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29.01.2007

18:44 Uhr

Gleichzeitig zur Vista-Klage

Adobe gibt PDF für ISO-Zertifizierung frei

VonAxel Postinett

So genannte PDF-Dateien haben sich zu einem Quasi-Standard auch im Internet entwickelt. Jetzt will Adobe sein ".pdf" auch als echten und offenen Standard anerkennen lassen. Ein wichtiger Schritt für die verlässliche Langzeitarchivierung von Unternehmensdokumenten.

DÜSSELDORF. Und ganz nebenbei ein heftiger Tritt in die Kniekehlen von Microsoft in Brüssel, wo Adobe Windows Vista als neuer Angriff auf die Freiheit im Internet anprangert. Microsoft feiert heute weltweit mit großen Parties den Launch des größten Softwarestarts seiner Geschichte.

Adobe Systems beabsichtigt, die vollständige Spezifikation von PDF 1.7 (Portable Document Format) an die AIIM (Enterprise Content Management Association) zu übergeben, um sie von der International Organization for Standardization (ISO) veröffentlichen zu lassen. Das teilte Adobe München heute in einer Erklärung mit. Immer mehr Unternehmen und Behörden archivieren bereits ihre Dokumentenbestände auf Basis von PDF. Die jederzeitige Les- und Schreibbarkeit mit möglichst vielen Programmen ist darum ein wichtiges Argument für die auswahl des Datei-Formats.

Das PDF-Format steht mit einer ISO-Zertifizierung faktisch jedermann zur Verfügung. "Unsere heutige Ankündigung ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung von PDF von einem De-facto-Standard hin zu einem formalen, rechtmässig anerkannten Standard", erklärt Kevin Lynch, Senior Vice President und Chief Software Architect bei Adobe. "Durch die Freigabe der kompletten PDF-Spezifikation zur ISO-Standardisierung bekennen wir uns nachdrücklich zur Offenheit."

Das ist nicht nur gut für alle Nutzer von PDF-Formaten und Software-Programmierer, sondern auch ein cleverer Schachzug im EU-Kartellverfahren gegen Microsoft. Gerade hat Adobe als Mitglied des Committee for Interoperable Systems (ECIS) in Brüssel wieder mächtig ein Fass gegen den Softwareriesen aus Redmond aufgemacht. Zu der ECIS-Gruppe gehören außerdem Großkonzerne wie IBM, Nokia, Sun Microsystems, Oracle, RealNetworks und Red Hat.

Windows Vista, das ab morgen in den Regalen steht, sei der erste Schritt in der Strategie von Microsoft, seine marktbeherrschende Stellung im PC-Bereich aufs Internet auszudehnen, warnen die ECIS-Mitglieder. Die Öffnung des eigenen PDF-Standards erhöht die Glaubwürdigkeit von Beschwerdeführer Adobe erheblich.

Immerhin gehört das Unternehmen zu denjenigen, die besonders unter der Vista-Attacke zu leiden haben. Microsofts Web-Designtool "Expression Web" gilt als Kampfansage an Adobes Go live oder Dreamwaver. "Expression Grafic" zur Fotobearbeitung wird Adobes Photoshop angreifen. "Expression Interactive" wird den Flash-Player attackieren.

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