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07.01.2014

15:13 Uhr

Elektronikmesse CES

Kurven für die Kauflust

VonChristof Kerkmann, Axel Postinett

Die TV-Hersteller haben ein Problem: Fernseher sind derzeit kaum gefragt, über 3D redet keiner mehr. Auf der Elektronikmesse CES schließen sich die Hersteller deshalb mit Webgiganten wie Amazon und Google zusammen.

Gut bewacht ist das Vorzeigestück von LG auf der CES in Las Vegas. AFP

Gut bewacht ist das Vorzeigestück von LG auf der CES in Las Vegas.

Las VegasDer grimmige Blick der beiden bulligen Bodyguards reicht schon aus, um den nötigen Abstand sicherzustellen. Anschauen, ja. Aber anfassen darf man den riesigen Fernseher auf dem Stand von LG nicht.

Er ist auf der Elektronikmesse CES das Vorzeigestück des südkoreanischen Riesen: Er misst 105 Zoll in der Diagonale und ist damit so breit wie ein Garagentor; er hat Ultra-HD-Auflösung, die vier Mal so viele Details zeigt wie heutige HD-Geräte; und er hat einen gekrümmten Bildschirm, der den Zuschauer mehr ins Geschehen auf der Mattscheibe ziehen soll.

Kurven für die Kauflust - solche Innovationen sind dringend nötig: Der TV-Markt ist zwei Jahren in Folge geschrumpft, in diesem Jahr legt der Absatz nach einer Prognose des Marktforschers NPD um ein mageres Prozent auf 229 Millionen Geräte zu. In den meisten Wohnzimmern stehen schon Flachbildfernseher, so dass die wenigsten Zuschauer etwas vermissen.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

Second Screen

Viele Fernsehzuschauer surfen nebenbei im Internet – entweder mit dem Smartphone oder dem Tablet-Computer. Dieses vergleichsweise junge Phänomen erlaubt TV-Herstellern, Filmemachern und Sendern, den zweiten, kleinen Bildschirm einzubinden. Etwa mit Informationen über die Sendung und Schauspieler oder Werbung. Zudem können die mobilen Geräte die klassische Fernbedienung ersetzen.

Hightech soll da einen Kaufanreiz bieten. „Neue Technologien haben eine große Zugkraft“, sagte Hans Wienands, Deutschland-Chef von Samsung Electronics im  Gespräch mit Handelsblatt Online. Die Käufer seien bereit, für Fernseher mit extrem hoher Auflösung im Ultra-HD-Format und gebogenem Display einen Aufpreis von 20 Prozent zu zahlen.

Im vergangenen Jahr setzte die Branche erstmals auf die extrascharfen Bilder im Ultra-HD-Format für den Hausgebrauch, dieses Jahr wird die Massenproduktion anlaufen. Weil die Preise rapide sinken, sind etliche Modelle inzwischen schon ab etwa 1000 Euro zu haben. Samsung und Sony wollen je als mehr 20 Modelle auf den Markt werfen, aber noch gibt es ein Problem. Es fehlt an passenden Inhalten und Übertragungsmöglichkeiten.

Hier schlägt auch die Stunde der Internetgiganten, die hoffen, klassischen TV-Kabelanbietern Kunden und später auch Werbemilliarden wegzuschnappen. Handelsriese Amazon wird den Abonnenten seines Videodienstes Amazon Prime Time Ultra-HD-Videos anbieten, wurde am Montag verkündet. Darunter Werke von Warner Bros, Lionsgate, 20th Century Fox oder Discovery.

LG versprach in Las Vegas, dass Zuschauer einige Sendungen des Videodienstes Netflix in Ultra-HD ansehen können, darunter die zweite Staffel hochgelobte Serie „House of Cards“. Netflix-Chef Reed Hastings, Gast auf jeder großen Präsentation in Las Vegas: „Das Internet ist der geborene Übertragungskanal für 4k.“

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

07.01.2014, 16:24 Uhr

2 Anmerkungen:
1. Ich brauche keinen Fernseher "breit wie ein Garagentor". Mir reicht für hin und wieder mal eine Naturdoku ein kleines 19" Gerät, meine Wohnung wird durch Bücher bestimmt.
2. Ich brauche ganz bestimmt kein Internet-TV, auf das noch bis in's Kleinste kontrolliert und protokolliert wird, welche Sendungen ich mir anschaue.

Account gelöscht!

07.01.2014, 17:51 Uhr

Wie länge wird es diese Industrie der sinnlosen Überproduktion unbenötigter Dinge wohl noch geben?

Inflate_Or_Die

07.01.2014, 18:21 Uhr

1) Solange es noch billigen Kredit - gerne auch Subprime - für die Masse gibt.
2) Solange der Staat "Brot und Spiele" noch finanzieren kann
Mein persönlicher Alptraum: "DSDS" oder "Richter Alexander Hold" in 3D auf einem Monsterbildschirm.
Mein persönlicher Traum: "Spiel mir das Lied vom Tod" auf einer Monsterleinwand und mit schönen breiten schwarzen Balken unten und oben. Dafür gehe ich dann aber in ein Open-Air-Kino... ;-)

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