in Smartphones für das schnelle Zeichnen polygonbasierter Welten zuständig sind. Dooms Grafikroutinen waren jedoch so gut, dass ID Software nur zehn Monate später einen Nachfolger veröffentlichte - der wenige Wochen darauf ebenfalls auf dem Index landete.

Dämonen und Mutanten den Garaus machen

Ganze zehn Jahre sollte es dauern, bis mit Doom 3 eine zeitgemäße Neuinterpretation des ersten Teils erschien - jetzt auch mit dem Spieler wohlgesonnenen Charakteren und Horror-Elementen wie aus dem Dunkeln hervorspringenden Monstern. Am eigentlichen Spielprinzip hatte sich nichts geändert: Noch immer galt es, mit einem reichhaltigen Waffenarsenal Dämonen und Mutanten den Garaus zu machen.

Obwohl manche Kritiker dieses Spielprinzip als altmodisch kritisierten, verkaufte sich Doom 3 über 3,5 Millionen Mal. 2012 kam es in einer leicht verbesserten Version als Doom 3 BFG Edition erneut auf den Markt - inklusive der ersten zwei Serienteile. Sogar in Deutschland, denn im Herbst 2011 hatte die BPjM die Serie auf Antrag des Herstellers nach 17 Jahren vom Index genommen. Das Pixelblut sei „nach heutigen Maßstäben weder als detailliert noch als realistisch/realitätsnah einzustufen“, die dargestellten Aktionen seien ungeeignet, „heutigen Minderjährigen als Vorbild für reale Handlungsmuster zu dienen“.

Auf der jährlichen Fan-Veranstaltung QuakeCon im texanischen Dallas hat ID Software nun die vierte Doom-Episode vorgestellt, schlicht Doom genannt. 21 Jahre nach dem ersten Teil dürfte das Spiel erneut für einige hochgezogene Augenbrauen sorgen, wenn es im kommenden Jahr auf den Markt kommt. Einmal mehr schlüpft der Spieler darin in die Rolle eines Space Marines, der eine Forschungsstation auf dem Mars von darin umhermarodierenden Dämonen und kybernetischen Kreaturen säubern muss.

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