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20.11.2015

15:15 Uhr

Hackernetzwerk kämpft gegen IS

Gefälschte „Anonymous“-Seite verwirrt Unterstützer

VonTina Halberschmidt, Christof Kerkmann

Für seinen Kampf gegen die Terrormiliz IS erhält das Hackernetzwerk „Anonymous“ im Netz viel Zuspruch. So haben 1,5 Millionen Facebook-Nutzer die Seite „Anonymous.Kollektiv“ geliket. Doch die Seite ist ein Fake.

In einer Videobotschaft hatte die Hackergruppe „Anonymous“ angekündigt, den Kampf gegen die Terrormiliz IS zu intensivieren. Reuters

Hacker gegen Terroristen

In einer Videobotschaft hatte die Hackergruppe „Anonymous“ angekündigt, den Kampf gegen die Terrormiliz IS zu intensivieren.

DüsseldorfHacker gegen Terroristen: Nach den blutigen Anschlägen von Paris hat die Aktivistengruppe „Anonymous“ angekündigt, ihren Kampf gegen die IS-Miliz im Internet zu intensivieren. Viele Nutzer feiern die anonymen Aktivisten für ihr Engagement: Um Sympathie und Unterstützung auszudrücken, folgen sie den Twitter-Accounts oder Fanpages der Aktivisten. Doch davon profitiert am meisten eine umstrittene Seite, die offenbar nichts mit Anonymous zu tun hat.

Die Seite „Anonymous.Kollektiv“ hat bei Facebook inzwischen rund 1,5 Millionen Fans. Allein diese Woche sind fast 500.000 Likes dazugekommen. Doch die Seite ist gefälscht. Darauf macht das Internetportal „Netz gegen Nazis“ aufmerksam.

Die Page sei 2011 gekapert worden, heißt es auf der Homepage des Projekts, das von der Amadeu Antonio Stiftung unterhalten wird. „Die Seite ‚Anonymous.Kollektiv‘ ist die größte deutschsprachige Facebook-Seite mit ‚Anonymous‘ im Namen – aber mit der freiheitsorientierten Online-Bewegung ‚Anonymous‘ haben die Inhalte, die dort verbreitet werden, nichts zu tun.“

Denn die Themen der Seite seien „Pegida-freundlich, islamfeindlich, demokratiefeindlich“, oft zitierte Medien seien beispielsweise die vom russischen Staat finanzierte Seite Russia Today oder das von vielen Medienexperten als rechtspopulistisch kritisierte Magazin „Compact“.

Das Hacker-Netzwerk Anonymous

Name als Programm

Die Anonymous-Aktivisten wollen ihre Identitäten nicht preisgeben – daher der Name der Gruppe. Ihre Ursprünge liegen im Forum 4chan, wo jeder Nutzer anonym Bilder und Botschaften hinterlassen kann.

Maske als Markenzeichen

In den Videos von Anonymous ist immer die Maske von Guy Fawkes zu sehen, der 1605 ein Attentat auf den englischen König versuchte. In der Comicserie „V wie Vendetta“ tragen Männer im Kampf gegen ein faschistisches Regime seine Maske – das haben die Aktivisten aufgegriffen.

Keine Hierarchie

Anonymous ist keine feste Gruppe, sondern eine loses Kollektiv. Die Aktivisten finden sich spontan zu Operationen zusammen. Da jeder den Namen nutzen kann, ist es durchaus möglich, dass etwa auch Geheimdienste die Marke für sich nutzen.

Keine klaren Ziele

Die Anonymous-Aktivisten setzen sich für die Freiheit des Internets und gegen Zensur ein – weitere Ziele sind jedoch schwammig. Einige Operationen richten sich gegen rechtsextreme Websites, andere gegen die umstrittene Scientology-Organisation.

Im Visier der Ermittler

Anonymous bedient sich häufig mindestens umstrittener, teils eindeutig illegaler Mittel. In einigen Ländern stehen die Aktivisten daher im Visier der Strafbehörden, einige sind bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

 

Zudem seien andere „Anonymous“-Seiten nicht mit „Anonymous.Kollektiv“ vernetzt, sie würden den Kontakt sogar bewusst meiden. Eine Gruppe, die sich „Anonymous Deutschland“ nennt, sah sich bereits genötigt, bei Facebook auf immer wiederkehrende Anfragen nach „Anonymous.Kollektiv“ zu reagieren. Mit dem Administrator der Page habe es 2012 noch „einige gemeinsame Aktionen“ gegeben. Das Ganze sei aber „bald eskaliert“.

Zum Inhalt der Seite äußert sich „Anonymous Deutschland“ so: „Verschwörungen, Beleidigungen usw. sind, sagen wir mal, fragwürdig. Muss jeder selbst wissen, was er konsumiert. Wir haben andere Maßstäbe.“ Gleichzeitig appellieren die Hacker an die Facebook-Nutzer: „Übt euch in Medienkompetenz!“

Auch „Netz gegen Nazis“ betont, wie wichtig Quellenkunde in den sozialen Netzwerken sei. Selbst wenn eine Facebook-Seite scheinbar einen guten Zwecken habe, solle jeder zunächst in die Chronik schauen und überprüfen, ob die Inhalte den eigenen Vorstellungen entsprechen, empfiehlt die Initiative.

Tatsächlich wird Angela Merkel auf der Kollektiv-Seite als „völlig durchgeknallte und nicht mehr zurechnungsfähige amerikanische Kanzlerin“ und „Schlepperkönigin“ bezeichnet, die Grünen werden als „Pädopartei“ beschrieben. In vielen Beiträgen wird offen Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht.

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