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26.01.2007

13:57 Uhr

Großkonzerne sehen Wettbewerbsverhinderung

Microsoft-Konkurrenz kritisiert Vista scharf

Die verzögerte Einführung des neuen Betriebssystems Vista hat Microsoft bereits eine halbe Milliarde US-Dollar gekostet. Nun gerät die neue Software für Privatkunden unter heftigen Beschuss der Konkurrenz. Für die ist Vista der erste Schritt des Softwareriesens, seine marktbeherrschende Stellung aufs Internet auszudehnen.

Ein Microsoft-Mitarbeiter führt die neue Vista-Oberfläche vor. Foto: dpa Quelle: dpa

Ein Microsoft-Mitarbeiter führt die neue Vista-Oberfläche vor. Foto: dpa

HB BRÜSSEL. Mit Windows Vista setze Microsoft seine von der EU-Kommission verurteilte Praxis der Wettbewerbsbehinderung fort, erklärte das European Committee for Interoperable Systems (ECIS) am Freitag in Brüssel. Zu der Gruppe gehören Großkonzerne wie IBM, Nokia, Sun Microsystems, Oracle, Adobe, RealNetworks und Red Hat. Vista sei der erste Schritt in der Strategie von Microsoft, seine marktbeherrschende Stellung aufs Internet auszudehnen.

„Microsoft hat sich ganz klar dafür entschieden, die Grundlagen der Kommissionsentscheidung von 2004 zu ignorieren“, sagte der ECIS-Vorsitzende Simon Awde. Die EU-Kommission hatte Microsoft damals unter anderem zu einer Rekordstrafe von knapp 500 Millionen Euro verurteilt und den Konzern aufgefordert, sein Betriebssystem für Programme anderer Softwareanbieter zu öffnen. Microsoft hat das Urteil angefochten. Zu den jüngsten Vorwürfen der Microsoft-Konkurrenz gaben zunächst weder der Konzern noch die Kommission einen Kommentar ab. Windows Vista soll nach längeren Verzögerungen am Dienstag auch für Privatkunden auf den Markt kommen. Die verzögerte Markteinführung von Vista hat Microsoft in den vergangenen Monaten einen kräftigen Gewinneinbruch beschert. Der weltgrößte Softwarekonzern hätte in seinem Geschäftsquartal 20 Prozent mehr als die tatsächlichen 2,6 Milliarden Dollar (2,0 Mrd Euro) verdien.

Konkret bemängelt die Allianz der Microsoft-Wettbewerber den Einsatz der Microsoft-eigenen Standards für die Veröffentlichung von Dokumenten im Internet. Diese Programmiersprache sei so aufgebaut, dass sie den branchenweiten Standard HTML ablösen soll. Die Sprache basiere aber auf Windows und bringe damit Konkurrenzsysteme wie Linux ins Hintertreffen. „Das Endergebnis ist der andauernde Mangel einer echten Auswahl für den Verbraucher, jahrelanges Warten auf eine Verbesserung der Monopol-Produkte von Microsoft und natürlich hohe Preise“, sagte ein ECIS-Anwalt.

Die EU-Kommission hatte ihr Urteil im Jahr 2004 damit begründet, dass Microsoft seine Dominanz ausnutze und das weltweit vorherrschende Betriebssystem Windows absichtlich inkompatibel für die Software von Konkurrenten gestalte. Damals ging es um Audio- und Video-Software vor allem des Konkurrenten Real Networks.

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