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13.03.2014

11:17 Uhr

Gastbeitrag: Datenjagd auf Autofahrer

Der Spion in meiner Garage

VonJürgen Bönninger

Autos werden bald zu fahrenden Internetgeräten. Das hat Folgen: Die Gier nach mobilen Daten der Autofahrer erwacht. Warum wir jetzt bald dringend Datenschutzregeln fürs Auto brauchen.

Seblstlenkendes Fahrzerug auf der Cebit: Volkswagen Chef Martin Winterkorn (links) zeigt dem britischen Premierminister David Cameron (2.v.links) und Kanzlerin Angela Merkel wie die Zukunft aussehen könnte. Reuters, Sascha Rheker

Seblstlenkendes Fahrzerug auf der Cebit: Volkswagen Chef Martin Winterkorn (links) zeigt dem britischen Premierminister David Cameron (2.v.links) und Kanzlerin Angela Merkel wie die Zukunft aussehen könnte.

Auf der Computermesse Cebit ist in diesem Jahr eine Branche stark vertreten, die man dort bislang nicht unbedingt vermutete: die Automobilhersteller. Kein Wunder, denn Fahrzeuge entwickeln sich derzeit zu rollenden Rechenzentren. Schon jetzt bestünden sie „zu einem guten Teil aus Bits und Bytes“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn während seiner Eröffnungsrede. Und das sei erst der Anfang: „Mit dem rasanten Fortschritt bei Bandbreiten und Datenverarbeitung öffnen sich für die Mobilität jetzt natürlich noch ganz andere Türen“, so Winterkorn.

Das klingt gut, wirft aber hochrelevante rechtsstaatliche Fragen auf. Denn schon bald wird jedes Neufahrzeug über einen Internetanschluss und damit die nötige Infrastruktur zur Datenübermittlung verfügen – womit die Gefahr besteht, dass unkontrolliert eine Flut von Informationen übers Netz nach außen dringt.

Heikle Datenströme im Fahrzeug: Der überwachte Autofahrer

Heikle Datenströme im Fahrzeug

Der überwachte Autofahrer

Auto und Internet wachsen schnell zusammen. Experten fürchten nicht nur um die Sicherheit der Daten. Es ist auch unklar, wem diese eigentlich gehören.

Empfänger könnten diese Daten beispielsweise nutzen, um das Fahrverhalten zu analysieren oder gar Bewegungsprofile zu erstellen. Es ist deshalb höchste Zeit, dass der Rechtsstaat auf den technologischen Fortschritt reagiert und den gläsernen Autofahrer verhindert.

Nachdem Autos in den vergangenen Jahrzehnten immer sicherer und umweltfreundlicher geworden sind, müssen Hersteller und Politiker also nun auch dem Datenschutz ihre volle Aufmerksamkeit widmen – und dringend umfassende und verbindliche „No-Spy-Regeln“ in die EU-Verordnung über die Betriebserlaubnisse von Straßenfahrzeugen aufnehmen.

Jürgen Bönninger, Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation FSD Fahrzeugsystemdaten. PR

Jürgen Bönninger, Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation FSD Fahrzeugsystemdaten.

Dabei muss der Grundsatz gelten: Autofahrer entscheiden selbst, welche Daten an welche Empfänger gesendet werden. Bei dem automatischen Notrufsystem E-Call, dass das Europarlament Ende Februar mit großer Mehrheit abgesegnet hat, ist dies leider nicht vorgesehen.

Wenn die Mitgliedstaaten dem Vorschlag zustimmen, rufen in Zukunft alle Neuwagen nach einem Unfall automatisch die Notrufzentrale an und übermitteln wichtige Daten wie die Position des Wagens. Sicher: Das wird Leben retten. Trotzdem ist es meine feste Überzeugung, dass Menschen frei entscheiden sollten, ob sie die dafür nötige ständige Datenerfassung in Kauf nehmen oder nicht.

Kommentare (1)

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13.03.2014, 13:39 Uhr

Die gesamte Spionagetechnik kommt mir nicht ins Fahrzeug, oder wird wenn verbaut, deaktiviert. Überhaupt ist der Hype um die Vernetzung von Fahrzeugen absolut nicht nachvollziehbar. Sicher, es gibt Marktteilnehmer mit Interesse am Absatz entsprechender Systeme. Aber die Fahrzeugführer habe davon (fast) nichts. Erstens wird autonomes Fahren Illusion bleiben. Technisch unter günstigen Bedingungen sicher machbar, aber für der reellen Einsatz bei Schnee und Eis nicht tauglich. Und was passiert mit dem Verkehr im Falle eines Stromausfalles? Oder bei Virenbefall oder DDoS-Attacken? Das vernetzte Auto ist ein teurer Irrweg!

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