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27.01.2005

16:50 Uhr

IT + Telekommunikation

Handy-Krise überschattet Abschied von Siemens-Chef Pierer

Die Krise im Handygeschäft hat den Abschied des Siemens-Chefs Heinrich von Pierer überschattet. „Es wäre naiv, anzunehmen, dass man besenrein übergeben kann“, sagte der 64-Jährige am Donnerstag an seinem letzten Arbeitstag in der Hauptversammlung in München.

Siemens-Handy-Produktion

Die Handy-Sparte bleibt das Sorgenkind des Siemens-Konzerns.

dpa MÜNCHEN. Die Krise im Handygeschäft hat den Abschied des Siemens-Chefs Heinrich von Pierer überschattet. „Es wäre naiv, anzunehmen, dass man besenrein übergeben kann“, sagte der 64-Jährige am Donnerstag an seinem letzten Arbeitstag in der Hauptversammlung in München.

Der Vorstand bemühe sich schon seit geraumer Zeit um die Sanierung der Handysparte. Man könne aber nicht mit der Brechstange vorgehen, nur um pünktlich zum Wechsel an der Spitze eine Lösung zu präsentieren. So wird Nachfolger Klaus Kleinfeld - in Absprache mit dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer - über die Zukunft der Handys entscheiden müssen.

Für die Mobilfunkgeräte hatte Pierer immer ein besonderes Faible. Auf Hauptversammlungen und Pressekonferenzen hielt er die neuesten Modelle in die Höhe und warb um Käufer. Doch spätestens seit dem vergangenen Sommer steckt der Geschäftsbereich tief in der Krise. Während bei den Konkurrenten das Geschäft im Weihnachtsquartal dank der hohen Nachfrage nach Foto-, Klapp- und UMTS-Handys boomte, musste Siemens einen Absatzeinbruch von 15,2 auf 13,5 Mill. Geräte hinnehmen. Zum Vergleich: Marktführer Nokia verkaufte im selben Zeitraum 66 Mill. Handys.

Vielleicht noch schlimmer: Der durchschnittliche Verkaufspreis sank bei Siemens von 98 auf 86 Euro pro Gerät, während Konkurrenten leicht über 100 Euro kommen. Als Folge machte Siemens im Quartal mit Handys ein sattes Minus von 143 Mill. Euro. Der Verlust war damit nochmal so hoch wie im Vorquartal, als Sonderbelastungen durch eine Software-Panne anfielen.

Die aktuelle 65er-Handy-Serie sei zwar technisch gut, aber etwas spät gekommen, sagte Pierer nach Ursachen befragt. „Da waren die Regale schon mit anderen Produkten gefüllt.“ Zudem habe natürlich die Software-Panne das Image belastet. Siemens hatte die ersten 65er-Modelle wegen eines zu lauten Warntons zurückgerufen. Viele Experten bezweifeln, ob auch andere Hersteller so übereifrig reagiert hätten. Auch Pierer sagt, dass sich das Problem im Nachhinein als eher unbedeutend herausgestellt habe.

Er sei überzeugt davon, dass sich das Handygeschäft sanieren lasse, meint ein hochrangiger Siemens-Manager. „Das ist einfach.“ Allerdings werde man als weltweite Nummer vier wohl nie die Margen erzielen können, die Marktführer Nokia und Aufsteiger Samsung verdienen. Für einen Konzern wie Siemens, der den Anspruch hat, in allen Geschäften möglichst die Nummer eins oder zwei weltweit zu sein, sind das keine guten Aussichten. So dürfte neben der Sanierung vor allem die Suche nach einem Partner für Siemens weiter eine Option sein. Eine Schließung ist dagegen unwahrscheinlich. „Wir haben eine gute Entwicklungsmannschaft, exzellente Werke und einen guten Markennamen. Diesen Wert gilt es zu erhalten“, sagte Pierer.

In einem breit aufgestellten Konzern wie Siemens gibt es immer offene Baustellen. Heutige Ertragsbringer wie die Energieerzeugung und die Medizintechnik mussten in der Vergangenheit ebenfalls Krisen durchstehen. So konnte Pierer nach zwölf Jahren an der Spitze trotz der Handy-Probleme sagen: „Ich gehe mit einem guten Gefühl.“

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