Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.06.2011

11:21 Uhr

Entwicklerkonferenz

Apple rückt das Netz in den Mittelpunkt

VonStephan Dörner

Heute hat Steve Jobs wieder einen seiner großen Auftritte – und die Apple-Welt fiebert dem Ereignis entgegen. Wie Apples neuer Cloud-Dienst den Weg in die Ära nach dem PC ebnen soll.

Apple-Chef Steve Jobs wird in San Francisco die Zukunft der Apple-Software präsentieren. Quelle: dapd

Apple-Chef Steve Jobs wird in San Francisco die Zukunft der Apple-Software präsentieren.

Trotz Krankheit lässt es sich Steve Jobs nicht nehmen, die neuesten Software-Ankündigen von Apple in San Francisco vorzustellen. Es ist der zweite öffentliche Auftritt des charismatischen Firmenlenkers seit er sich im Februar wegen seiner Krankheit aus dem operativen Geschäft des Konzerns zurückgezogen hat.

Auch wenn keine neue Hardware erwartet wird, hat Steve Jobs Spannendes im Gepäck. Jobs wird die nächste Generation der Apple-Software für iPhone, iPad und Macintosh-Rechner vorstellen – und seine Antwort auf den Megatrend Cloud Computing. Apple stellt iOS 5 vor, die neue Version des Betriebssystems für iPhone und iPad, gewährt eine weitere Vorschau auf das kommende Mac-Betriebssystem Mac OS X "Lion" und stellt seinen Internet-Dienst iCloud vor - so viel ist sicher.

Der Dienst iCloud ist Apples Antwort auf die Entwicklung, dass immer mehr Daten in das Internet wandern. Das Prinzip: Dateien wie Musik und Videos werden nicht mehr auf den Geräten selbst, sondern über einen Online-Speicher zur Verfügung gestellt. Sie sind somit überall verfügbar, so lange ein Gerät über einen Internetzugang verfügt. Dazu hat Apple ein riesiges Rechenzentrum in North Carolina aufgebaut, das doppelt so groß ist wie Apples bisheriges Rechenzentrum.

Nach einem Bericht des gewöhnlich gut informierten Apple-Bloggers John Gruber wird iCloud mehr sein als nur ein Musikdienst. Es könnte darum gehen, die iCloud als iTunes-Nachfolger zu etablieren – als die zentrale Schnittstelle für alle Apple-Geräte, über die sämtliche Daten wie Musik, Apps und Videos über alle Apple-Geräte hinweg, vom Mac bis zum iPhone, synchron gehalten werden können.

Das Netz rückt in den Mittelpunkt

Die Daten in die Wolke – also das Internet – zu verlegen, würde die Synchronisation über verschiedene Geräte vereinfachen. Bisher werden die Daten der Apple-Geräte wie iPhone, iPod und iPad zentral am PC oder Mac über iTunes abgeglichen. Damit stellt der PC oder Mac sozusagen die Zentrale der Verwaltung der Dateien dar. Mit dem Cloud-Dienst könnten die mobilen Geräte iPhone und iPad unabhängig werden von dieser Zentral-Verwaltung über iTunes.

Die von vielen Nutzern geforderte drahtlose Synchronisation der Geräte wäre Wirklichkeit. Somit müssten iPad und iPhone nicht mehr an Mac oder PC angeschlossen werden, um Dateien wie Videos und Musik zu übertragen – die Synchronisation erfolgte über die drahtlose Internetverbindung.

FAQ: Was ist Cloud Computing?

Virtualisierung

Die Virtualisierung von Servern ist bereits seit vielen Jahren ein anhaltender Trend, auf den heute kaum ein Unternehmen bei der Nutzung seiner IT verzichten möchte. Virtualisierung erlaubt eine deutlich flexiblere Nutzung der Hardware: Ein Server wird dabei aufgeteilt in beliebig viele virtuelle Server. Unter dem Betriebssystem Linux wird dabei vor allem auf die bekannten Virtualisierungs-Lösungen Xen und KVM zurückgegriffen. Virtualisierung ist eine wichtige technologische Voraussetzung für das Cloud Computing – doch nicht dasselbe. Beim Cloud Computing geht es um den gesamten Prozess des flexiblen Bereitstellens von Rechenressourcen, Daten und Anwendungen über eine standardisierte Schnittstelle.


Cloud Computing

Eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es nicht. Cloud Computing beschreibt kein komplett neues Prinzip, sondern den technologischen Trend, IT-Ressourcen nur dann auf Bedarf über ein Netzwerk bereitzustellen und abzurechnen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Die eigentliche Arbeit läuft auf den Servern, Endgeräte können auch Smartphones oder Netbooks sein, die selbst nur über vergleichsweise geringe Prozessor- und Speicherausstattung verfügen.

Um die IT-Ressourcen dynamisch - also je nach Bedarf - anzubieten, werden sie per Software abstrahiert. Statt eines echten Servers mietet man beispielsweise eine sogenannte virtuelle Maschine, deren Speicher- und Prozessorausstattung sich dynamisch den Anforderungen entsprechend vergrößert oder verkleinert. Rechenkraft aus der Cloud ist damit deutlich skalierbarer, als eine herkömmliche IT-Infrastruktur: Bei Spitzenlasten stehen Ressourcen sofort zur Verfügung, werden die Ressourcen nicht benötigt, müssen sie auch nicht bezahlt werden.

Aus dieser Abstraktion leitet sich wohl auch der Begriff ab: So wurden in Powerpoint-Präsentationen abstrahierte Netzwerke aus Computern häufig schwammig als Wolke dargestellt, um sich die Details des Netzwerks zu sparen - ebenso, wie ein Cloud-Kunde sich nicht mehr um die Details seiner IT-Infrastruktur kümmern muss.

Bei der Cloud gibt es alles "as a Service", also auf Abruf - Rechenkraft und Speicher (Infrastructure as a Service), Plattformen samt Programmierumgebung (Platform as a Service) und Software (Software as a Service). Die genannten Ansätze bestehen auch parallel zum Cloud Computing - die Cloud vereint sie alle.

Infrastructure as a Service (IaaS)

Infrastructure as a Service ist die "nackteste" Form des Cloud Computings: Gemietet werden nur reine Rechenkraft und Datenspeicher nach Bedarf. Dazu werden die Server beim Cloud-Anbieter virtualisiert: Statt physikalisch vorhandener Einzelserver mietet der Kunde eine oder viele virtualisierte Umgebungen, die je nach Bedarf mehr oder weniger Speicher und Prozessorleistung zugeteilt bekommen.

Platform as a Service (PaaS)

Bei der Platform as a Service (PaaS) mietet der Kunde mehr als nur die nackte Rechenkraft mit Betriebssystem - es ist bereits eine Laufzeitumgebung wie Microsofts Azure-Plattform oder Googles Programmierschnittstelle vorhanden.

Software as a Service (SaaS)

Software as a Service (SaaS) bezeichnet die Bereitstellung von Software, die auf Servern ausgeführt wird. Je nach verwendeter Technologie kommen dabei verschiedene Konzepte zum Einsatz. Für Adobes Programmiersprache AIR muss beispielsweise ein spezielles Programm auf den Endgeräten ausgeführt werden, das für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist.

Meist aber werden Anwendungen über das Web angeboten - können also auf jedem Gerät ausgeführt werden, auf dem ein Browser installiert ist. Dazu gehören beispielsweise Googles Webapps, die mit der Google App Engine erstellt wurden.

Private Cloud und Public Cloud

Neben der reinen Form der Cloud - der Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet - gibt es auch die private Cloud. Dabei wird die Cloud-Technologie dazu genutzt, eine Cloud im eigenen Unternehmen aufzubauen. Das kann Vorteile für die Datensicherheit und Compliance bieten - auch wenn inzwischen fast alle Public-Cloud-Anbieter ihre Dienste nach EU-konformer Regulierung anbieten. Oft wird eine private Cloud mit dem zusätzlichen Mieten einer Public-Cloud-Dienstleistung kombiniert - die dann beispielsweise bei Belastungsspitzen oder dem Ausfall von Teilen der eigenen IT-Infrastruktur einspringt. Man spricht dann von einer Hybrid Cloud.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wellington

06.06.2011, 12:57 Uhr

Da stellt sich eine zentrale Frage: Wie steht es mit der Datensicherheit? Schließlich haben dann Firmen ( und auch Privatpersonen) ihre gesamten sensiblen Geschäfts- und Privatdaten ausgelagert. Hackern könnte das Eindringen noch leichter gemacht werden. Und Apple selber könnte sich als Hüter dieser Daten bedienen.
Cloudcomputing halte ich daher für datentechnischen Leichtsinn, wenn auch von der Konzeption her schön gedacht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×