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07.08.2015

13:52 Uhr

Gamescom

Gehversuche auf dem Holodeck

VonChristof Kerkmann

Bald kommt das Holodeck für den Heimgebrauch: Mehrere Hersteller arbeiten an Virtual-Reality-Brillen. Die Hersteller probieren nun auf der Gamescom, was bei den Spielern ankommt – und wovon ihnen schlecht wird.

Außenwelt ausgeblendet

Diese Brillen ermöglichen einmaliges Spielerlebnis

Außenwelt ausgeblendet: Diese Brillen ermöglichen einmaliges Spielerlebnis

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KölnAls erstes sehe ich nur eine riesige Form, die sich hinter den schwebenden Fischen langsam in mein Blickfeld schiebt. Als ich mich hindrehe, zucke ich zurück: Auf der anderen Seite der Reling taucht ein mächtiger Wal an dem Wrack vorbei, auf dem ich gerade stehe. Mit seinem kleinen Auge fixiert er mich. Vorsichtig trete ich einige Schritte näher – bis der Computer ein Gitternetz einblendet.

Die Tauchstation steht auf dem Messegelände in Köln. Der Elektronikhersteller HTC hat dort anlässlich der Gamescom einen Besprechungsraum gemietet, in dem Besucher seine Virtual-Reality-Brille Vive ausprobieren können. Das Unternehmen will auf der Computerspielemesse die Besucher begeistern und ihre Reaktionen testen.

Spielemesse Gamescom: Komm, spiel mit mir

Spielemesse Gamescom

Premium Komm, spiel mit mir

Auf der Spielemesse Gamescom geht es vor allem um eins: Virtual Reality. Die Technik hat enorme Fortschritte gemacht – nicht zuletzt wegen eines Start-ups. Das Potenzial, auch für andere Branchen, ist laut Experten groß.

Darum geht es derzeit vielen in der Branche: Virtual Reality, kurz VR, ist eine faszinierende, aber auch weitgehend unerprobte Technologie. Diverse Geräte sind in Arbeit und sollen in den kommenden Monaten an die Spieler verkauft werden. Jetzt probieren die Programmierer von HTC und Sony, Ubisoft und Crytek auf der Gamescom aus, welche Konzepte ankommen und welche Tücken es noch gibt. Zum Beispiel Begrenzungen des virtuellen Raums.

HTC wird als erster Anbieter eine serientaugliche Brille für den PC verkaufen. Im Weihnachtsgeschäft will der taiwanische Elektronikhersteller gemeinsam mit der Spieleschmiede Valve eine erste Version herausbringen, voraussichtlich auch in Deutschland. 2016 soll der Vertrieb richtig losgehen. Zu Details wie dem Preis und dem Softwareangebot schweigt das Unternehmen aber noch.

Virtual-Reality-Brillen

Taucherbrille fürs Virtuelle

Ob Oculus Rift, Playstation VR oder HTC Vive: Alle Virtual-Reality-Brillen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Sichtfeld zeigt ein Bildschirm die virtuelle Umgebung an, Linsen sollen für einen Rundum-Effekt sorgen. Das Bild wird bei jeder Bewegung des Kopfes angepasst – Sensoren messen jede Veränderung, der Computer errechnet blitzschnell das neue Bild.

Oculus Rift von Oculus VR

Gründer Palmer Luckey baute eine erste Datenbrille aus Smartphone-Komponenten zusammen. Inzwischen hat die Facebook-Tochter die Technik so verfeinert, dass 2016 eine erste Verbraucherversion von Oculus Rift fertig sein soll. Viele Entwickler experimentieren bereits mit der Hardware und schreiben Programme. Ohne leistungsfähigen PC werden Nutzer aber nichts davon haben.

Gear VR von Samsung

Samsung bietet die Datenbrille Gear VR als Zubehör fürs Smartphone an – es wird in die Halterung geschoben und dient als Display, die zwei Linsen in der Brille sorgen für die 3D-Optik. Damit ist das System nicht so leistungsfähig wie Konkurrenzprodukte, aber mobil. Die Technik stammt übrigens von Oculus VR.

Vive von HTC und Valve

Der Elektronikhersteller HTC entwickelt seine Virtual-Reality-Brille Vive gemeinsam mit dem Spielespezialisten Valve. Um die Position des Spielers möglichst genau zu ermitteln, werden im Raum zwei Lasersensoren montiert, die mit den Sensoren am Gerät permanent in Kontakt sind. Eine Besonderheit: Nutzer können sich damit im Raum bewegen. Einführung: noch 2016.

Cardboard von Google

Die virtuelle Realität muss nicht teuer sein: Mit Cardboard hat Google eine zusammenfaltbare Pappkonstruktion entwickelt, in die Nutzer ihr Smartphone schieben können. Eine App bereitet die Bilder passend auf. Technisch sind die anderen Systeme überlegen, Cardboard lässt aber erahnen, welche Möglichkeiten es gibt. Der Internetkonzern soll auch anderen Produkten arbeiten.

Das Besondere an Vive: Die Technik lässt sich wie ein Holodeck nutzen. Spieler können sich mit dem Gerät auf dem Kopf bewegen, der Computer überträgt die Schritte in die virtuelle Welt, etwa im Unterwasserszenario. Um Kollisionen zu verhindern, zeigt das System ein Gitternetz an, wenn man sich einer Wand nähert. „Das Raumgefühl ist der Schlüssel“, sagt HTC-Manager Fabian Nappenbach. Dadurch wirke die virtuelle Realität erst richtig echt. Allerdings braucht es dafür Platz. Das System funktioniert zwar durchaus im Sitzen, „spannend wird es aber ab drei mal vier Meter“, erklärt Nappenbach. Manches Studentenzimmer ist kleiner.

Auch wenn die Markteinführung kurz bevor steht: Die Vive-Macher wissen, dass sie zunächst nur eine kleine Zielgruppe erreichen. Weil die Grafik so aufwendig ist, läuft die Brille nur mit einem hochgerüsteten Computer, ähnlich wie beim Vorreiter Oculus Rift. „Die ersten Nutzer werden High-End-Gamer sein, aber schon im Weihnachtsgeschäft 2016 wird ein üblicher PC genug Rechenleistung haben“, hofft Nappenbach.

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