Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2016

15:41 Uhr

E-Sports auf der Gamescom

Das Geschäftsmodell der Spiele-Streamer

VonJakob Blume

Immer mehr Menschen schauen anderen beim Zocken zu. Um Gaming-Videos ist auf Plattformen wie Youtube oder Twitch ein Milliardenmarkt entstanden. Einblicke in das Geschäftsmodell der Streamer.

Mittlerweile können auch immer mehr Streamer von ihrem Hobby leben. dpa

Spiele-Tester auf der Gamescom

Mittlerweile können auch immer mehr Streamer von ihrem Hobby leben.

KölnEin paar Lockerungsübungen mit dem Finger, ein konzentrierter Blick zu seinem Nebenmann – dann ist Thomas Kilian live. Seine Zuschauerbegrüßung wird auf Dutzende Monitore übertragen, tausende Menschen schauen über das Internet zu. In den nächsten Stunden wird Kilian auf der Messe Gamescom in Köln Partien des PC-Spiels „Heroes of the Storm“ kommentieren, bei dem zwei Fünfer-Teams mit Fantasiehelden gegeneinander antreten.

Kilian, den in der Gaming-Szene alle nur „Khaldor“ nennen, ist professioneller Kommentator von E-Sports-Turnieren. Er wird von Turnierveranstaltern wie dem Kölner Unternehmen Electronic Sports League (ESL) zu Computerspiel-Wettbewerben in der ganzen Welt eingeladen. Vor allem aber ist Kilian auf Twitch aktiv, einer Plattform zur Liveübertragung von PC-Spielen. Dort kommentiert Kilian für seine Fangemeinde regelmäßig Turniere mit professionellen Zockern. Im Schnitt schalten bei seinen Liveübertragungen, sogenannten Streams, 3000 bis 5000 Menschen ein.

Dubiose Online-Händler: Mieses Spiel auf dem Milliardenmarkt

Dubiose Online-Händler

Premium Mieses Spiel auf dem Milliardenmarkt

Dubiose Onlinehändler mischen den Markt für Computerspiele auf, indem sie Blockbuster zu unschlagbaren Preisen verkaufen. Jugendschutz und Urheberrecht? Sind offenbar egal. Auf der Spur des größten deutschen Anbieters.

Streamer wie Kilian alias Khaldor und Plattformen wie Twitch profitieren von einem Trend: Nicht nur Computerspiele erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Im vergangen Jahr erwirtschaftete die Branche laut Verband BUI einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro – ein Plus von 4,5 Prozent. Doch offenbar gibt es auch immer mehr Menschen, die Gamern über das Internet beim Zocken zuschauen wollen.

So überträgt etwa Twitch längst nicht nur Gaming-Turniere. Einzelne Nutzer spielen einfach ihr Lieblingsspiel, kommentieren oder bewerten es, unterhalten ihre Zuschauer dabei und bauen sich so eine Fan-Gemeinde auf. Twitch profitierte wie kein anderes Unternehmen vom Streaming-Hype: Pro Tag zählt die Plattform 9,6 Millionen Zuschauer, monatlich wird die Seite 100 Millionen Mal besucht. Das einstmals kleine Start-up aus Kalifornien wurde 2014 von Amazon übernommen – für fast eine Milliarde Dollar.

Auch die Google-Tochter Youtube investiert in den Markt und schneidet seinen Streamingdienst für Computer- und Videospieler nun auch auf Deutschland zu. Die Plattform Youtube Gaming wurde am Mittwoch offiziell auf der Gamescom gestartet. Über sie können Gamer anderen beim Spielen zuschauen oder ihre eigenen Partien ins Netz streamen. Fans sollen zudem schnell auf neue Videos zu ihren Lieblingstiteln oder von ihren Lieblings-Youtubern aufmerksam gemacht werden.

Kleines Gamescom ABC

A wie Aussteller

Nach Angaben der Messe werden in diesem Jahr 850 Unternehmen aus rund 50 Ländern in Köln ausstellen. Partnerland ist 2016 die Türkei - einer der großen Wachstumsmärkte der Branche. Die Entscheidung sei schon deutlich vor dem Putschversuch und seinen Folgen gefallen, heißt es. Partner sei nicht die Politik, sondern die türkische Games-Branche.

B wie Besucher

Während der Gamescom-Woche wird es an einigen Orten in Köln proppenvoll. Die Organisatoren erwarten - alle flankierenden Veranstaltungen eingerechnet - 500 000 Besuchern.

C wie Cosplayer

Kostümbegeisterte Video- und Computerspielfans gehören zur Gamescom wie zu einem Heavy-Metal-Festival Langhaarträger. Die sogenannten Cosplayer ahmen mit Verkleidung ihre Lieblingsfiguren aus den Spielen nach. Der Trend stammt aus Japan, wo der Begriff Anfang der 80er Jahre geprägt wurde.

Problem für die Szene in diesem Jahr: Bei wem Waffennachbildungen zur Rolle gehören, darf sie aus Sicherheitsgründen nicht mitnehmen, weder Gewehre, noch Messer, Äxte, Sägen oder Beile.

E wie Einlasskontrolle

Die Messe verstärkt aufgrund der „schrecklichen Ereignisse in den vergangenen Wochen” in diesem Jahr ihre Sicherheitsmaßnahmen, wie sie jüngst mitteilte. Die Gamescomer werden aufgerufen, alles zu Hause zu lassen, was nicht unbedingt gebraucht wird - damit die Wartezeiten bei den Kontrollen nicht länger werden.

Waffennachbildungen sind für Besucher komplett verboten, um in Köln niemanden zu erschrecken. Aussteller müssen Ausnahmen vorher beantragen.

G wie Games

Im Zentrum der Messe stehen - na klar - Video- und Computerspiele. Was früher noch als Daddelei für Technik-Freaks galt, ist heute längst in der Masse angekommen. Davon profitiert natürlich auch die Gamescom, die für sich in Anspruch nimmt, von 2009 bis 2015 bei der Zahl der Aussteller um 76 Prozent und bei der Zahl der Fachbesucher um 92 Prozent gewachsen zu sein.

M wie Mitternacht

Wer nach einem Gamescom-Tag noch etwas anderes als Computerbildschirme sehen will, kann sich in diesem Jahr in den Kölner Dom verziehen. Die Kirche ist von 22 bis 2 Uhr in der Nacht geöffnet - und hat das DJ-Duo Blank & Jones angeheuert, um das Gotteshaus mit elektronischer Musik zu beschallen. Eine Rave-Party sollte man in den altehrwürdigen Gemäuern dennoch nicht erwarten - eher etwas zum Runterkommen.

O wie Online-Helden

Teil der sogenannten Gamescom-Woche sind auch die Videodays (19. bis 20. August), bei denen vornehmlich jugendliche Fans auf bekannte Youtuber treffen und unzählige Selfies mit ihnen machen.

Die Youtube-Szene kommt unweit des Gamescom-Geländes zusammen und ist längst keine Nische mehr.

Viele Youtuber haben online mehrere Hunderttausend Fans, die ihre Videos regelmäßig ansehen. Sie geben Schminktipps, drehen Comedy-Clips oder kommentieren Videospiele.

S wie Schwerpunkte

In diesem Jahr stehen drei Trends im Vordergrund: Virtuelle Realität (VR), E-Sport und die Spieler selbst als Bestandteil und Gestalter des Mediums. Mit VR-Brillen lässt sich vor den Augen eine komplett virtuelle Umgebung erzeugen. Erste Modelle sind auf dem Markt, weitere sollen folgen.

Das US-Marktforschungsinstitut Super Data schätzt die weltweiten Zuschauerzahlen für Gaming-Videos 484 Millionen. Darin sind Live-Streams auf Plattformen wie Twitch ebenso enthalten wie Aufzeichnungen, die bei Videoportalen wie Youtube hochgeladen wurden. Die Branche erzielt mit Gaming Videos laut Super Data Werbeumsätze von rund 3,8 Milliarden Euro.

„Portale wie Twitch oder Youtube ermöglichen es, professionelle oder semiprofessionelle Produktionen an den Zuschauer zu bringen“, sagt der ESL-Chef Ralf Reichert. 2009 oder 2010 sei ein Wendepunkt gewesen. Sein Unternehmen arbeitet eng mit Twitch zusammen – heute erreicht ESL als größter Anbieter von E-Sports-Veranstaltungen Millionen von Nutzern weltweit. Ein Zeichen für den Boom der Branche: Der größte Anbieter von E-Sports-Ligen zieht bald in die früheren Studios von Harald Schmidt um. Dort gibt es nicht nur ausreichend Büros, sondern auch einen großen Saal mit Bühne. Und mittlerweile können auch immer mehr Streamer von ihrem Hobby leben.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.08.2016, 15:55 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

Aber zu diesem Gamescom-Schwachsinn würden mich/uns keine 10 Pferde hinkriegen in meiner/unser knapp bemessenen Freizeit.

Herr Toni Ebert

17.08.2016, 16:26 Uhr

Immerhin, es ist die Vorstufe für das was der aufgeklärten und sehr kritischen Jugend bald per Chip ins Gehirn eingespeist wird.

Das Bild festigt sich. Überall gibt es gerade Strategie-Spiele umsonst und KI , VR wird gerade aufgegriffen. Bis zur Matrix (mit Tropf, Urinabfluss und dem Vr Anzug ist es nicht mehr weit )

na denn

Herr Toni Ebert

17.08.2016, 16:50 Uhr

...................Computerspielefans pilgern nach Köln
Gamescom entführt in virtuelle Welten (n-tv).

......................

Und schon bald wird es eine Entführung ohne Wiederkehr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×