Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2013

11:48 Uhr

Europäischer Erfinderpreis 2013

Architektin der modernen Computerwelt

VonUta Deffke

95 Prozent aller Smartphones weltweit sind mit Prozessoren ausgestattet, die auf Entwicklungen von Sophie Wilson zurückgehen. Auch Apple-Guru Steve Jobs interessierte sich für die Erfindungen der Computer-Pionierin.

In einer Zeit, in der noch kaum jemand wusste, wozu Computer gut sind und schon gar niemand eine besaß, gehörte Sophie Wilson zu den Pionieren des PC- und Prozessor-Baus. 

In einer Zeit, in der noch kaum jemand wusste, wozu Computer gut sind und schon gar niemand eine besaß, gehörte Sophie Wilson zu den Pionieren des PC- und Prozessor-Baus. 

BerlinDie Champagnerkorken knallten, als der nagelneue Prozessor seinen Testlauf tadellos absolviert hatte. Monate harter Arbeit lagen hinter Sophie Wilson, Steve Furber und ihren Kollegen von der britischen Computer-Firma Acorn. Sie hatten sich – ohne wirkliche Erfahrung auf diesem Gebiet – daran gewagt, einen eigenen Prozessor zu bauen, um ihren Computern schnelleres Arbeiten zu ermöglichen.

Dass der Prototyp beim ersten Test so problemlos lief, war allerdings eine Sensation. Denn bei genauerem Hinsehen stellte Furber fest, dass eine Leitung auf der Platine kaputt und damit die Stromversorgung unterbrochen war. Der Prozessor brauchte offenbar so wenig Energie, dass ihm Leck-Ströme aus dem übrigen Kreis reichten.

Ein Zufall, wie Sophie Wilson betont, und der Garant für einen Jahrzehnte langen Erfolg, wie er im rasant getakteten Computer-Geschäft sehr selten ist: Von seiner Geburtsstunde im April 1985 bis zum Jahr 2012 wurden rund 30 Milliarden dieser ARM-Prozessoren verkauft, hauptsächlich für mobile Geräte, die ohne sehr sparsamen Betrieb nicht denkbar wären. Rund 95 Prozent aller Smartphones weltweit sind damit ausgerüstet, außerdem Tablets, Video- und Fotokameras, digitale TV-Geräte, ABS-Systeme und vieles mehr.

Im Prinzip bis heute unverändert

„Bis zur vorletzten Version war noch mein Original-Code darauf“, erzählt Wilson. Mittlerweile ist der Chip zwar dank neuer Fertigungstechnologien in der Fläche um den Faktor 10.000 geschrumpft, sonst aber im Prinzip unverändert. Es macht sie immer noch staunen, dass dieser Chip auch 30 Jahre nach seiner Erfindung so populär ist.

Ganz im Gegensatz zu seiner Erfinderin. Die Britin Sophie Wilson hat zwar im Laufe der Jahre einige Ehrungen erfahren, zuletzt wurde sie Fellow des Computer History Museums und in diesem Jahr Fellow der Royal Society. Aber über die Fachcommunity hinaus ist sie kaum bekannt – kein Vergleich mit ähnlich einflussreichen Pionieren wie Steve Jobs (Apple) oder Tim Berners-Lee (World Wide Web). Auch in ihrer ländlichen Heimat bei Cambridge weiß niemand, dass die blonde Frau, die so gerne mit Fotokamera und Stativ unterwegs ist, gewissermaßen für den Herzschlag ihrer Handys verantwortlich ist. Nun ist sie nominiert für den Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Lebenswerk.

Während Sophie Wilson ihr Leben als Frau erst vergleichsweise spät begann – sie wurde 1957 als Roger Wilson geboren – war sie in Sachen Computer ein Frühstarter. In einer Zeit, in der noch kaum jemand wusste, wozu diese Rechenmaschinen gut sind und schon gar niemand eine besaß, gehörte sie zu den Pionieren des PC- und Prozessor-Baus. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×