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22.02.2011

12:00 Uhr

Facebook, Twitter, Google

Die digitalen Waffen der modernen Revolutionäre

VonStephan Dörner

Die arabische Welt brennt. Von Algerien bis Saudi-Arabien zittern autoritäre Machthaber vor der Macht der Straße - und des Internets. Mit welchen Tools der Revolutionär von heute die Regierungen bekämpft.

Ägyptische Demonstranten recken triumphierend ihre Mobiltelefone in die Luft: Flashmob als Mittel der Revolution. Quelle: dapd

Ägyptische Demonstranten recken triumphierend ihre Mobiltelefone in die Luft: Flashmob als Mittel der Revolution.

DüsseldorfRegime werden auch im 21. Jahrhundert noch durch den Druck der Straße gestürzt - aber große Teile der Organisation der Proteste, finden im Internet statt. Nicht nur dem gestürzten ägyptischen Staatschef Husni Mubarak war das klar, als er das Internet in seinem Land abschalten ließ, auch Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi greift zu diesem Mittel. Doch wohl vergeblich.

Zwar ist die Rolle, die das Netz für die Proteste in der arabischen Welt spielt, umstritten. Nicht wenige weisen zu recht darauf hin, dass der arabische Fernsehsender Al Jazeera, der trotz aller Einschüchterungsversuche unabhängig und kritisch über die Proteste berichtet, eine mindestens ebensogroße Rolle spielt. Eindeutig ist jedoch, dass bei der Organisation der Proteste, neue Medien eine tragende Rolle spielen.

Das mobile Netz ist fast allgegenwärtig

Bei ihrer Telekommunikations-Infrastruktur haben viele arabischen Länder eine Evolutionsstufe der westlichen Welt übersprungen: Kaum ein Bürger Ägyptens, Libyens oder des Jemens hat Zugriff auf einen PC mit Internet-Anschluss - aber fast jeder ein Handy, nicht wenige davon internetfähig. Laut Anne Alexander von der Cambridge-Universität besitzen beispielsweise 80 Prozent der Ägypter ein Mobiltelefon, schreibt sie in einem Gastbeitrag für die BBC.

Das führt dazu, dass über gewaltsame Übergriffe von Polizei und Soldaten häufig in Echtzeit im Internet berichtet wird. Bilder der brutalen Einsätze laufen in kürzester Zeit in dem Videoportal Youtube. Dabei nutzen Aktivisten auch die Macht der popkulturellen Inszenierungen: Ein geschickt zusammengeschnittenes Video der Proteste in Ägypten, mit dem Popsong "Into the Fire" unterlegt, wurde allein auf Youtube bereits fast zwei Millionen Mal aufgerufen. Ähnliche Videos gibt es inzwischen für alle arabischen Länder, in denen die Menschen derzeit auf die Straße gehen. Teilweise zeigen sie die drastische Gewalt der Sicherheitskräfte.

Die Opposition in Ägypten hat das Internet von Anfang an als Organisationsplattform genutzt. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bildete eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Bewegung 6. April" die Keimzelle der breiten Protestbewegung. Die Gruppe war in Solidarität mit dem jungen Ägypter Ahmad Maher gegründet worden, der von der Polizei gefoltert und bedroht wurde, nachdem er den Streik von Textilarbeitern am 6. und 7. April 2008 öffentlich gemacht hatte. 80 000 Mitglieder der Facebook-Gruppe riefen zu Demonstrationen am 25. Januar auf, die den Stein schließlich ins Rollen brachten.

Einzelne Aktivisten nutzen auch neue Tools und Möglichkeiten des Netzes. So setzt der Netzaktivist Aramus Google Maps dazu ein, Berichte über gewaltsame Übergriffe auf friedliche Demonstranten geographisch zu dokumentieren. Seine Quelle: Twitter-Accounts, die er als vertrauenswürdig einstuft. Schon während der Aufstände im Iran im Sommer 2009 nutzten Oppositionsgruppen Twitter, Facebook sowie das im Iran weit verbreitete soziale Netzwerk Friendster, um die Orte für neue Demonstrationen zu verkünden. Sogar der Flashmob wurde zum Mittel der Revolution: Als das Regime eine Ausgangssperre verhängte, verabredeten sich die Aktivisten über das Internet dazu, aus Protest gegen die Maßnahme "Allah ist groß" von ihren Dächern zu rufen.

Auch für ein ganz klassisches Instrument von Revolutionären wurde in Ägypten das Internet zum Trägermedium: Flugblätter, die Demonstranten Tipps beim Umgang mit der Staatmacht gaben. PDF-Dateien mit Tipps zur Revolution und Überschriften wie "Friedlich bleiben", "Fernsehsender besetzen" und "Vodafone-Läden blockieren" sowie Tipps zum Umgang mit Tränengas und Wasserwerfern wurden per E-Mail und mittels Links auf Facebook und Twitter verbreitet, wie FTD.de dokumentiert.

Kommentare (1)

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CaptainJacob

22.02.2011, 15:16 Uhr

Ja, ja das Internet ist mächtig. Daher implementieren immer mehr Regierungen ein Not-Aus-Schalter fürs Internet (bisher bekannt: USA, Österreich, Deutschland) http://www.heise.de/newsticker/meldung/Oesterreich-bereitet-Kill-Switch-fuer-das-Internet-vor-2-Update-1181448.html
http://www.wahrheitsnetzwerk.de/index.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,700136,00.html

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