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05.03.2011

09:00 Uhr

Google

Scheitern als Geschäftsmodell

VonSteffan Heuer
Quelle:Zeit Online

Google will wachsen und spuckt unaufhörlich neue Produkte aus. Viele davon sind unausgereift und floppen. Aber der Wahnsinn hat Methode – meistens zumindest.

Bei Google gehört das Prinzip Trial and Error zum Geschäftsmodell. Quelle: dapd

Bei Google gehört das Prinzip Trial and Error zum Geschäftsmodell.

HamburgGoogle will wachsen und weltweit Tausende neue Mitarbeiter einstellen, auch der Such-Algorithmus wurde gerade überarbeitet. Gleichzeitig gibt es Probleme beim Angebot Gmail. Sind das Anzeichen für ein Auf und Ab oder für eine stetige Erfolgsgeschichte?

Das Unternehmen wird vor allem für seine Erfolge wahrgenommen, für seine Suchmaschine, sein Mailprogramm, seine riesigen Gewinne. Aber auch die Liste der Fehlschläge des Konzerns ist umfangreich, da seine mehr als 20.000 Mitarbeiter ständig Neues aushecken und Google Ideen im Gegensatz zu vielen anderen Firmen auch als Frühgeburten aussetzt.

Um sich in Googles wucherndem Urwald aus Dienstleistungen, Produkten und Software-Accessoires zurechtzufinden, braucht es fast eine eigene Suchmaschine. Die Liste der offiziellen Blogs, in denen Neuigkeiten verkündet werden, ist lang wie ein Arm. Allein das Entwicklungslabor Google Labs listet 52 neue Ideen und Prototypen, die Neugierige ausprobieren können – von Transliteration, um ohne Kenntnis des jeweiligen Alphabets Texte in fremden Schriften einzugeben, bis zu Ngram Viewer, um nachzuschauen, welche Worte und Sätze in Millionen gescannter Bücher häufig vorkommen.

Dabei zählt der Konzern noch nicht einmal die großen Geschäftsbereiche mit, auf die er Hunderte Millionen Dollar und Tausende von Programmierer-Stunden verwendet: eine Streetview-Variante für Schweizer Skigebiete und eine für Kunstmuseen in aller Welt beispielsweise, autonome Roboterautos, oder einen Notebook-Prototypen namens Cr-48, den seit Dezember ein paar Tausend Tester in den Händen halten.

Gleichzeitig werden ständig Projekte eingestellt, die mehr oder weniger Aufmerksamkeit und Geld bekamen und doch nicht den Durchbruch schafften. Der neueste Grabstein gebührt Wave, einer Kollaborations-Plattform, die kaum einer je richtig kapierte und die nach 15 Monaten wieder dicht gemacht wurde. Anfang 2009 kam es zu einem richtigen Massensterben bei Google-Projekten: Werbung im Radio und in Zeitungen musste dabei ebenso dran glauben, wie Google Video, der Ortungsdienst Dodgeball, der Kurznachrichtendienst Jaiku, das Google Notebook und der virtuelle Einkaufsbummel in Google Catalogs.

Sind diese Flops also verschwendete Zeit und verschwendetes Geld einer Firma, die zu schnell zu viel will? Oder sind sie smartes Innovationsmanagement und Teil eines unerhörten Geschäftsmodells, das Innovationslust und Spieltrieb seiner Ingenieure und Programmierer Freiraum lässt? Und wenn Rohrkrepierer tatsächlich der Preis des Erfolgs sind, wer entscheidet dann, wie viele Ressourcen sie verschlingen dürfen? Selbst erfahrene Google-Beobachter sind sich nicht sicher, ob sie Antworten auf diese Fragen haben.

Google-Mitarbeiter vergleichen die Vorgehensweise gern mit Spaghetti, die man an die Wand wirft, um zu testen, ob sie gar sind. Ein paar bleiben kleben, die anderen fallen herunter und sollten noch ein Weilchen gekocht werden.

Kommentare (1)

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Jimmyeatspancakes

09.03.2011, 17:03 Uhr

Vielen Dank für diesen schönen Artikel!

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