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05.01.2004

07:45 Uhr

Erst wenige Unternehmen setzen auf die Grid-Technologie, um die Rechnerkapazitäten besser auszulasten

IT aus der Steckdose ist noch ein Traum

VonJens Koenen

„Grid Computing“ – wohl kaum ein Begriff wird zur Zeit in der IT-Branche heftiger diskutiert. Viele Unternehmen der Informations Technologie (IT) setzen große Hoffnungen auf die neue Technologie, Computer inner- und außerhalb von Firmen so zu verbinden, dass die vorhandene Rechnerleistung besser genutzt werden kann.

FRANKFURT/M. Doch die Realität zeigt: Bislang setzen nur wenige Unternehmen auf Grid-Computing. „Es wird sicherlich noch drei bis fünf Jahre dauern, bis Grid ins allgemeine Bewusstsein der Unternehmen vorgedrungen sein wird“, sagt Nora Denzel, Senior Vice President und für Software verantwortliche Managerin des IT-Konzerns Hewlett-Packard. „Grid ist kein Paradigmenwechsel, es ist eine evolutionäre Weiterentwicklung der IT. Letztlich geht es um Management-Werkzeuge, mit denen die vorhandene Infrastruktur besser ausgenutzt werden kann“, sagt Thomas Rüter, Grid-Experte des IT-Riesen IBM.

Ursprünglich steht das Wort „Grid“ für Versorgungsnetz. Und genau darum geht es auch. Grid spielt eine wichtige Rolle bei der von IBM, HP, Sun & Co formulierten Idee, IT-Leistung wie Strom oder Wasser je nach Bedarf anzubieten. Grid (Gitter) beschreibt ein System von Rechnern, die so miteinander vernetzt sind, dass ihre Leistung gebündelt wird. Spezielle Software zerlegt große Rechenaufträge in viele kleinere Jobs (Tasks) und verteilt diese auf die einzelnen Computer. Der Vorteil: Die Ausnutzung der Rechnerkapazitäten steigt auf 50 bis 80 %. Heute liegt die Server-Auslastung in vielen Fällen bei lediglich 20 %, da sie nur jeweils eine Aufgabe übernehmen. Grid-Technologie ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts, IT-Dienstleistungen nach Bedarf wie Strom aus der Steckdose anzubieten. Bislang nutzen freilich nur wenige Firmen die Möglichkeiten des Grid-Ansatzes. Dazu zählt etwa der Chiphersteller Infineon, der sein Chipdesign auf Grid-Systemen laufen lässt. „Ohne Grid Computing wären die immer kürzeren Chipentwicklungszeiten bei immer komplexeren Strukturen nicht möglich“, sagt Karl Pomschar, CIO von Infineon. Infineon setzt bereits seit sechs Jahren auf Grid. „Durch unsere Anforderungen haben wir diese Technologie wesentlich beeinflusst“, sagt Pomschar. Infineon nutzt dabei ausschließlich das so genannte Hardware-Grid. Dabei werden nicht nur Rechner innerhalb eines Standorts eingebunden, sondern auch Hardware-Ressourcen anderer Dependancen.

„Grid ist in erster Linie für sehr rechenintensive Aufgaben geeignet, wie zum Beispiel das Risikomanagement von Finanzdienstleistern“, sagt Rüter von IBM. Die US-Investmentbank Morgan Stanley nutzt Grid zum Beispiel für ihre komplexen Analyse-Anwendungen. Der Mineralölkonzern Royal-Dutch/Shell wiederum nutzt Grid, um die Auswertung und Interpretation seismischer Daten zu beschleunigen.

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