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04.01.2007

11:07 Uhr

Experten erwarten Trendwende

Online-Telefonieren wird bequemer

VonChris Löwer

Der Online-Telefonie könnte in diesem Jahr der Durchbruch gelingen. Vor allem in Städten mit einem leistungsstarken DSL-Netz telefonieren immer mehr Privatkunden über das Internet - ohne dabei den Computer hochfahren zu müssen. Denn dank technischer Verbesserungen funktioniert das sogenannte "Voice over IP" mittlerweile auch mit normalen Telefonen.

Voice-over-IP macht dem klassichen Telefonanschluss Konkurrenz. Foto: dpa

Voice-over-IP macht dem klassichen Telefonanschluss Konkurrenz. Foto: dpa

BERLIN. Das Telefonieren über das Internet war lange Zeit nur was für Computerfreaks. Es funktionierte nur mit einem so genannten Headset, das an den PC angeschlossen werden musste, die schlechte Sprachqualität schreckte viele potenzielle Nutzer eher ab. "In der Vergangenheit nutzten daher vor allem technisch Versierte und Firmen, die über ihr eigenes Netz intern kommunizierten, die Möglichkeit von Voice over IP", sagt Manfred Breul, Bitkom-Bereichsleiter Telekommunikation.

Im neuen Jahr könnte die Trendwende geschafft werden. Eine breite Versorgung mit DSL-Leitungen für eine schnelle Datenverbindung und Telefone, die direkt mit der Datenleitung verknüpft werden können, haben die Internettelefonie attraktiver gemacht. Es kommt hinzu, dass Telefonate über das Internet konkurrenzlos billig sind. Viele Kunden telefonieren deshalb nach dem Umstieg auf einen DSL-Internetanschluss oft nur noch über das Netz. Eine Telefonbox verbindet dann Internet und Telefonanschluss. Gut funktioniert das vor allem im leistungsstarken Großstadtnetz. In ländlichen Gegenden fehlen allerdings solche schnellen Datenleitungen. Dort kann ein Telefonat zum Geduldsspiel werden. "Ein Problem besteht darin, dass das Internet die Sprachpakete über nicht bevorzugt überträgt, was bei langsameren Verbindungen, wie über ISDN-Leitungen, zu Einbußen in der Sprachqualität führt", sagt Breul.

Auf Voice over IP greifen nicht mehr nur Computerfreaks zurück

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Verbreitung der Internettelefonie - im Fachjargon Voice over IP genannt - ist daher die flächendeckende Versorgung mit Breitbandanschlüssen. Nach Angaben des ITK-Branchenverbandes ist 2005 die Zahl schneller Internetleitungen in Deutschland um 56 Prozent auf 10,6 Millionen gestiegen. Bis 2008 rechnet man mit einer Verdoppelung der Anschlüsse. Analysten von Deloitte & Touche taxieren daher das Volumen des bis dato schwachen deutschen Voice-over-IP-Marktes für 2007 bis 2008 auf rund zehn Milliarden Euro.

Bisher waren es eher Computerfreaks, die übers Web telefonieren. Für sie hatte das zumeist Spaßcharakter - praktisch war es bis dato nicht. "Wer will schon den PC hochfahren, um zu telefonieren?", fragt der Bitkom-Mann und verweist auf den Energieverbrauch, der den erhofften Einspareffekt bei ohnehin niedrigen Telefonkosten womöglich wieder auffrisst.

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