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28.01.2010

14:57 Uhr

Google-Attacke

Der Cyberkrieg nimmt eine neue Dimension an

VonGötz Hamann
Quelle:Zeit Online

Das Internet ist zum Schlachtfeld für Wirtschaftskriege geworden. Industriestaaten und Schwellenländer ringen mit allen Mitteln um ihre Zukunft. Dazu erbeuten Spione Blaupausen, Baupläne und Formeln im Netz. Chinas Attacke auf Google markiert dabei eine neue Eskalationsstufe.

Nach dem Google-Angriff aus China: Das Netz wird immer mehr zum Schlachtfeld für Wirtschaftskriege. ap

Nach dem Google-Angriff aus China: Das Netz wird immer mehr zum Schlachtfeld für Wirtschaftskriege.

Wie sicher ist das geistige Eigentum von Unternehmen? Die Frage treibt Manager und Politiker in der westlichen Welt um, vor allem in Washington, seit vor einer Woche bekannt wurde, dass es einen Angriff auf die Computernetze von rund 30 US-amerikanischen Unternehmen gegeben hat. Es traf vor allem Hightechfirmen. Google gehörte zu ihnen.

Dieses Ereignis hat politische Folgen, weil sich die Spur der Hacker bis nach China verfolgen lässt. Und das nicht zum ersten Mal. Das amerikanische Außenministerium hat eine offizielle Protestnote versandt, und Amtschefin Hillary Clinton forderte am Donnerstag in einer Rede, wie wichtig ein freies und sicheres Internet ist und drohte mit Konsequenzen.

Es hätte keines weiteren Belegs bedurft. Hier bahnt sich eine wirtschaftspolitische Auseinandersetzung erster Güte an. Vielleicht sogar ein Wirtschaftskrieg. Um die Dimension zu verstehen, muss man sich vor Augen halten, wie vergleichsweise gering in den USA die Bedeutung der traditionellen Industrie für den Wohlstand der Bevölkerung ist und wie groß im Gegensatz dazu die Hightechunternehmen geworden sind. Sie sind es, die Amerikas Chancen im 21. Jahrhundert, in der Ära der Wissensökonomie, wesentlich mitbestimmen.

In Deutschland ist die Lage nur scheinbar anders. Hier jagen Spione nicht nach Computercodes, aber dafür nach Bauplänen, Blaupausen, Formeln für neueste Materialien und den Beschreibungen für innovative Prozessketten. Selbst wenn es nur um die nächsten Investitionspläne und Kalkulationen geht, sind Agenten am Werk. Praktisch alle Geschäftsgeheimnisse, die sich in Wettbewerbsvorteile übersetzen, sind heute digital gespeichert und lassen sich, wenn man einmal an sie herangekommen ist, sofort rund um den Globus verschieben.

Eskaliert ist die Auseinandersetzung nun zwischen den USA und China, betroffen sind aber viele Staaten. Als aktivste Cyberspione gelten ansonsten noch Russen, Briten und Israelis. Die Aggressivität nimmt zu. Oder anders gesagt: Wir erleben, wie Industriestaaten und Schwellenländer nach dem Ende des Weltwirtschaftsbooms, von dem alle profitiert haben, mit wirklich allen Mitteln um ihre Zukunft ringen. Die Attacke auf Google und Co. sowie Googles Drohung, sich aus China zurückzuziehen, markiert eine neue Eskalationsstufe. Aber es wird nicht die letzte sein.

Quelle: Zeit Online

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