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13.01.2011

11:22 Uhr

Energie-Effizienz

Kampf gegen Stromfresser

VonSilke Kersting

In der IT-Branche hat ein Umdenken eingesetzt: Nicht mehr höher schneller, weiter heißt die Devise, der Stromverbrauch wird immer wichtiger. Bei vielen Rechenzentren ist schon heute nicht der Anschaffungspreis neuer Technologien der teuerste Posten, sondern die entstehenden Energiekosten. Wie Firmen und Forscher aus Dresden den Energiehunger bremsen wollen.

Rechenzantrum der Berliner Firma Strato. Die Energiekosten werden als Kostenfaktor bei Rechenzentren immer wichtiger. Pressebild

Rechenzantrum der Berliner Firma Strato. Die Energiekosten werden als Kostenfaktor bei Rechenzentren immer wichtiger.

BERLIN. Jahrelang gab es für die Hersteller von Computern und Chips nur ein Ziel: Rechner müssen immer schneller werden. Wie viel Energie die Geräte dabei verbrauchten, war für die Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) viele Jahre Nebensache. Dabei sind leistungsstarke Computer und Elektronikgeräte wahre Stromfresser. IKT-Systeme verursachen mittlerweile zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, schätzt Thomas Mikolajick, Koordinator des Forschungsverbunds Cool Silicon. "Das entspricht genauso hohen Emissionen wie durch den globalen zivilen Luftverkehr."

Doch angesichts steigender Energiepreise und knapper Ressourcen denkt die Branche um - das beobachtet auch Wissenschaftler Mikolajick: "Ab jetzt geht es um mehr Leistung bei geringerem Energieverbrauch."

Cool Silicon ist ein Zusammen-schluss von 64 Unternehmen und Forschungsinstituten im Großraum Dresden, die auf der Suche nach energiesparender Computertechnik sind, darunter auch IT-Großunternehmen wie Infineon und Globalfoundries. Die Bundesregierung hat dem Projekt finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe zugesagt. Heute entscheidet in Berlin eine international besetzte Jury, ob das Projekt die gesamten Fördermittel erhält.

Mikolajick rechnet fest mit weiterer Förderung. Die Energieeffizienz sei ein immens wichtiges Thema, so der Forscher. Schließlich nutzten immer mehr Menschen Computer, Handys und Navigationsgeräte.

Ein gewaltiger Kostenfaktor

Der Energiehunger für den Betrieb der IKT-Infrastruktur ist nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein gewaltiger Kostenfaktor: "Spätestens 2012 ist damit zu rechnen, dass bei einer Nutzungsdauer von drei Jahren die Energiekosten von großen Rechenzentren etwa doppelt so hoch sind wie der Kaufpreis der Computertechnik", sagt Mikolajick. Die Firma E-Shelter, ein Betreiber von Rechenzentrumsfläche in Deutschland, schätzt: Ohne umfassende Energiesparmaßnahmen würde der Stromverbrauch bis 2013 um 50 Prozent steigen.

Angesichts dieser Zahlen ist auch die EU alarmiert - sie fordert ein branchenübergreifendes Vorgehen: Bis zum Jahr 2020 soll die Energieeffizienz um 20 Prozent gesteigert werden.

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