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02.06.2014

08:26 Uhr

EU fordert Digitalstrategie

Cloud Computing soll Standard werden

Viele Unternehmen haben bereits E-Mail-Dienste oder elektronische Archive in die Cloud verlagert. Doch in öffentlichen Verwaltungen fehlen oft noch passende Lösungen. Das will die EU-Kommission nun ändern.

Die Cloud-Dienste verschiedener Anbieter stellen sicher, dass kein Fremder Zutritt auf das Betriebsgelände hat. obs

Die Cloud-Dienste verschiedener Anbieter stellen sicher, dass kein Fremder Zutritt auf das Betriebsgelände hat.

KölnE-Mail-Dienste, elektronische Archive, Dokumentenmanagement: IT-Leistungen wie diese haben viele Unternehmen bereits in die Cloud verlagert - in öffentlichen Verwaltungen fehlen häufig passende Lösungen. Ein knapp zehn Millionen Euro teures Forschungsprojekt der EU soll dies ändern. Derzeit werden die Ausschreibungen für Pilotprojekte vorbereitet.

„Uns geht es darum, dazu zu kommen, dass im öffentlichen Sektor gemeinsame Anforderungen definiert werden“, sagt Carl-Christian Buhr, Cloud-Spezialist im Mitarbeiterstab von EU-Kommissarin Neelie Kroes. Obwohl die Verwaltungen der Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich organisiert sind, seien Herausforderungen wie der Kostendruck und Datenschutzfragen überall ähnlich. „Wir wollen Behörden unterschiedlicher Länder in die Lage versetzen, in Zukunft Dienste auch gemeinsam auszuschreiben.“

Die EU erhofft sich viel vom Cloud-Computing: Laut Kommission könnten bei Anbietern und Anwendern bis 2020 rund 2,5 Millionen neue Jobs in Europa entstehen. „Der öffentliche Sektor, auf den etwa 20 Prozent der IT-Ausgaben zurückzuführen sind, spielt dabei eine Schlüsselrolle“, sagt Buhr. Angekurbelt werden soll der Markt auch mit EU-weiten Standards. Gemeinsam mit Vertretern der IT-Branche werden zurzeit Anforderungen in Sicherheitsfragen und für den Leistungsumfang definiert.

Rechtlich verbindliche Vorgaben sollen daraus vorerst aber nicht entstehen. „Es geht um Standards, denen sich die Anbieter aus Eigeninteresse freiwillig unterwerfen werden“, sagt Buhr. So erstelle eine Arbeitsgruppe der Industrie einen Verhaltenskodex, der derzeit von den Datenschutzbehörden der EU-Staaten geprüft werde. Dort soll spezifiziert sein, wie Anbieter den Datenschutz gewährleisten. „Die Unternehmen haben dann eine Art Gütesiegel - auch Kunden, die keine Cloud-Experten sind, können sicher sein, dass EU-weite Standards eingehalten werden.“

Helmut Fallmann, der als Chef des österreichischen Softwareanbieters Fabasoft an EU-Arbeitsgruppen beteiligt ist, begrüßt den Vorstoß der Kommission. „Wir brauchen dringend mehr Transparenz und eine bessere Vergleichbarkeit.“

Fallmann sieht kleine und mittlere Anbieter im Nachteil gegenüber den Branchengrößen: „Für Anwender gibt es aktuell keine Vergleichbarkeit. US-Anbieter zwingen Kunden in Verträge, die diese aus Unwissenheit annehmen.“ Fallmann fordert, dass die Standards der EU im nationalen Recht der Mitgliedstaaten verpflichtend werden - vor allem mit Blick auf den Datenschutz. „Jedes Auto muss vom Tüv zugelassen werden. Es ist mir nicht begreiflich, warum es für die virtuelle Welt keine Regeln geben soll.“

Buhr verweist dagegen auf bestehende Datenschutzregeln, die konsequenter umgesetzt werden müssten. Lücken, die multinationale Konzerne ausnutzen, solle die Datenschutzreform schließen, um die die EU-Staaten seit Jahren ringen.

Von

ermi

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