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02.01.2012

14:36 Uhr

Hacker-Praktikum

Wenn Cyberkrieg auf dem Stundenplan steht

VonIna Karabasz

Nicht jeder, der an Würmern, Viren und Trojanern bastelt, ist ein Cyberkrimineller. An der Universität Bochum lernen Studenten ganz legal, wie man Passwörter knackt oder Online-Bankkonten abräumt.

Nicht jeder, der an Würmern, Viren und Trojanern bastelt, ist ein Cyberkrimineller. dpa

Nicht jeder, der an Würmern, Viren und Trojanern bastelt, ist ein Cyberkrimineller.

DüsseldorfFast 1100 Bewerber für rund 20 Plätze. Selten sind Studenten so begierig, etwas lernen zu dürfen. Doch dieses Praktikum hat es in sich: Sie lernen, Geld von Bankkonten abzuzweigen, Viren, Würmer und Trojaner im Internet zu verbreiten oder Passwörter zu entschlüsseln – kurz: Hacking.

Einmal in der Woche lernen die Studenten der Fachrichtung Sicherheit in der Informationstechnik an der Universität Bochum, wie sie in fremde Computersysteme und Internetseiten eindringen und Daten manipulieren können. Der Grundgedanke hinter dem „Hacker-Praktikum“ sei eigentlich ganz einfach, sagt Betreuer Mario Heiderich: „Ein System ist häufig verstärkt angreifbar, weil jemand einen Fehler bei der Programmierung oder Einrichtung gemacht hat. Und nur wenn man diesen Fehler kennt, kann man ihn beheben.“

Die Übungsmöglichkeiten der Praktikanten sind allerdings stark begrenzt. Hacking ist illegal. Wer ertappt wird, muss mit einer Anklage und im Zweifelsfall mit Gefängnis rechnen. Im „HackerPraktikum“ versuchen sich die Studenten deswegen auf speziellen Testseiten, wie nahezu original getreue Kopien von Bankenwebseiten.   

Die Liste von Unternehmen, die Opfer von Hackerangriffen wurden, ist lang: Sony, Rewe, Citygroup und selbst der amerikanische Rüstungshersteller Lockheed Martin wurden bereits erfolgreich gehackt. Jüngst warnte Shells IT-Manager Ludolf Lühmann vor den Folgen einer neuen Dimension von Hackerangriffen. Direkter Zugriff auf Produktionsbereiche, wie etwa Öffnen oder Schließen von Ventilen, könne im Zweifelsfall Leben kosten. Als Beispiel nannte er laut einem BBC-Bericht den Stuxnet-Virus, der im vergangenen Jahr die Rotationsfrequenz von Anreicherungszentrifugen eines iranischen Atomkraftwerks manipuliert hatte.

Bisher blieb es in den meisten Hacking-Fällen jedoch beim Klau von Daten. Sie sind gefragt: Der Markt für Adressen, Kontonummern, Passwörter, aber auch Produktdaten, floriert. Zum Teil sogar auf öffentlich einsehbaren Internetseiten werben die Cybereinbrecher für ihr Diebesgut. Und dennoch bleiben viele Kriminelle unbehelligt: Sie wissen gut, wie sie ihre Spuren verwischen können, während den Opfern die Hände gebunden sind – denn „zurückhacken“ ist illegal.

Kommentare (1)

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michael_wiesner

11.01.2012, 15:00 Uhr

Die "Guten" haben weiße Hüte auf, keine weißen Köpfe...

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