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29.01.2013

14:35 Uhr

Erpressung per Schadsoftware

BKA warnt vor Betrugswelle im Internet

Das Bundeskriminalamt warnt vor einer neuen Betrugsmasche im Internet: Per Schadsoftware setzen Erpresser Computernutzer wegen angeblicher Verbreitung von Kinderpornografie unter Druck und verlangen Geld.

Sicherheitsbehörden warnen vor einer neuen Betrugsmasche im Internet. dpa

Sicherheitsbehörden warnen vor einer neuen Betrugsmasche im Internet.

WiesbadenDas Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnen vor einer neuen Erpressungswelle im Internet: Mit einer Schadsoftware, die Computer infiziert und sperrt, werden Internetnutzer unter Druck gesetzt und zu Zahlungen aufgefordert.

Auf den betroffenen Computern öffnet sich ein Fenster, in dem die Rede davon ist, dass der Rechner im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornografie, bei terroristischen Aktionen, Urheberrechtsverletzungen oder anderen Straftaten genutzt worden sei. Der Nutzer wird aufgefordert, 100 Euro für einen angeblichen Freigabecode zur Entsperrung des Rechners zu zahlen.

Sicherheitstipps für PC und Mac

Datensparsamkeit

Nutzer von Internetdiensten sollten sparsam mit Daten umgehen und nur so viel Informationen preisgeben wie nötig. Man kann sich durchaus auch mit einem Anbieter in Verbindung setzen und fragen, warum er unbedingt eine bestimmte Information braucht.

Überlegen Sie sich grundsätzlich, ob es notwendig ist, sich bei einem bestimmten Dienst mit Daten anzumelden. Verlangen Sie von Diensten, die Sie nicht mehr nutzen die Löschung Ihrer personenbezogenen Daten. Sofern das Unternehmen die Daten – beispielsweise für Abrechnungen – nicht mehr benötigt, ist es dazu verpflichtet, die Daten auf Wunsch zu löschen. Sie können sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz berufen.

Software-Updates einspielen

Wenn Sicherheitslücken ausgenutzt werden, befinden sich diese heutzutage nur noch selten im Betriebssystem selbst, sondern viel häufiger in installierter Standard-Software wie dem Webbrowser, Adobe Acrobat Reader oder Adobe Flash. Die drei genannten und besonders gefährdeten Anwendungen können selbst aktiv Inhalte ausführen und sind daher für Attacken beliebt. Achten Sie daher darauf, dass nicht nur das Betriebssystem regelmäßig aktualisiert wird, sondern auch Ihr Webbrowser sowie die installierte Standard-Software wie PDF-Betrachter und Flash-Plugin.

Sämtliche installierte Software auf Aktualität und Sicherheitslücken zu prüfen, ist ohne Hilfe natürlich eine Herkulesaufgabe. Zum Glück gibt es die kostenlose Software Secunia Personal Software Inspector (PSI). PSI sucht automatisch nach veralteter Software. Mit dem Menüpunkt „Secure Browsing“ lässt sich außerdem nach veralteten Browser-Erweiterungen suchen. Übrigens sind diese Erweiterungen auch der häufigste Grund für Abstürze von Browsern – weniger ist daher meist mehr.

Anti-Viren-Lösung

Viren und Würmer gefährden die Daten-Sicherheit. Daher sind Präventionsmaßnahmen angeraten. „Viel hilft viel“ ist hier allerdings nicht angesagt, da sich verschiedene Anti-Viren-Scanner gegenseitig stören. Optimal ist daher die Kombination aus drei Schutzarten. Installieren sollte man eine Personal Firewall, die ein- und ausgehende Verbindungen kontrolliert und einen Virenscanner, der mit seinen Virensignaturen bekannte Schädlinge stoppt; außerdem sollte die Schutz-Software heuristische Methoden einsetzen, die auch unbekannte Schädlinge aufgrund des Verhaltens erkennt. Anti-Virus-Lösungen gibt es nicht nur für Windows-Rechner, sondern auch für Macs.

Verhalten

Mac und Windows

Noch wichtiger als ein stets aktueller Virenschutz ist allerdings das Verhalten des Nutzers: Führen Sie keine Dateien aus dubiosen Quellen aus und öffnen Sie keine Anhänge von E-Mails, die Ihnen seltsam vorkommen.

Festplatte verschlüsseln

Mac und Windows

Wenn wichtige geschäftliche oder private Daten in falsche Hände geraten, können große Schäden entstehen. Die Gefahr ist insbesondere bei mobilen Rechnern groß. Von daher ist es ratsam, sensible Daten zu verschlüsseln. Als besonders sicher gilt die kostenlose Software TrueCrypt, die für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist. Damit können sowohl einzelne Ordner als auch die gesamte Festplatte verschlüsselt werden. Selbst das FBI hat sich an TrueCrypt schön die Zähne ausgebissen: Nach fast einem Jahr musste die US-Behörde die Festplatte eines brasilianischen Bankiers zurückgeben – nach wie vor verschlüsselt. 

Haupteinfallstor E-Mail-Account

Jedem ist bewusst, dass die Nutzerkonten bei Amazon, Ebay oder Paypal durch ein langes und sicheres Passwort geschützt sein sollten. Der beste Schutz dort nützt aber nichts, wenn nicht auch das E-Mail-Konto gut abgesichert ist. Hat sich ein Angreifer Zugang zum Posteingang verschafft, kann er auch ohne großen Aufwand auf alle weiteren Nutzerkonten zugreifen, indem er sich einfach neue Passwörter zuschicken lässt – egal ob bei Ebay oder anderen Services im Web.

Passwörter

Grundsätzlich ratsam ist es, nicht nur sichere Passwörter zu verwenden, sondern auch immer unterschiedliche bei verschiedene Diensten. Mit den einmal geklauten Login-Informationen lassen sich ansonsten Benutzerkonten auf Einkaufs-Websites, bei Reiseanbietern oder anderen Dienstleistern öffnen und widerrechtlich nutzen.

Wie so häufig beim Thema Sicherheit steht dabei jedoch die Bequemlichkeit im Weg: Wie nur soll man sich mehrere Passwörter merken, die auch noch sicher sind – das heißt keine Wörter, die man im Duden findet und möglichst noch mit Sonderzeichen?

Dafür gibt es einen Trick: Statt eines kryptischen Wortes merken Sie sich einfach einen sinnvollen Satz, der für Sie eine Bedeutung hat. Das Passwort besteht dann auf den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Satzes – bei Beachtung der Groß- und Kleinschreibung. Ein Beispiel wäre der Satz: Meinen Rechner mache ich mit einem komplizierten Passwort sicher. Als Passwort wird daraus: MRmimekPs – ein Wort, das Sie garantiert in keinem Lexikon finden.

Auf sichere Datenübertragung achten

Wann immer sensible Informationen im Web übertragen werden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um eine verschlüsselte SSL-Verbindung handelt. Das erkennen Sie daran, dass die Webadresse im Adressfeld mit https:// beginn statt http://. Aktuelle Versionen der gängigen Browser Firefox, Internet Explorer, Chrome, Opera und Safari überprüfen dabei automatisch, ob der Anbieter der verschlüsselten Verbindung auch der ist, für den er sich ausgibt. Wichtig ist dabei, die jeweils neueste Version des Browsers zu verwenden. Diese haben einen Phishing-Schutz eingebaut, der die meisten Websites erkennt, die nicht das sind, was sie vorgeben.

In dem Fenster sind die gefälschten Logos des BSI und der Gesellschaft für Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) eingeblendet. Behauptet wird, dass die Funktion des Computers „aus Gründen unbefugter Netzaktivitäten ausgesetzt worden“ sei. Tatsächlich wird der Computer aber durch die Schadsoftware außer Funktion gesetzt.

BKA und BSI fordern Internet-Nutzer auf, den geforderten Betrag „auf keinen Fall“ zu zahlen. „Es handelt sich hierbei um eine Form der digitalen Erpressung“, so die Sicherheitsbehörden. Weder BKA noch GVU seien Urheber der Meldung. Verbraucher sollten sich von der Behauptung, dass die „Wiedergabe von pornografischen Inhalten mit Minderjährigen“ festgestellt worden sei, nicht einschüchtern lassen.

Als besonders problematisch werten die Behörden, dass auf dem Bildschirm auch eine jugendpornografische Darstellung auftaucht, deren Besitz verboten ist. Dieses Bild dürfe auf keinen Fall gespeichert werden, das sei eine Straftat, warnte das BKA.

Betroffene Nutzer sollten der Polizei die versuchte Erpressung melden. Hinweise zur Reinigung des infizierten Computers gibt das Anti-Botnetz-Beratungszentrum auf der Webseite www.botfrei.de.

Kommentare (4)

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Mazi

29.01.2013, 15:11 Uhr

Ganz zu schweigen, die Aktivitäten des Staatstrojaners..

Allen Geschäftsaktivitäten sollte die Rechtsverbindlichkeit per Gesetz abgesprochen werden. Wenn es der Industrie nicht gelingt, sichere Verbindungen zu schaffen, dann ist der staatliche Umgang mit solchen Geschäften unverantwortlich.

Das der Staat selbst Kenntnis von solch unsicheren Verbindungen hat, belegt der Einsatz des o.g. Trojaners.

Account gelöscht!

29.01.2013, 17:38 Uhr


Bei einer vergleichbaren Betrugsmasche vor ca. 1 Jahr waren russische Erpresser am Werk, zumindest deutete die Bankverbindung darauf hin.

Zum Glück gibt es professionelle Anti-Viren Software, aber höchste Vorsicht beim Umgang mit Emails ist trotzdem geboten.

Account gelöscht!

30.01.2013, 08:53 Uhr

Wenn es einen erwischt hat, ist folgende Vorgehensweise zwingend:

- Rechner SOFORT "hart" ausschalten. Also Netzstecker ziehen bzw. den Einschalt-Taster am Laptop für mindestens 4 s drücken. Das sollte man gewöhnlich nicht machen, aber manche dieser Randsomware-Viren richten im Hintergrund Schaden an.

- Mit einem anderen Rechner das "Image" einer Linux-Live-CD mit Virenscanner herunter laden. Das ist eine einzige große Datei, gewöhnlich mit der Extention ".iso".

- Diese ISO-Datei mit einem üblichen Brennprogramm auf einen Rohling brennen.

- Den verseuchten Rechner mit dieser CD starten und damit nach Anleitung den Rechner entseuchen.

Mit etwas Glück funktioniert die Windows-Installation dann wieder. Die wirklich saubere Methode ist, die Platte komplett auf eine externe Festplatte zu sichern und die Windows-Installation neu aufzusetzen - z.B. aus der letzten Datensicherung oder mit der Restore-DVD des Rechner-Herstellers. Im letzten Fall muss man natürlich seine Arbeitsumgebung wieder neu aufsetzen...

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