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23.08.2012

09:32 Uhr

E-Postbrief De-Mail

Telekom greift Post zum Ifa-Start an

VonMartin Wocher

ExklusivTelekom und 1 & 1 greifen Konkurrenzprodukt der Post an und wollen den Brief ablösen. Das Konkurrenzprodukt De-Mail startet zur Ifa. Zwei Großkunden können die Telekommunikations-Provider bereits vorweisen.

De-Mail-Werbung der Telekom auf der Cebit 2012. Das Konkurrenzprodukt zum E-Post-Brief der Deutschen Post startet zur Ifa. dpa

De-Mail-Werbung der Telekom auf der Cebit 2012. Das Konkurrenzprodukt zum E-Post-Brief der Deutschen Post startet zur Ifa.

DüsseldorfDie Partner Deutsche Telekom und 1 & 1 machen Ernst mit ihrem seit langem angekündigten sicheren E-Mail-Service: Wie Vorstände beider Unternehmen dem Handelsblatt bestätigten, startet das unter "De-Mail" laufende Projekt Ende August pünktlich zur Internationalen Funkausstellung, Ifa, in Berlin. Von Beginn an beteiligt sind die Großkunden Allianz und Targo-Bank, weitere 40 Großunternehmen testen derzeit das rechtsverbindliche E-Mail-System. Telekom-Kunden können damit ab der kommenden Woche vertrauliche Dokumente an Behörden und Firmen verschicken oder diese empfangen.

Die Telekom und 1 & 1 stoßen in einen Milliardenmarkt vor, der schon lange Begehrlichkeiten weckt: Knapp zehn Milliarden Euro geben die Deutschen Jahr für Jahr für das Porto ihrer Briefe aus, trotz der vielen E-Mails und SMS-Nachrichten, die jeder zusätzlich über das Internet verschickt. Dass sich der klassische Brief im Zeitalter der Digitalisierung überholt haben könnte, ahnte die Deutsche Post schon vor zwei Jahren und schickte ihre elektronische Variante - den E-Postbrief - ins Rennen. Die Erwartungen von Telekom und 1 & 1 an die De-Mail sind hoch: 1 & 1-Vorstand Jan Oetjen verspricht sich davon nicht weniger als die "Digitalisierung der Briefkommunikation".

Schriftwechsel per Papier ist ein Auslaufmodell

Doch bevor es so weit ist, muss kräftig die Werbetrommel gerührt werden. Zwar haben sich schon 1,5 Millionen Privatpersonen und eine fünfstellige Zahl von Unternehmen zum Start bei 1 & 1 und der Telekom registrieren lassen. Für den Durchbruch reicht das aber nicht. In einer zweiten Welle werde die De-Mail den Markt aufrollen, so die Hoffnung. "Das kann im nächsten Jahr oder später passieren", sagte der Deutschland-Chef der Telekom, Niek Jan van Damme, "der Schriftwechsel per Papier ist jedoch ein Auslaufmodell."

So geht Oetjen davon aus, dass bis zu 80 Prozent aller Briefsendungen digitalisierbar sind. Der Post will man dabei Marktanteile wegnehmen. Schließlich beherrschen Deutsche Telekom mit "T-Online" und 1 & 1 mit "GMX" und "Web.de" zwei Drittel der deutschen E-Mail-Zugänge. Dass der Markt nicht leicht zu erobern ist, zeigen die Erfahrungen der Post mit ihrem E-Postbrief. Rund 200 000 dieser sicheren E-Mails sollen nach Angaben von Wettbewerbern pro Monat verschickt werden, viel weniger, als die Bonner vor zwei Jahren erwarteten.

Beide Systeme nehmen für sich in Anspruch, eine gesicherte elektronische Kommunikation zu ermöglichen, dennoch unterscheiden sie sich in einem Punkt gravierend: So funktioniert die De-Mail wie ein geschlossener Brief oder ein Einschreiben. Sender und Empfänger müssen sich vorher identifizieren und registrieren lassen - Grundvoraussetzung, dass Behörden oder Firmen vertrauliche Dokumente wie Gehaltsbescheide, Rechnungen oder Kontoauszüge überhaupt über das Internet verschicken können. Für jede codierte De-Mail gibt es eine Sende- und Empfangsbestätigung. Sie gelten rechtlich dann als zugestellt.

Das gilt auch für den E-Postbrief, dennoch erfüllt diese elektronische Variante nicht die gesetzlichen Anforderungen der deutschen Behörden. Zudem ist sie mit 55 Cent "Porto" deutlich teurer als die De-Mail, für die Firmenkunden im günstigsten Fall lediglich 20 Cent bezahlen müssen. Die Post wirbt mit anderen Vorzügen: So gebe es mehrere Zusatzfunktionen, auch kann der E-Postbrief für Empfänger ohne Internetanschluss ausgedruckt und traditionell zugestellt werden. Allerdings denkt auch die Post darüber nach, zum Ende des Jahres selbst einen De-Mail-Dienst anzubieten.

Es sind vor allem die geringeren Kosten, die die De-Mail für Firmen attraktiv machen soll. "Den 39 Cent für eine De-Mail stehen rund 70 Cent für einen Normalbrief gegenüber - Porto, Druck und Prozesskosten eingeschlossen", rechnet Oetjen vor. Das Einsparpotenzial für die Unternehmen sei damit immens.

Kommentare (9)

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freddeh

23.08.2012, 10:39 Uhr

Ich bin schon seit längerer Zeit Kunde bei E-Post. Was mich aber immer wieder ins staunen bringt ist die Unausgereiftheit des Systems. Da gibt es mehr Fehlermeldungen als Erfolgsnachrichten.
Und dem Nutzen der Dienstleistung steht der dadurch entstehende erhöhte Aufwand entgegen.

Es gibt immer noch keine gescheite Möglichkeit, E-Post-Adressen zu suchen. Eine automatische Umwandlung der analogen Adressen zu E-Post-Adressen wäre hier mal ein Anfang. Aber vielleicht liegen meine Erfahrungen auch einfach daran, dass keine Behörden und Unternehmen diesen Dienst nutzt.

JuergenVogler

23.08.2012, 13:09 Uhr

Der e-Postbrief hat schon vor einem halben Jahr "Konkurrenz" durch die De-Mail bekommen. Denn seit März bietet die FP-Tochter Mentana-Claimsoft den De-Mail Dienst seinen Kunden bereits an. Obwohl von Konkurrenz gar nicht gesprochen werden kann, denn der E-Postbrief ist kein rechtssicheres Mailverfahren. Er ist, im Gegensatz zur De-Mail, weder zum De-Mail Gesetz konform, noch ist eine Zertifizierung durch das BSI erfolgt.
Jürgen Vogler, Produktmanager E-Business, Francotyp Postalia

Rechtsberatung

23.08.2012, 14:19 Uhr

Ehe völlig nutzlos dieser E-Postbrief. Damit sollen Kosten und Empfangsrisiken für rechtswirksame Zustellungen von Behörden und Firmen auf Privatpersonen verlagert werden.
Selbst schuld, wer sich diesen Humbug einrichtet....

Niek Jan van Damme, ist sein Job, Zweckoptimismus zu verbreiten "der Schriftwechsel per Papier ist jedoch ein Auslaufmodell." ...
So ein Bullshit. Die alten Visionen von "paperless office " sind tot. Die Papierbranche boomt nach wie vor und während die Briefkästen der Bürger von Werbedreck überquillen, verlangt die Telekom Extragebühren für die Rechnungszustellung auf Papier (die sollte möglichst ungelesen im elektronischen Briefkasten verbleiben, aber den Werbemüll soll man nach wie vor physisch in die Hand nehmen....)

Hingegen ist die ganze Telekom ist ein Auslaufmodell.
Die haben noch jede Menge Improvement Potential in Sachen Übertragungssicherheit, DSL-Netz-Standzeit, Spam Schutz Compliance und bei wettbewerbsfähigen Preisen.
Ganz zu schweigen von Ihrer Unternehmensstrategie, Auslandsinvestments... sowie dem chronisch dümpelnden Aktienkurs
.
Das "Service Center" in Darmstadt ist eher ein Ignoranzverein, noch mit alten Postbeamten durchsetzt, die für ihre regelmäßige "Beförderung" kämpfen, statt Kundenbedürfnisse zu befriedigen und damit Loyalty zu builden...

Wenn die Telekom "rechtzeitig zum IFA-Start" angreift, zittern bestimmt schon die Konkurrenten......

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