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08.01.2007

11:23 Uhr

Gates-Ankündigung

Microsoft macht Server familientauglich

VonJens Eckhardt

Server sind als Vermittlungs- und Speicherrechner bislang eine Domäne von Profis. Microsoft will das ändern und mit dem Home Server Privatkunden eine Lösung verkaufen, um zuhause drahtlos von mehreren Rechnern aus auf digitale Inhalte wie Filme, Bilder und Musik zugreifen zu können.

Microsoft-Gründer Bill Gates bei seiner Keynote auf der Messe CES 2007. Foto: ap ap

Microsoft-Gründer Bill Gates bei seiner Keynote auf der Messe CES 2007. Foto: ap

LAS VEGAS. Die Kulisse war typisch Las Vegas: Das Venetian, eine riesige Hotelmaschine, die Venedig nachbildet, komplett mit Kanälen und singenden Gondolieri; ein Ballsaal, der mehrere Tausend Menschen fasst und eine Multi-Unterhaltung aus Jongleuren, Stelzenmännern, Filmen und lauter Musik, die den rappelvollen Saal in Stimmung brachte.

Für Microsoft-Chef Bill Gates, der zum zehnten Mal die Internationale Consumer Electronics Show mit einem Vortrag eröffnete, war es das passende Vorprogramm. Locker, in offenem Hemd und ohne Jackett, entwickelte er seine Vision von der digitalen Zukunft. Sie wird zunehmend drahtlos und vernetzt sein, sagte er, und das nicht nur im Heim.

Die CES, die größte Messe für Verbraucherelektronik der Welt, findet in diesem Jahr zum 40. Mal statt und sie ist größer denn je. 2 700 Aussteller aus 130 Ländern zeigen das Neueste aus der Welt der elektronischen Kommunikation und Unterhaltung. Über 150 000 Besucher aus aller Welt machen die Messe zur wichtigsten Veranstaltung für das Spielerparadis Las Vegas, das in diesem Jahr die Besucher mit saftigen Preiserhöhungen abkocht wie noch nie.

Dem Optimismus der Elektronik-Branche tut dies indessen keinen Abbruch. Die Kommerzialisierung des Internets, die Ausbreitung der Breitbandkommunikation und sinkende Preise für elektronische Bausteine, vor allem zur Datenspeicherung, sorgen für eine Flut neuer Produkte für Kommunikation und Unterhaltung.

Wie sehr die Digitalisierung zu einem Schmelztiegel für verschiedene Branchen geworden ist, zeigt die Bandbreite der Aussteller und der Grundsatzreferate. Neben den traditionellen Herstellern von Verbraucherelektronik wie Sony, Toshiba oder Philips sind nicht nur Computerfirmen wie Dell oder HP und Chiphersteller wie Intel und AMD, sondern auch Netzwerkspezialisten wie Netgear und Cisco stark vertreten.

Neben Handyhersteller wie Nokia und Motorola geben sich die Anbieter von satellitengestütztem Radio und Fernsehen ein Stelldichein. Die Bandbreite der Interessen zeigt sich in den Grundsatzreferaten, den so genannte Keynotes, die neben Gates und Michael Dell in diesem Jahr auch die Chefs von Motorola und Nokia sowie von Cisco und von Walt Disney und der Fernsehanstalt CBS halten. Abwesend ist wie üblich Apple Computer, die parallel ihre Hausmesse Macworld in San Francisco veranstaltet.

Der Branchenverband Consumer Electronics Association rechnet damit, dass die Hersteller von Verbrau-cherelektronik in diesem Jahr Geräte im Werte von über 155 Mrd. Dollar an ihre Händler ausliefern werden, nach einem Rekord von 145 Mrd. Dollar 2006. „Wir sehen einem weiteren Jahr mit kräftigem Wachstum entgegen“, sagte Verbandschef Gary Shapiro. Das Umsatzwachstum 2006 übertraf die Voraussage des Verbandes deutlich, laut Verbandsvize Todd Thibodeaux vor allem wegen eines Nachfragebooms bei Flachbildfernsehern. Fallende Preise und das Vordringen des digitalen hoch auflösenden Fernsehens würden auch im laufenden Jahr das Interesse der Verbraucher anheizen.

In der schönen neuen Welt der Bits und Bytes sind Fotoalben, CD-Sammlungen oder Filme auf DVD passé. Bilder, Musik, Filme, TV-Sendungen und Videospiele residieren künftig auf einem zentralen Speicher, dem Home Server. Er ist drahtlos mit den Computern, Bildschirmen und Musikanlagen im Haus vernetzt. Alles kann über eine zentrale Fernbedienung abgerufen und gesteuert werden: Das Heimkino, das individuelle Musikprogramm oder Fotos auf Flachbildschirmen, die wie Bilder an der Wand hängen und vieles mehr. Die überwältigende Vielfalt neuer Produkte in Las Vegas zeigte, dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind.

„Die Hardware ist nicht das Problem“, sagte Gates, „sondern die elegante Verknüpfung der verschiedenen Geräte“. Windows Vista, die neueste Version des Microsoft-Betriebssystems, laut Gates „nicht nur das wichtigste, sondern auch das qualitativ hochwertigste Produkt, das wir je herausgebracht haben“, soll die Verknüpfung von Computern, Speichern, Telefonen und Unterhaltungselektronik leisten. Mit ihrem Musikspeicher Zune und ihrer hochauflösungsfähigen Spielkonsole Xbox spielt Microsoft eine Schlüsselrolle in der digitalen Welt. Ihr Chef für den Spiel- und Unterhaltungsbereich, Robbie Bach, sagte auf der Veranstaltung, dass von der Xbox bereits 10,4 Mill. Ex-emplare in 37 Ländern verkauft wurden. Die Xbox habe nicht nur eine zentrale Stellung in der Heimunterhaltung, sondern Xbox Live sei mittlerweile eine Internet-Gemeinde mit über 5 Mill. Mit-gliedern.

Im Gegensatz zu Apple, die auf Alleingang schwört, sucht Microsoft ihre Stellung durch Allianzen zu festigen und auszubauen. So kündigte Gates zum Beispiel an, dass Hewlett-Packard noch in diesem Jahr einen Windows Home Server vorstellen wird, der als zentraler Speicher für den digitalen Haushalt fungieren wird. Mark Fields, der US-Chef von Ford, kündigte zusammen mit Gates an, dass noch in diesem Jahr 12 Ford-Modelle mit einer Software ausgerüstet werden sollen, die drahtlos das Telefon, den Musikspeicher oder andere elektronische Geräte im Auto mit der Datenbasis zu Hause automatisch synchronisiert. Sagte Gates: „Die Entwicklung geht immer schneller voran. Wir werden in diesem Jahr viel Neues sehen, aber was die Zukunft bringen wird, geht noch weit über das hinaus“.

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