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18.01.2006

10:37 Uhr

Ex-Monopolist leidet unter der Internet-Telefonie

France Télécom testet noch schnelleres Netz

Die France Télécom startet einen Feldversuch für ein Hochgeschwindigkeits-Glasfaser-Netz. Bis Sommer 2006 sollen „mehrere tausend Haushalte“ in sechs Stadtbezirken von Paris und sechs Städten des Départements Haute-de-Seine superschnelle Glasfaser-Anschlüsse bekommen, teilte der Konzern am Dienstag mit.

ali PARIS. Dazu kommt die „Fiber-to-the-Home“-Technik (FTTH) zur Anwendung, die Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Über die Kosten machte France Télécom keine Angaben.

Angesichts steigender Konkurrenz durch die Öffnung der etablierten Netze möchten sich Ex-Monpolisten wie Deutsche Telekom oder France Télécom mit neuen, superschnellen Netzen einen Wettbewerbsvorsprung erarbeiten. Sie fordern, dass diese Netze zunächst von der Regulierung ausgenommen werden, damit sich die Investitionen rechnen.

Der französische Markt ist bei der Verbreitung des schnellen Webs wesentlich weiter als der deutsche. So sind im Nachbarland bereits mit dem schon vorhandenen Netz dank der ADSL2+-Technik Übertragungsraten von 24 Megabit pro Sekunde möglich. So genannte Triple-Play-Angebote – unbegrenztes Telefonieren, schnelles Web und TV über DSL zum Pauschalpreis von knapp 30 Euro – sind weit verbreitet.

Vor diesem Hintergrund will France Télécom anders als der deutsche Wettbewerber nicht massiv in die VDSL-Technik investieren. Denn diese erlaubt nur Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde – zu wenig, um für französische Nutzer einen signifikanten Unterschied zur bestehenden Technik zu bewirken. France Télécom setzt daher auf die Technik FTTH: Dank Übertragungsraten von 100 Megabits werden neue Dienste wie hochauflösendes Fernsehen, Videokonferenzen und superschnelle Downloads möglich.

Doch angesichts einer bröckelnden Stellung auf dem Heimatmarkt und der hohen Schuldenlast von über 40 Mrd. Euro startet der französische Ex-Monopolist seine Highspeed-Netzpläne sehr vorsichtig und wagt zunächst nur einen Modellversuch. France Télécom hat derzeit schlichtweg nicht die Mittel, um massiv in ein neues Hochgeschwindigkeitsnetz zu investieren, dessen Rentabilität angesichts der bereits weit verbreiteten DSL-Technik als unsicher gelten muss.

Der Ex-Monopolist leidet unter der Internet-Telefonie, die sich schneller als erwartet verbreitet. Die Folge: Vergangene Woche erschütterte der Konzern mit einer erneuten Umsatzwarnung die Finanzmärkte. Vor diesem Hintergrund hätten Analysten wenig Verständnis, würde France Télécom nun milliardenteure Netzpläne verkünden.

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