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10.05.2012

13:02 Uhr

Geistiges Eigentum

100 Urheber wettern gegen „Umsonstkultur“

Das Handelsblatt sorgte mit der Aktion „Mein Kopf gehört mir“ für Aufsehen, jetzt zieht „Die Zeit“ nach: In der aktuellen Ausgabe appellieren 100 Autoren und Künstler „gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“.

Moderatorin und Autorin Charlotte Roche und Schauspieler Mario Adorf machen in der „Zeit“ ihrem Ärger Luft. dpa

Moderatorin und Autorin Charlotte Roche und Schauspieler Mario Adorf machen in der „Zeit“ ihrem Ärger Luft.

BerlinMit einem Aufruf prominenter Autoren und Künstler zur Verteidigung des Urheberrechts ist die Debatte über den Umgang mit kreativen Werken im Internet in eine neue Runde gegangen. Der Appell „Wir sind die Urheber. Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“ wurde am Donnerstag im Internet und in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht. Die 100 Erstunterzeichner wenden sich indirekt gegen Initiativen aus mehreren Parteien, das Urheberrecht an die veränderten Bedingungen im Netz anzupassen.

Die Erklärung bezeichnet das Urheberrecht als „historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit“ und als „materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen“. Sie richtet sich gegen das Argument, dass es einen Interessengegensatz zwischen den eigentlichen Urhebern kreativer Werke und den sogenannten Verwertern gibt, also etwa Verlage, Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften wie die Gema. Einige Netzaktivisten haben erklärt, dass sich die Urheber im Internet direkt an ihr Publikum wenden und an den Verwertern vorbei Geld verdienen könnten.

Zu den Erstunterzeichnern gehören die Schriftsteller Daniel Kehlmann, Charlotte Roche, Julia Franck, Uwe Tellkamp, Martin Walser und Günter Wallraff sowie Künstler wie der Schauspieler Mario Adorf. Auch der Musiker und Schriftsteller Sven Regener unterschrieb - er hatte die Debatte im März mit einer heftigen Polemik in Fahrt gebracht. Danach wandten sich 51 Drehbuch-Autoren der Krimi-Reihe „Tatort“ an die „liebe Netzgemeinde“ und warfen dieser vor, die „Umsonstkultur“ im Internet in den Rang eines Grundrechts erheben zu wollen. Die Kritik richtete sich insbesondere auch gegen die Piratenpartei, die bei den letzten Wahlen wiederholt erfolgreich war.

Im April hatte das Handelsblatt mit der Aktion „Mein Kopf gehört mir“ in der Debatte vorgelegt: Online erschienen 160 Statements zum Urheberrecht, von Vertretern aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Mein Kopf gehört mir: Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mein Kopf gehört mir

Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.

Der Urheberrechtsexperte bei den Berliner Piraten, Christopher Lauer, erklärte zu der neuen Künstler-Initiative auf Twitter: „Egal wie viel Unverständnis man für die Aktion in der Zeit hat: Wir müssen das ernst nehmen. Es bedarf einer Handreichung.“ Jan Engelmann vom Wikimedia-Verein schrieb ebenfalls auf Twitter: „Verwerter denken Urheberrecht als Verbotsrecht, wir suchen Anreize für kreatives Schaffen, rege Nutzung und Beteiligung.“ Im Blog „netzpolitik.org“ schrieb Leonhard Dobusch, der Aufruf in der „Zeit“ versuche, „eine Einheitsfront zwischen Urhebern und Verwertern zu suggerieren“, beweise aber nur, „dass ebendiese Front am Bröckeln ist“.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Hermann.12

10.05.2012, 13:37 Uhr

Die diskussion verkommt allmählich zu einer poltisch motivierten Polarisierung. hier die Urheberrechtsvertreter, dort die Urheberanarchisten.

Das ist blanke, und zu dem inhaltlich dumme, Polemik, politisch ist das weniger blöd, weil das Publikum das nicht unterscheiden kann.
Natürlich muss in der Debatte das berechtigte Interesse von Urhebern am Ende Berücksichtigung finden, das fordenr auch die Piraten.
das aktuelle Recht und die bisherigen Anpassungsversuche ermöglichen auch weitgehendes Leistungsloses Trittbrettfahren. Das die davon Betroffenen sich gegen Änderungen wehren kann kaum verwundern. Das sie mit Pauschalisierungen arbeiten, die unterstellen, das das Urheberrecht abgeschafft werden soll, ist allerdings unseriös und verlogen.
Geschäftsmodelle sind halt keine Besitzstände und Änderungen zerstören auch Geschäftsmodelle. Das nennt man Fortschritt. Rechte, die ihren Zweck überlebt haben aber nur um der Besitzstände halber zu schützen ist ein Anachronismus erster Güte.

H.

Account gelöscht!

10.05.2012, 14:31 Uhr

Au weiha!

Bitte mal googeln "100 Autoren gegen"...

Schweres Eigentor oder die Autoren wissen im Grunde selber, dass ihre Position in einer freien Gesellschaft nicht haltbar ist.

Die Künstler sollten dringend ihren Rechteverwertern Dampf machen, dass die sich der neuen Technik anpassen, und so viele und diversifizierte, legale Angebote entwickeln, dass die illegalen automatisch an Kundschaft verlieren.

Natürlich kann sich jeder auch selber Brötchen backen wenn er einen Ofen hat. Aber wer tut das, wenn der Bäcker offen hat, eine bessere Auswahl hat und die Preise akzeptabel sind?

RabertvonDahrenhorst

10.05.2012, 15:03 Uhr

Die GEZ sammelt derzeit etwa 8 Mrd Euro ein, die Verwertungsgesellschaften eine weitere Milliarde. 9 Mrd. Euro, die man auch ganz anders verteilen könnte als heute. Wenn die tatsächlich nach fairen Prinzipien bei den Urhebern landen würden, würde sich niemand beklagen müssen. Warum nicht z.B. Klicks auf Internetbeiträge zählen und vergüten? Die Technik dafür existiert und wird vielfach schon genutzt (z.B. IVW oder VG Wort).

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