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06.06.2012

13:10 Uhr

Google Mail

Google warnt Nutzer vor Staats-Spionage

Google geht davon aus, dass Angreifer mit staatlichem Auftrag versuchen, einzelne Nutzer-Konten zu hacken. Der Konzern will bei Verdacht die Anwender warnen. Wie man die Angriffe erkennt, will Google aber nicht verraten.

Google will seine Nutzer vor staatlichen Attacken warnen. AFP

Google will seine Nutzer vor staatlichen Attacken warnen.

Mountain ViewGoogle hat ein neues Alarmsystem eingeführt, um die Nutzer seiner Online-Dienste vor möglichen Angriffen staatlicher Stellen auf ihre Nutzerkonten zu warnen. Künftig würden bei entsprechendem Verdacht deutliche Warnhinweise eingeblendet, wenn sich ein Nutzer bei Google anmeldet, teilte Google-Sicherheitsexperte Eric Grosse am Dienstag (Ortszeit) im firmeneigenen Blog mit. Aus welchem Anlass der US-Suchmaschinengigant diese Maßnahme jetzt ergreift, verriet er nicht.

„Warnung: Wir glauben, dass staatlich geförderte Angreifer möglicherweise dabei sind, Ihr Nutzerkonto oder Ihren Computer zu gefährden“, heißt es auf den rötlich unterlegten Warnhinweisen. Über den Link „Schütz Dich jetzt“ gelangen die Nutzer dann auf eine Seite, auf der ihnen erklärt wird, wie sie ihre Daten besser vor ungewolltem Zugriff schützen können.

„Wenn Du diese Warnung siehst, heißt das nicht unbedingt, dass Dein Account übernommen wurde“, schreibt Grosse. „Es heißt nur, dass wir glauben, dass Du Ziel beispielsweise einer Phishing- oder Malware-Attacke sein könntest und Du sofort Schritte zum Schutz Deines Accounts unternehmen solltest.“

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Woher Google weiß, dass es sich um Angriffe staatlicher Stellen oder von Hackern in staatlichem Auftrag handeln könnte, sagte Grosse nicht. „Wir können nicht ins Detail gehen, ohne Informationen preiszugeben, die hilfreich für diese üblen Akteure wären.“ Intensive Analysen der Firma und Berichte von Nutzern würden aber deutlich darauf hinweisen, dass Staaten oder von Staaten geförderte Gruppen beteiligt seien.

Einzelne Konten von Google-Anwendern waren in der Vergangenheit ins Visier von Hackern geraten, bei denen ein staatlicher Auftraggeber vermutet wurde. So warnte der Internet-Konzern vor einem Jahr vor Cyber-Angriffen aus China, nachdem bereits Ende 2009 Hacker-Angriffe bis in das Reich der Mitte zurückverfolgt wurden. Die chinesische Regierung wies damals jede Mitschuld an den Attacken zurück.

Aber nicht nur China, sondern auch westliche Demokratien stehen im Verdacht, mit Hacker-Werkzeugen zu arbeiten. In Deutschland machte der mögliche Einsatz des Trojaners „O'zapft“ durch staatliche Stellen Schlagzeilen. Der Computerschädling Stuxnet wurde nach einem Bericht der New York Times von US-Präsident Barack Obama in Auftrag gegeben, um Atomanlagen im Iran zu sabotieren. Antivirus-Experten vermuten auch, dass staatliche Auftraggeber auch hinter dem Computervirus Flame stecken, mit dem Computeranwender ausspioniert werden können. Flame wurde wie Stuxnet gezielt im Iran und dem Nahen Osten in Umlauf gebracht. Wer Flame konkret in Auftrag gegeben hat, ist allerdings nicht bekannt.

Sicherheitstipps für PC und Mac

Datensparsamkeit

Nutzer von Internetdiensten sollten sparsam mit Daten umgehen und nur so viel Informationen preisgeben wie nötig. Man kann sich durchaus auch mit einem Anbieter in Verbindung setzen und fragen, warum er unbedingt eine bestimmte Information braucht.

Überlegen Sie sich grundsätzlich, ob es notwendig ist, sich bei einem bestimmten Dienst mit Daten anzumelden. Verlangen Sie von Diensten, die Sie nicht mehr nutzen die Löschung Ihrer personenbezogenen Daten. Sofern das Unternehmen die Daten – beispielsweise für Abrechnungen – nicht mehr benötigt, ist es dazu verpflichtet, die Daten auf Wunsch zu löschen. Sie können sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz berufen.

Software-Updates einspielen

Wenn Sicherheitslücken ausgenutzt werden, befinden sich diese heutzutage nur noch selten im Betriebssystem selbst, sondern viel häufiger in installierter Standard-Software wie dem Webbrowser, Adobe Acrobat Reader oder Adobe Flash. Die drei genannten und besonders gefährdeten Anwendungen können selbst aktiv Inhalte ausführen und sind daher für Attacken beliebt. Achten Sie daher darauf, dass nicht nur das Betriebssystem regelmäßig aktualisiert wird, sondern auch Ihr Webbrowser sowie die installierte Standard-Software wie PDF-Betrachter und Flash-Plugin.

Sämtliche installierte Software auf Aktualität und Sicherheitslücken zu prüfen, ist ohne Hilfe natürlich eine Herkulesaufgabe. Zum Glück gibt es die kostenlose Software Secunia Personal Software Inspector (PSI). PSI sucht automatisch nach veralteter Software. Mit dem Menüpunkt „Secure Browsing“ lässt sich außerdem nach veralteten Browser-Erweiterungen suchen. Übrigens sind diese Erweiterungen auch der häufigste Grund für Abstürze von Browsern – weniger ist daher meist mehr.

Anti-Viren-Lösung

Viren und Würmer gefährden die Daten-Sicherheit. Daher sind Präventionsmaßnahmen angeraten. „Viel hilft viel“ ist hier allerdings nicht angesagt, da sich verschiedene Anti-Viren-Scanner gegenseitig stören. Optimal ist daher die Kombination aus drei Schutzarten. Installieren sollte man eine Personal Firewall, die ein- und ausgehende Verbindungen kontrolliert und einen Virenscanner, der mit seinen Virensignaturen bekannte Schädlinge stoppt; außerdem sollte die Schutz-Software heuristische Methoden einsetzen, die auch unbekannte Schädlinge aufgrund des Verhaltens erkennt. Anti-Virus-Lösungen gibt es nicht nur für Windows-Rechner, sondern auch für Macs.

Verhalten

Mac und Windows

Noch wichtiger als ein stets aktueller Virenschutz ist allerdings das Verhalten des Nutzers: Führen Sie keine Dateien aus dubiosen Quellen aus und öffnen Sie keine Anhänge von E-Mails, die Ihnen seltsam vorkommen.

Festplatte verschlüsseln

Mac und Windows

Wenn wichtige geschäftliche oder private Daten in falsche Hände geraten, können große Schäden entstehen. Die Gefahr ist insbesondere bei mobilen Rechnern groß. Von daher ist es ratsam, sensible Daten zu verschlüsseln. Als besonders sicher gilt die kostenlose Software TrueCrypt, die für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist. Damit können sowohl einzelne Ordner als auch die gesamte Festplatte verschlüsselt werden. Selbst das FBI hat sich an TrueCrypt schön die Zähne ausgebissen: Nach fast einem Jahr musste die US-Behörde die Festplatte eines brasilianischen Bankiers zurückgeben – nach wie vor verschlüsselt. 

Haupteinfallstor E-Mail-Account

Jedem ist bewusst, dass die Nutzerkonten bei Amazon, Ebay oder Paypal durch ein langes und sicheres Passwort geschützt sein sollten. Der beste Schutz dort nützt aber nichts, wenn nicht auch das E-Mail-Konto gut abgesichert ist. Hat sich ein Angreifer Zugang zum Posteingang verschafft, kann er auch ohne großen Aufwand auf alle weiteren Nutzerkonten zugreifen, indem er sich einfach neue Passwörter zuschicken lässt – egal ob bei Ebay oder anderen Services im Web.

Passwörter

Grundsätzlich ratsam ist es, nicht nur sichere Passwörter zu verwenden, sondern auch immer unterschiedliche bei verschiedene Diensten. Mit den einmal geklauten Login-Informationen lassen sich ansonsten Benutzerkonten auf Einkaufs-Websites, bei Reiseanbietern oder anderen Dienstleistern öffnen und widerrechtlich nutzen.

Wie so häufig beim Thema Sicherheit steht dabei jedoch die Bequemlichkeit im Weg: Wie nur soll man sich mehrere Passwörter merken, die auch noch sicher sind – das heißt keine Wörter, die man im Duden findet und möglichst noch mit Sonderzeichen?

Dafür gibt es einen Trick: Statt eines kryptischen Wortes merken Sie sich einfach einen sinnvollen Satz, der für Sie eine Bedeutung hat. Das Passwort besteht dann auf den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Satzes – bei Beachtung der Groß- und Kleinschreibung. Ein Beispiel wäre der Satz: Meinen Rechner mache ich mit einem komplizierten Passwort sicher. Als Passwort wird daraus: MRmimekPs – ein Wort, das Sie garantiert in keinem Lexikon finden.

Auf sichere Datenübertragung achten

Wann immer sensible Informationen im Web übertragen werden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um eine verschlüsselte SSL-Verbindung handelt. Das erkennen Sie daran, dass die Webadresse im Adressfeld mit https:// beginn statt http://. Aktuelle Versionen der gängigen Browser Firefox, Internet Explorer, Chrome, Opera und Safari überprüfen dabei automatisch, ob der Anbieter der verschlüsselten Verbindung auch der ist, für den er sich ausgibt. Wichtig ist dabei, die jeweils neueste Version des Browsers zu verwenden. Diese haben einen Phishing-Schutz eingebaut, der die meisten Websites erkennt, die nicht das sind, was sie vorgeben.

Für eine gute Absicherung der Google-Konten empfahl der Internet-Konzern seinen Nutzern, starke Passwörter zu verwenden, die aus einer Kombination von groß- und kleingeschriebenen Buchstaben, Zahlen und Satzzeichen bestehen sollten. Außerdem sollten die Anwender darauf achten, das Betriebssystem ihres Rechners sowie die verwendeten Browser und Erweiterungen (Plug-ins)auf dem aktuellen Stand zu halten und vorhandene Sicherheitsaktualisierungen (Patches) zu installieren. Außerdem sollte man sich immer über die Adresse https://accounts.google.com/ einloggen, um der Gefahr zu entgehen, auf eine gefälschte Log-in-Seite hereinzufallen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.06.2012, 15:57 Uhr

Dazu fällt mir nichts mehr ein.
Selbst Spionieren, aber vor anderen Spionen warnen.
In was für einer Welt leben wir???
Danke

Besserwisserboy

12.06.2012, 19:39 Uhr

ja übel - aber es stellt sich heute wohl nicht mehr die Frage wär die Wahrheit sagt, sondern wem man mehr Vertrauen kann - Googles eigentliches Kapital besteht ja auch darin Daten zu sammeln. 100%igen Datenschutz erreicht man nur, wenn man den Stecker zieht :-)

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