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19.08.2011

10:52 Uhr

Gamescom

Revolution aus dem Netz

VonMichael Brächer

Die Spielebranche befindet sich im Umbruch: Die Spiele werden sozialer, die Spieler nehmen die Entwicklung selbst in die Hand. Wie das Internet die Branche auf den Kopf stellt.

"Farmville" ist zum Massenphänomen geworden. Quelle: picture alliance / dpa

"Farmville" ist zum Massenphänomen geworden.

KölnComputerspieler gelten nicht gerade als sonderlich sozial: Hartnäckig hält sich das Klischee des Spiele-Nerds, der im stillen Kämmerlein vor sich hin daddelt und sich dabei ausschließlich von Pizza und Softdrinks ernährt. Doch der Andrang auf der Computerspielmesse Gamescom - dieses Jahr werden 254.000 Besucher erwartet - zeigt: Computerspiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Jetzt sollen sie durch das Internet noch sozialer werden. Social Gaming heißt das Zauberwort, das etwa Anleger dazu bewegt, eine Firma wie Zynga ("Farmville") mit 13,8 Milliarden Dollar zu bewerten.

So viel Erfolg macht neidisch: Der Chef des Spieleschmiede Activision, einem Urgestein der Szene, verkündete auf der Gamescom fast schon trotzig, dass er die Bewertungen der Social-Game-Firmen für völlig überzogen hält. Die Konkurrenz bei Electronic Arts war da schneller – und hat schon 2009 für geschätzte 275 Millionen Dollar die Firma Playfish erworben. Seitdem ist Electronic Arts auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace und Google Plus präsent.

Welche Arten von Online-Spielen gibt es?

Die wichtigsten Begriffe im Überblick

Die Computerspiele-Branche setzt immer mehr aufs Internet. Doch abgesehen davon, dass die Spieler online sind, gibt es erhebliche Unterschiede – wir erklären die wichtigsten Begriffe.

Browser-Spiele

Der Name sagt es: Browser-Spiele lassen sich direkt im Browser aufrufen, zum Beispiel im Firefox oder im Internet Explorer. Für die Anzeige von Multimedia-Elementen ist oft eine Software-Erweiterung (Plug-In) notwendig, beispielsweise Flash. Der neue Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich. Auf dieser Plattform werden unterschiedliche Zielgruppen bedient: Es gibt Gelegenheitsspiele (Casual Games), aber auch komplexere Titel, beispielsweise aufwendige Rollenspiele, bei denen sich viele Nutzer gleichzeitig in der virtuellen Welt tummeln.

Social Games

Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind. Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, den virtueller Gütern. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur… Viele der Social Games richten sich an Gelegenheitsspieler, da sie wenig komplex sind.

MMOs

MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs – Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs treffen sich sehr viele Spieler über das Internet in einer virtuellen Welt. Diese wird von den Nutzern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.

Einige MMOs laufen im Browser, andere bedürfen der Installation eines Programms auf dem Computer – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“, das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.

Casual Games

Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.

Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Gelegenheitsspieler für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.

Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.

Spiele-Apps

Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.

Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf mehr als einer Milliarde mobilen Geräten gelandet.

„Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Karten auf allen Plattformen auszuspielen: So erreichen wir auch Frauen, Social Gamers und Casual Gamers", sagt der Deutschlandchef von Electronic Arts, Jens Coenen.

Sein Unternehmen hält die exklusiven Rechte zur Vermarktung der Bundesliga in Computer- und Videospielen. Jedes Jahr kann EA diese Lizenzen in einen neuen Teil der FIFA-Serie verwandeln, der für Playstation, XBox und PC erhältlich ist. Jetzt kommen soziale Netzwerke und Browserspiele dazu – und damit auch Spieler, die sonst nicht mit der FIFA-Serie in Kontakt gekommen wären. Social Gaming soll die Branche beflügeln.

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