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26.12.2016

13:06 Uhr

DVB-T2 HD

Wie Zuschauer den Blackout verhindern

VonChristof Kerkmann

Die Werbung klingt wie eine Drohung: Wer nicht bald aufs neue Antennenfernsehen DVB-T2 HD umstellt, bei dem bleibt der Bildschirm schwarz. Tatsächlich sollten sich Zuschauer Gedanken machen – auch über Alternativen.

DüsseldorfIn diesen Tagen bleiben viele Fernseher schwarz – zumindest für ein paar Sekunden. „Ihr Bild ist bald weg“, warnt ein Werbespot: „DVB-T wird abgeschaltet!“ Die Firma Freenet fordert damit die Zuschauer auf, möglichst schnell auf DVB-T2 HD umzurüsten, den neuen Standard fürs Antennenfernsehen, der in vielen Regionen ab Ende März ausgestrahlt wird.

Es besteht kein Grund, in Panik zu verfallen. Mit der dramatischen Botschaft will die Firma das Geschäft ankurbeln – gerade in der Weihnachtszeit sitzt das Geld für Elektronik locker. Dennoch ist es sinnvoll, dass sich Zuschauer, die über Antenne fernsehen, bald Gedanken machen.

Denn wer zu lange wartet, könnte nach der Umstellung tatsächlich kurzzeitig ohne Bild dastehen: „Wir befürchten, dass es im März nicht genügend Geräte gibt“, sagt Wolfgang Breuer, Chef der Firma Media Broadcast, die seit März zu Freenet gehört. Gedanken machen bedeutet aber auch, über Alternativen nachzudenken, ob Satellit, Kabel oder Internet.

Was Sie zu DVB-T2 HD wissen müssen

Wer nutzt noch Antennenfernsehen?

Das Fernsehsignal erreicht den Bildschirm auf unterschiedlichen Wegen: Per Satellit, Kabel und Internet, aber auch immer noch per Antenne. 3,8 Millionen Haushalte in Deutschland empfangen DVB-T, mit leicht sinkender Tendenz. Das entspricht von einem Marktanteil von 9,7 Prozent. Hinzu kommen Computer und Tablets, die sich mit einem USB-Stick aufrüsten lassen.

Wofür steht überhaupt DVB-T und DVB-T2 HD?

Die technisch klingende Abkürzung bedeutet „Digital Video Broadcasting“, das T steht für „terrestrial“. Auf Deutsch: DVB-T bezeichnet die digitale Ausstrahlung von Videobildern über Antenne. DVB-T2 HD ist der Nachfolgestandard – das HD steht für „High Definition“, also eine hohe Bildauflösung.

Wie viele Programme sind im Angebot?

Bislang sind in den Kerngebieten 24 Sender im SD-Format verfügbar. Außerhalb der Kerngebiete ist das Programm allerdings eingeschränkt. Künftig sollen Zuschauer bis zu 45 Sender empfangen können, ein Teil davon in der hochauflösenden HD-Qualität.

Welche Sender gibt es künftig?

Verfügbar sind zum einen die öffentlich-rechtlichen Programme. Zum anderen wollen die beiden großen TV-Gruppen den Standard DVB-T2 unterstützen. Die Mediengruppe RTL geht davon aus, alle bestehenden HD-Sender über das neue DVB-T anbieten zu können: RTL, Vox,  n-tv, RTL Nitro, Super RTL und RTL II. Pro Sieben Sat 1 will alle sechs kostenlosen Sender in HD-Qualität zur Verfügung stellen: Pro Sieben und Sat 1, dazu Kabel eins, Sixx, Sat 1 Gold und Pro Sieben Maxx.

Wo sind die privaten Sender verfügbar?

Derzeit können 50 Prozent der Haushalte private Fernsehsender über DVB-T empfangen. Die Abdeckung soll sich mit dem Nachfolgestandard auf bis zu 80 Prozent verbessern. Ob der eigene Wohnort im Sendegebiet liegt, können Nutzer online auf der Website dvb-t2hd.de überprüfen.

Was müssen Zuschauer zahlen?

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind frei empfangbar. Um das ganze Paket inklusive der Privatsender sehen zu können, müssen Zuschauer 5,75 Euro im Monat zahlen. Hinzu kommen die Kosten für die Umrüstung der Technik – Receiver gibt es für weniger als 50 Euro.

Welche Zusatzdienste gibt es?

Der Betreiber Media Broadcast erweitert das Angebot an TV-Sendern per Antenne mit Angeboten aus dem Internet, die direkt in der Senderliste erscheinen. Dazu zählen etwa einige Mediatheken und ein intelligenter Programmführer, außerdem einige zusätzliche Kanäle. Zumindest mit einem Teil der Fernseher und Receiver können Zuschauer darauf zugreifen.

Was für Antennen werden benötigt?

Wer bereits über DVB-T fernsieht, kann die Antenne weiterhin verwenden. In den Ballungsräumen reicht oft schon ein kleines Gerät im Wohnzimmer aus, bei schlechterem Empfang ist eine Außenantenne empfehlenswert. Dank der technischen Verbesserungen dürften sich die Empfangseigenschaften verbessern.

Welche Receiver sind geeignet?

Zuschauer benötigen für DVB-T2 HD einen Receiver, für die künftig kostenpflichtigen Privatsender außerdem ein Entschlüsselungsmodul. Das grüne Symbol gewährleistet, dass das Gerät die Signale dekodieren kann, für RTL, Sat.1 & Co. ist aber teils noch eine CI+-Modul zur Entschlüsselung notwendig. Bei Geräten mit dem Freenet-TV-Logo ist diese Funktion bereits integriert. Ein Empfangsmodul für DVB-T2 HD haben einige neue Fernseher bereits ab Werk.

Der Name deutet es an: DVB-T2 HD ist eine Weiterentwicklung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Mit dem neuen Standard ist es möglich, Bilder im hochauflösenden HD-Format zu übertragen – anders als bei Satellit, Kabel und Internet-TV geht das per Antenne bislang nicht. Zudem werden künftig mehr Programme angeboten. Auch etliche Privatsender sollen verfügbar sein, wenn auch gegen Gebühr.

Die Einführung des neuen Standards steht schon länger fest. Bereits vor der Fußball-Europameisterschaft im Sommer begann in etlichen Ballungsräumen der Testbetrieb, seitdem können Zuschauer dort mit den richtigen Geräten das Antennenfernsehen scharf stellen. Am 29. März erfolgt in vielen Regionen die vollständige Umstellung, weitere Standorte sollen später folgen. „In der Ausbaustufe sollen 80 Prozent der Deutschen DVB-T2 HD gucken können“, verspricht Media-Broadcast-Manager Breuer – beim alten Standard sind es rund 67 Prozent. Genauere Informationen stellt der Betreiber auf der Website http://www.dvbt2hd.de/ zur Verfügung.

Geräte mit diesem Logo können den neuen Standard empfangen. dpa

Logo für DVB-T2 HD

Geräte mit diesem Logo können den neuen Standard empfangen.

Doch wie die Werbung schon sagt: Ohne neue Receiver bleiben die meisten Bildschirme schwarz. Denn alte Geräte kommen in der Regel nicht mit dem effizienten Komprimierungsstandard HEVC (H.265) klar, der bei DVB-T2 HD die Datenmenge so schrumpfen lässt, dass trotz weniger Bandbreite eine bessere Bildqualität möglich ist. Millionen von Empfangsboxen werden deswegen bald zu Elektroschrott.

Was also sollten Zuschauer tun?

Kommentare (6)

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Herr Wolfgang Wüst

27.12.2016, 09:25 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zu neuen Hunderten von Tonnen Elektronik-Schrott.

Herr Wolfgang Wüst

27.12.2016, 09:25 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zu neuen Hunderten von Tonnen Elektronik-Schrott.

Frau Annette Bollmohr

27.12.2016, 10:54 Uhr

Nervig, vor allem für Technik-Halbanalphabeten wie mich.

Aber ein Gutes hat das Ganze dennoch: Es geht kein Weg mehr daran vorbei (d.h., man ist quasi gezwungen), sich mal etwas eingehender mit der Materie zu befassen. Sei es durch Selbstinformieren, oder indem man sich jemanden sucht, der so freundlich ist einem das Ganze zu erklären (machen die meisten, die Ahnung haben, übrigens gerne! Man muss nur manchmal gemeinsam ein wenig an den didaktischen Methoden arbeiten).

Und wenn man schon gerade dabei ist, kann man diese Beschäftigung ja gleich auch noch auf andere nützliche Themen ausdehnen…

@Herr Wolfgang Wüst, 27.12.2016, 09:25 Uhr:

"Herzlichen Glückwunsch zu neuen Hunderten von Tonnen Elektronik-Schrott."

Wichtiger Punkt. Habe zu diesem Thema vorletzte Woche folgenden interessanten Artikel gelesen:
http://www1.folha.uol.com.br/ambiente/2016/12/1843734-metais-valiosos-dos-smartphones-podem-se-tornar-problema-ambiental.shtml (leider nicht auf Deutsch, aber vielleicht hat ja jemand gescheite Übersetzungssoftware zur Verfügung oder kennt im Idealfall sogar jemanden, der Portugiesisch kann und ihm das übersetzen kann?).

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