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18.10.2013

11:41 Uhr

Entdeckungsdrang gegen Ethik

Biohacker verschmelzen ihre Körper mit Technik

Was sich anhört wie Science Fiction, ist für manche Menschen schon Realität. Sie tragen Magneten im Körper und wollen mit Computertechnik Organe bauen. Ihre Experimente werfen aber auch ethische Fragen auf.

Der US-Amerikaner Tim Cannon: Seit 2011 trägt er einen Magneten im Finger. dpa

Der US-Amerikaner Tim Cannon: Seit 2011 trägt er einen Magneten im Finger.

BerlinDas Metallteil, das Tim Cannon unter der Haut tragen wird, ist etwa fünf mal drei Zentimeter groß. Am Freitag lässt er sich das Gerät unter die Haut einpflanzen. Dafür hat er sich einen Platz am linken Arm ausgesucht, direkt unter einem kreisförmigen Tattoo. Das Gerät mit Namen „Circadia“ misst dann Cannons Blutwerte. Außerdem hat es kleine grüne Lämpchen, die auf Knopfdruck durch seine Haut scheinen sollen. Eine eingebaute Hintergrundbeleuchtung für sein Tattoo, freut sich Cannon.

Tim Cannon stammt aus Pittsburgh an der US-Ostküste und bezeichnet sich als „Cyborg“. Solche Menschen lassen ihren Körper mit Technik verschmelzen. Sie tragen Magneten unter den Fingerkuppen, um elektromagnetische Strahlung wahrzunehmen. Sie lassen sich Chips in die Handfläche einpflanzen und können so per Funk Türschlösser öffnen. Vor allem machen sie den eigenen Körper zum Spielplatz ihrer Experimente. Der menschliche Körper biete viel Potenzial für Verbesserungen, meint Cannon. „Ich denke nicht, dass das, womit wir geboren sind, perfekt ist. Und ich will das verbessern.“

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Dafür geht er bis an die Schmerzgrenze - und darüber hinaus. Weil der 34-Jährige keinen Arzt gefunden hat, der zu dem Experiment bereit war, soll ein Körperkünstler die Operation durchführen. Allerdings ohne Betäubung. „Das wird ziemlich wehtun“, sagt Cannon. „Für solche Sachen braucht es Furchtlosigkeit.“

Cannon geht seine Selbstverbesserung mit spielerischem Eifer an. „Ich mache das, weil es mich fasziniert“, sagt er. „Biohacking“ wird das auch genannt, Tüfteln am eigenen Körper. Über Foren wie biohack.me tauschen sich Anhänger der Bewegung aus. Cannons Hackergruppe Grindhouse Wetware will die Implantate auch auf den Markt bringen. In einem halben Jahr soll es soweit sein, ein „Circadia“ soll etwa 500 Dollar kosten. Cannon ist der erste Tester.

Kommentare (1)

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norbert

18.10.2013, 12:47 Uhr

Die Kühe sind ja auch gechipt ...

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