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14.06.2012

13:12 Uhr

Gema-Attacke

Wie Jugendliche zu Anonymous-Mitläufern wurden

VonStephan Dörner

Denn sie wussten nicht, was sie tun: Jugendliche, die sich offenbar an einem Hackerangriff auf die Gema beteiligt hatten, bekamen nun Hausbesuch von der Polizei. Doch sind sie wirklich gefährliche Hacker? Wohl kaum.

Aktivisten des internationalen Netzwerks Anonymous in Berlin. Das Kollektiv folgt keiner festen Struktur - jeder kann sich zu Anonymous bekennen. dapd

Aktivisten des internationalen Netzwerks Anonymous in Berlin. Das Kollektiv folgt keiner festen Struktur - jeder kann sich zu Anonymous bekennen.

DüsseldorfDas Bundeskriminalamt teilte am Mittwochabend mit, bundesweit mehrere Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern und Mitläufern des Hackerkollektivs Anonymous durchsucht zu haben. Hintergrund der Ermittlungen ist eine Attacke auf die Website der deutschen Urheber-Verwertungsgesellschaft Gema. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen echten Hacker-Angriff, sondern um eine sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacke (DDoS) – eine eher primitive Cyber-Waffe. Statt in einen Server einzudringen und diesen lahmzulegen, wird dieser einfach mit einer Flut von Anfragen überschüttet, sodass dieser nicht mehr in der Lage ist, sinnvolle Anfragen zu beantworten.

Sind die 106 Beschuldigten, gegen die nun ermittelt wird, gefährliche Hacker? Wohl kaum. Das sagt auch die ermittelnde Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. „Überwiegend Mitläufer“ seien festgenommen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Viele der Familien sind dennoch schockiert über die Hausdurchsuchung. Im Gespräch mit Spiegel Online berichten Betroffene von „massiven Stress mit den Eltern“. Genau das ist auch das Kalkül der ermittelnden Staatsanwaltschaft. Es gehe auch darum, eine „heilsame Schockwirkung“ durch die Durchsuchungen bei den Betroffenen zu erzielen, um den Jugendlichen klarzumachen, dass sie eine Linie überschritten haben. „Eine Hausdurchsuchung ist für niemanden eine angenehme Sache“. Zudem sollten die Hausdurchsuchungen klären, wer hinter der Attacke stand. In den meisten Fällen war es nicht der ermittelte Anschlussinhaber, sondern der Sohn.

Insgesamt hat die Gema dem Bundeskriminalamt mehrere Hundert IP-Adressen übergeben. Ermittelt wird jetzt zunächst gegen diejenigen 106 davon, die keinerlei Maßnahmen unternahmen, ihre IP-Adresse zu verschleiern – also die unbedarftesten unter ihnen. Eine ernsthafte Strafe haben die meisten wohl nicht zu erwarten. „Computersabotage wird zwar mit maximal fünf Jahren Haft bestraft“, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Da wir uns aber hier überwiegend im Bereich des Jugendstrafrechts bewegen, gibt es hier auch die Möglichkeit, unterhalb einer Strafe zu bleiben“. Die meisten werden also wohl mit einer Ermahnung und Auflagen wie Sozialstunden davonkommen.  

Kommentare (3)

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anonym

15.06.2012, 02:13 Uhr

„Eine Hausdurchsuchung ist für niemanden eine angenehme Sache“ Unglaubliche Verharmlosung einer Grundrechtsverletzung!

emden09

17.06.2012, 22:57 Uhr

Würde man mich wegen sowas belangen wollen, würde ich bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen. Gerade die LOIC hat NICHTS mit Computersabotage zu tun. Das ist eher eine digitale Sitzblockade. Und Sitzenbleiben ist lt BVerfG eben gerade NICHT strafbar. Zudem ist der Tatbeitrag eines Einzelnen mit Hilfe der LOIC eben gerade nicht geeignet, das Tatziel der Computersabotage zu erreichen oder gar den Tatvorwurf zu begründen. Da hier auch keine kriminellen Ziele verfolgt wurden, sondern ein Demonstrationsrecht ausgeübt wurde - es gibt kein Verbot eine beliebige Website beliebig oft aufzurufen! - wird wohl auch der Tatvorwurf der Bildung eine "kriminellen Vereinigung" ins Leere laufen. Wie gesagt: Anwalt nehmen, vors BVerfG ziehen und wir kriegen endlich ein digitales Versammlungsrecht, das zu etablieren der Gesetzgeber bisher verpennt hat.

Nancy

01.07.2012, 22:00 Uhr

Klasse, es wird Zeit gegen die GEMA, die deutsche mafioese Organisation der Oberabzocker,etwas zu organisieren . Die Einnahmen der GEMA werden weder bilanziert noch versteuert oder kontrolliert in welche Kanäle sie versickern. Eine kleine Zahl von Vorständen füllen sich die Taschen und unsere Regierung spielt wie bei der GEZ mit, wohl dem der Boeses denkt. Optimismus ist nur ein Mangel an Information!!

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