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29.12.2014

16:18 Uhr

Google-Mail

China blockiert E-Mail-Dienst

Seit 2010 ist Google nicht mehr in China präsent, seitdem greifen die Chinesen über Hongkong auf Dienste des Suchmaschinenkonzerns zu. Diesen Zugang scheint die chinesische Regierung nun blockiert zu haben.

Kein Gmail für China: Das Regime scheint den Zugang zu dem E-Mail-Dienst gesperrt zu haben. dpa

Kein Gmail für China: Das Regime scheint den Zugang zu dem E-Mail-Dienst gesperrt zu haben.

PekingDer Zugang zu Googles E-Mail-Dienst Gmail ist in China nach Angaben von Nutzern gesperrt worden. Der Nachrichtenverkehr war bereits am Freitag stark zurückgegangen. Am Samstag kam er fast völlig zum Erliegen, wie am Montag aus dem Transparenzbericht des US-Internet-Unternehmens hervorging.

Nutzer berichteten, der Dienst sei auch über Smartphone-Apps nicht erreichbar. Lediglich über einen verschlüsselten Datentunnel (VPN) scheine Gmail zu funktionieren. China habe den Zugang zu dem Google-Dienst über Hongkong blockiert, teilte die Internet-Analysefirma Dyn Research auf Twitter mit.

Vor dem 25. Jahrestag des Pekinger Massakers im Juni war erstmals der Zugang zu allen Google-Diensten in China wie Suche, Gmail, Maps und die Fotoplattform Picasa gesperrt worden. Google zog sich 2010 aus China zurück, um sich nicht selber zensieren zu müssen. Seitdem wurden Nutzer automatisch auf die Suchseite in Hongkong umgeleitet.

Wie es zum Massaker am Tiananmen-Platz kam

15. April 1989

Der beliebte Reformer Hu Yaobang stirbt. Aus Trauerkundgebungen werden erste politische Proteste. In den folgenden Wochen nimmt die Zahl der Teilnehmer rasch zu.

22. April 1989

Zehntausende Studenten ziehen mit Transparenten auf den Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) in der Nähe des Regierungssitzes.

Mai 1989

Auch in anderen Städten demonstrieren Studenten. Die Teilnehmerzahlen gehen in die Hunderttausende. Staatsmedien verdammen die jungen Leute als Aufrührer. Diese wiederum verleihen ihren Forderungen durch einen Hungerstreik Nachdruck. Sie bauen Zelte auf und bleiben rund um die Uhr dort, um eine Räumung zu verhindern.

19. Mai

KP-Chef Zhao Ziyang versucht mit den Studenten eine Einigung auszuhandeln und scheitert. Zhao selbst wäre zu Reformen bereit; Betonköpfe in der Partei verhindern jedoch einen Kompromiss.

20. Mai

Truppen der Volksbefreiungsarmee erscheinen auf der Straße. Bürger schützen die Studenten, indem sie den Vormarsch blockieren. Die Pekinger Soldaten weigern sich, auf ihre Mitbürger zu schießen.

2. Juni

Nachdem der Militäreinsatz ausgeblieben ist, herrscht auf dem Tiananmen-Platz Partystimmung. Die Führung nutzt die Zeit jedoch, um ahnungslose Einheiten aus entfernten Provinzen in die Hauptstadt zu verlegen. Plötzlich steigt die Nervosität wieder steil an.

3. Juni spätabends bis 4. Juni frühmorgens

Die frischen Truppen führen ihren Befehl aus. Sie schießen sich ihren Weg zum Tiananmen-Platz frei. Mehrere hundert, einigen Quellen zufolge bis zu 2600 Menschen sterben, die meisten von ihnen solidarische Bürger, aber auch viele Unbeteiligte.

1992

Deng Xiaoping reißt das Land durch seine „Südreise“ aus der Lethargie, in die es nach dem Blutbad geraten ist. Er kündigt einen neuen Schub von Wirtschaftsreformen an. Eine neue Generation wächst seitdem im Wohlstand, aber weitgehend unpolitisch auf.

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube sind in China ohnehin blockiert. Das gilt auch für Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie der „New York Times“ oder der Nachrichtenagentur Bloomberg. Viele Chinesen umgehen die Sperren mit VPN-Tunneldiensten.

Von

dpa

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