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10.11.2012

09:32 Uhr

Flucht aus der Datenmühle

Wer Ihre Daten hat und was Sie dagegen tun können

Quelle:WirtschaftsWoche Online

Behörden und Unternehmen sammeln massenhaft Daten über Bürger und Kunden. Eine Tatsache, der sich viele Menschen oft hilflos ausgesetzt fühlen. Dabei können sie die Kontrolle über die Datenmühle durchaus behalten.

Viele Menschen fühlen sich der Datensammelwut hilflos ausgeliefert. dapd

Viele Menschen fühlen sich der Datensammelwut hilflos ausgeliefert.

DüsseldorfBei dem Blick in das eigene digitale wie analoge Postfach können einem manchmal die Nerven durchgehen. Werbeflyer und Spam-Mails erinnern daran, dass die eigenen Daten im Internet kursieren und auf Servern von Unternehmen und Behörden gespeichert sind.

Wer seinen Namen und seine Adresse schon mal irgendwo angegeben und in einem Social-Media-Profil ein paar Links und Tipps von „Freunden“ mit einem „Gefällt mir“ belohnt hat, ist ein gläserner Kunde. Die Bezeichnung für den Menschen, über den die Werbewirtschaft alles zu wissen scheint, wird längst wie selbstverständlich benutzt. Sogar das gezielte Einsetzen der gesammelten Informationen hat in der Werbewirtschaft seinen eigenen Begriff: „Targeting“.

Nur 18 Prozent der Online-Käufer in Europa haben den Eindruck, die vollständige Kontrolle über ihre Daten zu haben. Das hat die Umfrage „Eurobarometer - Einstellungen zum Datenschutz und Elektronischer Identität in der EU“ aus dem Jahr 2011 ergeben. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, sich zumindest einen recht umfassenden Überblick über das Daten-Chaos zu verschaffen. Man muss nur eines tun: Nachfragen.

Einmal im Jahr sind Unternehmen und Behörden in Europa verpflichtet alle gespeicherten Informationen über eine Person bekannt geben. Dazu muss der Bürger oder Kunde eine schriftliche Anfrage stellen. Binnen weniger Wochen sollten die vorliegenden Daten dann per Post zugeschickt werden. Dabei beschränkt sich die Auskunftspflicht nicht nur auf die Daten. Auch der Verwendungszweck muss sauber ausgewiesen werden. Aufwendig ist dieses Vorgehen dennoch, denn jede Stelle muss separat angefragt werden - von Amazon bis zum Kraftfahrtbundesamt.

Allgemein gilt, dass Unternehmen und Behörden alles speichern dürfen, was sie für ihre Geschäftszwecke brauchen. Auch alle Angaben, die Kunden freiwillig machen, dürfen archiviert werden. Ebenso alles, was öffentlich zugängig ist. Damit ist jedes Social-Media-Profil, jeder Blog, jede Homepage oder auch jeder Twitter-Feed gemeint. Auch was andere über einen öffentlich machen, zählt dazu, sofern nicht dagegen vorgegangen wird.

Kommentare (8)

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10.11.2012, 10:02 Uhr

'Was man tun kann?' Und jedes Auskunftsersuchen ist ein neues Steinchen im Datenmosaik, die mitzuliefernden Daten sind nützlich zum Abgleich und vielleicht ist sogar eine neue Information dabei. Zumindest hat man damit ein bombensicheres Lebenszeichen und Standortsignal abgegeben. Das ist also kontraproduktiv und nur ein Trostpflästerchen für die Gutgläubigen.
Dagegen hilft nur ein niedriges Profil und ständige Bewegung.

Erwin

10.11.2012, 10:22 Uhr

@mondahu:
Kann Ihnen nur beipflichten.
Trotzdem gut, daß Handelsblatt uns die Ausweglosigkeit so drastisch vor Augen geführt hat.
Und selbst wenn man sicher wäre, daß die entsprechenden Daten dann vernichtet würden:
Welcher Normalsterbliche hat die Zeit, all diese Auskunftsersuche zu stellen?

leo

10.11.2012, 10:27 Uhr

"Nicht berücksichtigt werden der Wohnort, das Geschlecht oder das Alter bei der Berechnung."
WO haben sie das denn her? NATÜRLICH werden diese Daten berücksichtigt, sogar geschätzt, wenn sie nicht vorliegen. Und meist sind es ja auch die einzigen Daten, die manchne Auskunfteien überhaupt haben! Also wird aus Geodaten (solvente Straße?), Alter (je älter desto zuverlässiger) eine Schätzmischung gebraut, die auf das Zahlungsverhalten schließen lassen soll. Der NDR hat vor einigen monaten über einen solchen Fall berichtet.

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