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01.08.2012

09:46 Uhr

Gesetz gegen Kostenfallen

Bezahl-Button soll vor Internet-Abzocke schützen

Millionen Menschen sind schon Opfer von Internet-Abzocke geworden. Vor allem Jugendlichen fallen immer wieder auf vermeintliche Gratis-Angebote herein. Ein neues Gesetz soll ab sofort besseren Schutz bieten.

Für Verkäufe im Internet müssen Anbieter ab sofort eine spezielle Schaltfläche mit eindeutiger Beschriftung einrichten. Nur wenn diese vom Kunden angeklickt wird, kommt ein Vertrag zustande. dpa

Für Verkäufe im Internet müssen Anbieter ab sofort eine spezielle Schaltfläche mit eindeutiger Beschriftung einrichten. Nur wenn diese vom Kunden angeklickt wird, kommt ein Vertrag zustande.

DüsseldorfSie locken die Internetnutzer mit Schlagworten wie „gratis“, „free“ oder „kostenlos“ - diese Versprechen erweisen sich allzu oft aber als dreiste Lüge. Anbieter unseriöser Internetseiten haben in den vergangenen Jahren Millionen Verbraucher geprellt, indem sie sie mit Kostenlos-Angeboten auf ihre Seite lockten und ihnen hinterher saftige Rechnungen präsentierten. Am heutigen Mittwoch tritt ein neues Gesetz in Kraft, das Verbraucher vor solchen Kosten- und Abofallen besser schützen soll.

Betreiber halbseidener Internetseiten bieten Dinge an, die es auf seriösen Webseiten umsonst gibt: etwa SMS, Kochrezepte oder Hausaufgabenhilfe. Um die Angebote zu nutzen, müssen Verbraucher ihre persönlichen Daten angeben - die Falle schnappt zu. Wenig später meldet sich der Anbieter und verlangt Geld für das angeblich getätigte Geschäft.

Neue Gesetze zum 1.8.2012

Button-Lösung

Verdeckten Abo- und Kostenfallen im Internet soll der Garaus gemacht werden. Wer Waren oder Dienstleistungen im Netz anbietet, muss jeden Kunden vor dessen Bestellung deutlich auf die anfallenden Kosten hinweisen. Dieser muss dann mit einem Klick auf einen Warnbutton bestätigen, dass er auch wirklich kostenpflichtig etwas bestellen will. Nur so kommt fortan im Internet ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag zustande.

Call-by-call

Anbieter von Billig-Vorwahlen müssen ihren Telefonkunden künftig vor jedem Gespräch die aktuelle Gebühr mitteilen. So sollen Kunden der Gefahr entgehen, die Nummer gerade in einem Zeitfenster zu nutzen, in dem die Vorwahl nicht besonders billig, sondern besonders teuer ist. Rutscht der Verbraucher während eines Telefonats in ein anderes Gebührenfenster, so muss während des Gesprächs eine entsprechende Ansage erfolgen.

Warteschleifen

Für Wartezeiten bei Telefon-Hotlines dürfen Anbieter die Kunden nicht mehr gleich zur Kasse bitten. Vom 10. August an müssen die ersten beiden Minuten in der Warteschleife kostenfrei sein. Ab Mitte 2013 sollen die Kosten für die Wartezeit komplett entfallen.

Solarien

Die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber werden weiter verschärft. Ab August gelten ein Mindestabstand für Lampen und ein Grenzwert für Strahlen, der nicht über 0,3 Watt pro Quadratmeter liegen darf. Dadurch soll das Hautkrebs-Risiko verringert werden. Das Personal in Solarien - auch in Fitnessstudios oder Saunen - muss jedem Kunden eine UV-Schutzbrille anbieten.

Mautpflichtige Bundesstraßen

Auf Bundesstraßen mit vier und mehr Spuren wird für Lastwagen künftig eine Maut fällig. Zu den Autobahnen, auf denen der Bund bereits seit 2005 eine Maut erhebt, kommen 1100 kostenpflichtige Kilometer hinzu. Die zusätzlichen Einnahmen sollen laut Bundesverkehrsministerium in den Ausbau und den Erhalt des Straßennetzes fließen.

Blue Card

Hochqualifizierte Ausländer aus Nicht-EU-Staaten haben es künftig einfacher, wenn sie in Deutschland arbeiten wollen. Sie erhalten eine "Blaue Karte" als Aufenthaltserlaubnis, wenn sie ein Jahresgehalt von 44.800 Euro oder mehr vorweisen.

Für Berufe, in denen Fachkräfte gesucht werden, reicht ein jährliches Einkommen von 34.944 Euro. Ausländische Studenten dürfen neben dem Studium mehr arbeiten als bisher. Nach der Uni bekommen sie zudem nun 18 statt vorher zwölf Monate Zeit, um sich einen Arbeitsplatz zu suchen.

Dabei können Verbraucher vorher überhaupt nur im Kleingedruckten erkennen, dass Kosten anfallen würden. Verbraucherschützer raten zwar stets, nicht zu zahlen. Aber eingeschüchtert von Mahnungen und Inkassoschreiben von Anwälten zahlten viele Verbraucher doch.

Das neue Gesetz soll diese Masche ins Leere laufen lassen. Unternehmen müssen ihre Internetkunden künftig über den Gesamtpreis ihrer Bestellung eindeutig informieren, und zwar unmittelbar vor dem Absenden der Bestellung.

Kommentare (4)

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RamonGaluptra

01.08.2012, 10:19 Uhr

"Nach Schätzung der Bundesregierung kostet die Umstellung ein Unternehmen im Schnitt 150 Euro. "
Das ist ja wohl eine Lachnummer. Eine Umstellung einer Shopsoftware und Änderung der AGB ist für 150 EUR definitiv nicht zu machen.

Das Ganze hat nur einen Zweck: Anwälte sollen weitere Möglichkeiten zur Abmahnung erhalten und große Versender sollen gestärkt werden. Die Lobbyarbeit hat mal wieder funktioniert. Am Ende zahlt der Verbraucher die Zeche.

Account gelöscht!

01.08.2012, 10:34 Uhr

Ganz Toll...BRAVO...Nichts verstanden, aber eine Vorreiterrolle einnehmen! Das ganze ist nur mal wieder eine unsinnige Beschäftigungsmassnahme für seriöse Shopbetreiber, die so "löchrig" ist, dass Sie für Abmahner ein wahres Freundenfest wird. Jeder Verbraucher weiss, wenn er in einem Onlineshop etwas bestellt muss er auch bezahlen. Die wenigen Betrüger die es gibt hätte man auch als solche betrachten und bestrafen sollen. Das wäre die einfachere und bessere Lösung gewesen.

Leute denkt nach bevor ihr Gesetze macht!

Account gelöscht!

01.08.2012, 12:30 Uhr

EinMensch? Ein dummer Mensch vielleicht, oder ein Egomane. Du kennst dich vielleicht mit Internet aus, Tausende aber nicht.
Der Aufwand ist gering und gut.

Dabei bin ich mir sicher, das auch du regelmäßig abgezockt wirst. Aber Klugscheißer erkennen das ja nicht mal.^^

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