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14.02.2012

16:17 Uhr

Gezielte Angriffe

Chinas Hacker werden immer dreister

VonFinn Mayer-Kuckuk

Der Fall des US-Konzerns Nortel zeigt: Hacker aus Fernost operieren wesentlich gezielter als bisher angenommen – und sie werden immer dreister. Der angerichtete Schaden liegt bei mehreren Milliarden Euro im Jahr.

Nortel-Techniker bei der Arbeit. Das US-Kommunikationsunternehmen wurde jahrelang von chinesischen Hackern bespitzelt. Reuters

Nortel-Techniker bei der Arbeit. Das US-Kommunikationsunternehmen wurde jahrelang von chinesischen Hackern bespitzelt.

ShanghaiChinesische Hacker sollen zehn Jahre lang das Firmennetz des US-Kommunikationskonzerns Nortel Networks ausspioniert haben. Die Eindringlinge hätten technische Zeichnungen, Forschungsergebnisse, Buchhaltungsdaten und die E-Mails von Mitarbeitern heruntergeladen, berichtet das Wall Street Journal.

Ausgangspunkt für den Angriff seien die Passworte von Top-Managern gewesen, doch mit der Zeit haben die Hacker sich immer tiefer ins System eingegraben und großflächigen Zugang zu Firmenrechnern erlangt. Als Ursprungsort der illegalen Zugriffe haben Nortel-Mitarbeiter die chinesische Metropolen Shanghai und Peking identifiziert.

Dieser jüngste Fall von Computerkriminalität zeigt: Hacker aus Fernost operieren noch wesentlich gezielter als bisher angenommen – und sie werden immer dreister. Schätzungen zufolge erreicht der jährliche Schaden bereits mehrere Milliarden Euro.

Dem Jahresbericht des Bundesverfassungsschutzes zufolge steigt die Zahl von Cyber-Attacken aus Fernost zudem stark an. „Breit angelegte Elektronische Angriffe mit Ursprung in China setzten sich fort“, stellten die  Ermittler in der jüngsten Version des Berichts fest. „Den meisten auf Bundesbehörden und die deutsche Wirtschaft abzielenden Angriffen kann anhand ihrer Merkmale ein Ursprung in China zugeordnet werden.“

Experten aus dem Privatsektor bestätigen diese Einschätzung. „Chinesische Institutionen haben erhebliche Ressourcen wie Geld und Personal, um Sicherheitslücken aufzuspüren“, sagt René Gerstenberger, Mitgründer der deutschen IT-Sicherheitsfirma Trifense. Das Land bilde laufend eine große Zahl sehr praxisorientierter Informatikern aus.

„Diese Leute sind extrem fähig“, hat Gesternberger beobachtet, der in China arbeitet. Die Industriespionage könne durchaus von staatlichen Stellen ausgehen, oft seien es jedoch auch rein private Konkurrenzunternehmen, die Hacker beauftragen. „Chinesische Konzerne bespitzeln sich in erheblichem Maße auch gegenseitig“, sagt Gestenberger.

Wichtigstes Ziel der Angriffe sind die technischen Geheimnisse westlicher Unternehmen. Chinas Wirtschaftsplaner verfolgen derzeit die Strategie, die Fähigkeiten der eigenen Firmen auf Westniveau zu bringen – und dafür ist offenbar jedes Mittel recht.

Kommentare (1)

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svebes

15.02.2012, 10:07 Uhr

Erster Anhaltspunkt ist die Qualität der Attacken mit dem zugehörigen Zeitbedarf. Danach sind das ganz klar grössere Instutitionen mit erheblichen finanziellen Ressourcen. Allerdings ist es grob fahrlässig wie viele Firmen Sicherheit definieren. Ich habe selbst gesehen wie chinesische "Werksstudenten" mit Handy, Digitalkamera und Computer mit Internetzugang ausgestattet wurden. Ein USB Stick ist schnell an ein System angesteckt. Bei soviel Dummheit muss ich mir über Attacken von Aussen keine Gedanken mehr machen. In meinen Logs tauchen auch immer mehr Südamerikanische Adressen auf. Ein ANsatz ist aber auch, dass ein schwaches Management auf die bösen Hacker und den Schaden verweist um von ihrem Unvermögen abzulenken. Nortel ist schliesslich verkauft worden und das nicht weil si so erfolgreich waren. Dabei sind die Produkte bis heute auf höchstem Niveau, sterben allerdings auf dem Markt aus.

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