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11.08.2011

12:37 Uhr

Hacker-Kollektiv

Facebook-Aktion treibt Keil in Anonymous

VonStephan Dörner

Verwirrung um Anonymous: Einige Mitglieder blasen zum Angriff auf Facebook, andere verurteilen das. Der Grund: Anonymous ist als Gruppe nicht greifbar - und deshalb wie gemacht für Trittbrettfahrer.

Anonymous-Aktivist bei Protesten im spanischen Madrid. Die Maske von Guy Fawkes ist dank Anonymous zum Symbol des Widerstands geworden. Quelle: Reuters

Anonymous-Aktivist bei Protesten im spanischen Madrid. Die Maske von Guy Fawkes ist dank Anonymous zum Symbol des Widerstands geworden.

DüsseldorfHackergruppen wie Anonymous und Lulzsec fallen nicht nur durch spektakuläre Hacks auf – sie vermarkten ihre Taten auch gut. Ihre Symbole sind längst zu einem Teil der Populärkultur im Internet geworden.

Gerade Anonymous glänzt dabei weniger durch spektakuläre Hacks als vielmehr durch gute Selbstvermarktung. Doch das ruft auch Trittbrettfahrer auf den Plan. Stärke und Schwäche der Hacker-Gruppe ist ihre Ungreifbarkeit. Jeder kann sich zu Anonymous bekennen, jeder hat die Slogans und Logos des Online-Kollektivs benutzen - und so ist man sich innerhalb der Szene auch nicht immer einig.

Das zeigt sich nun bei dem für den 5. November geplanten Angriff auf das größte soziale Netzwerk Facebook. Erstmals ist es dabei zu einem offenen Streit zwischen verschiedenen Aktivisten gekommen, die sich alle zu Anonymous bekennen. Auf Twitter distanzierten sich Anonymous-Aktivisten von der "Operation Facebook". "Es ist nicht unser Stil, den Boten zu töten", twittert ein Aktivist. Seine Kritik an dem Angriff auf Facebook kommt gut an: Mehr als 100 User haben die Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst durch "Retweets" verbreitet.

Anonymous: Das Werben der Hacker

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Hackergruppen wie Anonymous und Lulzsec fallen nicht nur durch spektakuläre Hacks auf – sie vermarkten ihre Taten auch gut. Ihre Symbole sind längst zu einem Teil der Populärkultur im Internet geworden.

Auf Youtube ist ein Video mit einem Anonymous-Wappen zu sehen, auf dem eine verzerrte Stimme dazu aufruft, sich zusammenzuschließen, um Facebook am 5. November zu zerstören. "Schließt euch der Sache an und tötet Facebook zum Wohle eurer Privatsphäre", heißt es in dem Video. Facebook wird dabei vorgeworfen, Daten seiner Nutzer zu speichern und diese teilweise auch der Polizei zugänglich zu machen. Das Video wurde mehr als eine Million Mal aufgerufen, seitdem es vor rund drei Wochen online gestellt wurde.

Der am ehesten als offiziell zu bezeichnende Kanal, den es von Anonymous gibt, ist der mit der Gruppe assoziierte Twitter-Kanal. Dort reagierten die Administratoren auf die vielfach geäußerte Kritik aus der Szene: Die Operation werde von einigen Anonymous-Aktivisten organisiert. Das heiße aber nicht automatisch, dass alle Mitglieder des Kollektivs damit einverstanden seien.

Ein Anonymous-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, selbst bei den Anführern der Hacker-Gruppe herrsche Unklarheit darüber, wie der über das Video-Portal Youtube lancierte Aufruf zu bewerten sei. Einige innerhalb der Organisation würden sagen, Anonymous stehe hinter dem Aufruf mit dem Titel "Operation Facebook" - andere wiederum würden dies verneinen und den Aufruf als "dumm" bezeichnen. Der Sprecher begründete die Unklarheit mit der losen Führungsstruktur der Hacker-Gruppe und damit, dass die Mitglieder ihre Identität geheim hielten. Die Mitglieder wahren auch untereinander Anonymität.

Nach wie vor ungeklärt ist daher auch die Rolle, die Anonymous beim ersten großen Sony-Hack im April dieses Jahres spielte, bei dem Millionen Kundendaten gestohlen wurden. Nach Angaben des Unternehmens hinterlegten die Hacker auf dem Server den Slogan der Hacker-Gruppe: „We are Legion“. Anonymous-Mitglieder bestritten in Videos und auf Twitter dagegen, in den Datendiebstahl involviert gewesen zu sein.

In einer Studie der Princeton-Professorin Gabriella Coleman heißt es, Anonymous-Mitglieder würden über interne Angriffsziele in sogenannten Internet Relay Chats (IRC) abstimmen. Die Aktivisten setzen sich dabei gemäß der Hacker-Ethik vor allem für eine kompromisslose Informations- und Meinungsfreiheit ein. Ein Angriff auf Facebook passt nur bedingt zu dieser Ideologie - schließlich kann kann man einen entsprechenden Angriff auch selbst als Attacke auf die Informationsfreiheit sehen.

Mit Material von AFP

Kommentare (2)

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xyz

11.08.2011, 15:30 Uhr

Ich Hätte nicht dagegen wen sie es schaffen diesen Schandfleck des Internet endgültig zu entfernen.

ich wünsche allen die dabei mit machen viel erfolg

Fratzebuch

11.08.2011, 21:02 Uhr

Die Medien versuchen nur Zwietracht zu säen. Wahrscheinlich wurden sie hierfür von Fratzebuch bezahlt. Fakt ist, dass Fratzebuch jeglichen Datenschutz mit Füßen tritt und dadurch ein einziger Mensch reich geworden ist. Also wenn Anonymous so eine Aktion plant, was ich für vorstellbar halte, dann können all diejenigen, die gegen diese Aktion sind auch keine Anhänger oder Mitglieder von Anonymous sein.

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