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28.01.2015

13:23 Uhr

Facebook-AGB

Friss oder stirb

VonTina Halberschmidt

In zwei Tagen will Facebook seine allgemeinen Geschäftsbedingungen ändern. Wer sein Profil nicht löscht, stimmt den neuen AGB automatisch zu. Nicht nur deswegen hagelt es Kritik von Politikern und Datenschützern.

Daumen hoch? Wegen seiner neuen Richtlinien erhält Facebook zurzeit nur wenig Zuspruch. AFP

Daumen hoch? Wegen seiner neuen Richtlinien erhält Facebook zurzeit nur wenig Zuspruch.

DüsseldorfEnde der Woche sollen die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen in Kraft treten. Dann können Mitglieder genauer festlegen, wer ihre Einträge ansehen kann. Doch die neuen AGB bringen auch eine viel detailliertere Verfolgung des Nutzerverhaltens mit sich – und das beschäftigt heute sogar den Rechtsausschuss des Bundestages. 

Abgeordnete und Datenschützer kritisierten das Online-Netzwerk. Facebook gebe nicht ausreichend Auskunft darüber, welche Nutzerdaten gesammelt und verknüpft würden. „Die Frage ist: Welche Daten werden im Hintergrund gesammelt, und wie gehen die verschiedenen Unternehmen damit um?“, sagte Mechthild Heil, die in der Unionsfraktion für den Verbraucherschutz zuständig ist.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar erklärte, es sei unklar, ob aus den Daten Nutzerprofile gebildet würden und ob die Weiternutzung als Einwilligung ausreiche. „Facebook ist nach wie vor nicht der Meinung, dass deutsches Datenschutzrecht gilt“, sagte er.

Schon im Vorfeld der Sitzung hatte die Vorsitzende des Ausschusses, Renate Künast, dem weltweit größten Social Network mangelnde Offenheit vorgeworfen. „Noch immer ist nicht klar, welche Daten Facebook eigentlich zu welchem Zweck sammelt, nutzt und auswertet“, so Künast. Facebook hätte früher mit Verbraucherschützern oder dem Bundestag sprechen sollen. „Eine marktbeherrschende Stellung sollte mit Transparenz Hand in Hand gehen“, erklärte die Grünen-Politikerin. „Bei Facebook sehe ich das nicht.“

Der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke hat bereits vor einigen Wochen die geplanten neuen Nutzungsbedingungen von Facebook unter die Lupe genommen und teilt Künasts Bedenken: „Offen bleibt nach wie vor die zentrale Frage, in welcher Form Facebook Nutzerdaten speichert und wie diese Daten intern verwendet und an Dritte weitergegeben werden.“

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Aus seiner Sicht außerdem ein Ärgernis: Auf die explizite Zustimmung der Nutzer in die neuen Nutzungsbedingungen wird verzichtet. Wer sich nach dem 30. Januar auf Facebook einloggt, stimmt den neuen AGB automatisch zu. Ein Widerspruch ist nicht möglich. Nutzer, die die neuen Bedingungen nicht akzeptieren wollen, haben lediglich die Möglichkeit, ihr Facebook-Profil komplett zu löschen. Auch die gern bei Facebook geteilten Bilder, auf denen zu lesen ist, man stimme den neuen Bedingungen nicht zu, sind unwirksam. Es gilt also: Akzeptieren oder Abmelden.

Medienanwalt Solmecke prangert das an: Damit eine Änderung der Nutzungsbedingungen wirksam werde, müssten entweder die Nutzer explizit zustimmen oder es müsste sich schon jetzt in den AGB ein wirksamer Änderungsvorbehalt finden, so Solmecke. „Eine explizite Zustimmung würde nur dann vorliegen, wenn der Nutzer über eine sogenannte Opt-in-Funktion aufgefordert werden würde, den neuen Nutzungsbedingungen zuzustimmen.“ Die aktuelle Änderung sei deswegen nach deutschem Recht illegal und nicht wirksam.

Kommentare (8)

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Herr Andreas Rost

29.01.2015, 08:58 Uhr

Eins ist sicher: Nutzerprofile werden auf jeden Fall erstellt, verknüpft und auch verwendet. Egal, was da beteuert wird und wie groß Datenschutz geschrieben wird. Man nehme doch z.B. all diese Testseiten, die via Facebook erreichbar sind. Da werden einem massig Fragen zum eigenen Leben und Verhalten gefragt und daraus eine Antwort generiert. Meistens. Seiten wie de-what-character.... scheinen aber nicht mal die Antwort mit den Fragen zu verknüpfen, denn bei denselben Antworten kommen unterschiedliche Ergebnisse ... per Zufall ausgesucht? Dafür kommen dort viel mehr neue Tests als anderswo. Warum macht man so etwas? Sicher nicht, um die Bebutzer zu unterhalten. Auf die Art kann man bestimmt gut interessante Daten sammeln, denn wer wird da schon falsch antworten? Jeder möchte doch sehn "was zu mir passt". Und je mehr Test es gibt, um so mehr kann man die Zufallsdaten von den echten Antworten trennen.
Nein, ich glaub nicht, daß die Daten, die da gesammelt werden, irgendwo verschwinden. Was einmal im Internet ist, bleibt im Internet. Löschen zwecklos. Man kann davon ausgehen, das alles weiterverwendet wird, legal und weniger legal.
Facebook hat ja auch Whatsapp gekauft. Um ein neues Geschäftsfeld aufzurollen? Oder um hintenherum Handynummer und Facebookaccount zu verknüpfen? Wer Apps installiert, muß eh damit rechnen, daß diese Telefonnummern abgreifen.
Doch was wäre die Alternative? Facebool ist sicher nicht schlecht, man kann mit vielen Freunden gleichzeitig in Kontakt bleiben, man kann gemeinsam herumalbern oder seine Meinung teilen. Man kann natürlich auch jede Menge Unsinn damit anstellen, der nicht im Sinne der Facebookmacher ist. Dennoch denk ich, es ist gut, denn ohne wäre so manches Leben langweiliger, es gibt genug Leute, die sich schwer tun, nach draußen zu gehn und sich unter das Volk zu mischen. Auf diese Art haben auch diese eine Chance auf eine Art soziales Leben und müssen nicht immer ganz allein in der Stube hocken.

Herr Peter Gross

29.01.2015, 09:33 Uhr

Eins, nein zwei Dinge sind sicher: Facebook ist

Herr Peter Gross

29.01.2015, 09:34 Uhr

Eins, nein zwei sind sicher: 1. Facebook ist gut, beliebt und zu viele machen sich keine Gedanken über das was mit ihren Daten geschieht.

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